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WIEDERAUFBAU: Viel harte Arbeit für eine neue Weiche

Die Arbeiten an den Gleisen im Luzerner Bahnhof laufen auf Hochtouren. Gestern wurde eine sehnlichst erwartete Weiche montiert. Drei weitere fehlen. Kommen diese pünktlich an, ist der Weg für die Wiedereröffnung frei.
Kilian Küttel
Eine der neuen Weichen konnte bereits eingesetzt werden. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017))

Eine der neuen Weichen konnte bereits eingesetzt werden. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017))

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Bahnhof Luzern, am Freitagnachmittag, unweit der Langensand-Brücke: Ein Horn erschallt, ein heller Klang verrät die Einfahrt eines Zuges der Zentralbahn – der einzigen Züge, die im Moment fahren. Das Horn warnt die 20 Gleisarbeiter, die nebenan krampfen. Sie heben die Köpfe, um sich zu vergewissern, dass für sie keine Gefahr besteht. Dann machen sie weiter. Orange Kleider, orange Helme, dreckige Gesichter. Der Schweiss tropft von Armen und Köpfen, aus den Mündern ragen Stumpen und Zigaretten. Hier unterbricht niemand die Arbeit, um zu rauchen. Sie schuften und schmauchen gleichzeitig. Die Zeit drängt: Der Betrieb muss am Montagmorgen wieder funktionieren. «Normalerweise haben wir für so einen Auftrag mehrere Monate Zeit. Jetzt sind es wenige Tage», sagt Roman Steiner, der die Arbeiten auf der Baustelle koordiniert. Er ist Chef von rund 140 Leuten.

Seit Mittwochabend haben er und sein Team ein einziges Ziel: Den geplatzten Verkehrsknotenpunkt in Luzern wieder zu verbinden. Eine Herkulesaufgabe: «Nebst dem Zeitdruck ist die grösste Herausforderung, dass wir hier auf engstem Raum zwei Baustellen haben.» Der Eurocity, der am Mittwochnachmittag in Luzern entgleist ist, hat an zwei Stellen beträchtlichen Schaden angerichtet. Insgesamt braucht es 400 Meter neue Gleise. Im vorderen Teil der Baustelle – also in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs – müssen die Gleisarbeiter einzelne Weichenteile ersetzen. «Der grösste Schaden ist aber direkt bei der Langensand-Brücke. Dort müssen wir komplette Weichen ersetzen», so Steiner.

Deshalb ziehen sich die Arbeiten in die Länge: Die neuen Weichen sind Spezialanfertigungen, die erst hergestellt und geliefert werden mussten. Bislang ist eine Weiche eingetroffen, drei fehlen. Trotzdem – Steiner ist froh um die erste Lieferung: «Das ist ein absoluter Meilenstein. Ohne diese Weichen können wir nicht weiterarbeiten.» Steiner hat eine stahlharte Deadline: Sonntag, Mitternacht. Doch auch den Rest der Nacht von Sonntag auf Montag wird Hochbetrieb auf dem Bahnhofsareal herrschen. Züge müssen rangiert werden, die letzten Vorbereitungen beginnen dann zu laufen.

Der Chef ist zuversichtlich, dass er und sein Team ihren Part bis Mitternacht abschliessen: Die drei anderen Weichen sollten bis am Samstagabend um 20 Uhr eintreffen. «Wenn das klappt, werden wir fertig.» Während er spricht, hebt ein Gleiskran die neue tonnenschwere Weiche hoch und manövriert sie an ihren Platz. Sofort hasten Arbeiter herbei, bringen die Weiche mit einem Vorschlaghammer in Position. Hammer trifft auf Schiene, Stahl schlägt auf Stahl. Wieder erklingt ein heller Ton. Sogleich folgt ein weiterer: Das Horn wird geblasen, der nächste Zentralbahn-Zug fährt ein.

«Bis wir eine Weiche eingesetzt haben, brauchen wir etwa 15 bis 20 Minuten», sagt Roman Steiner und beobachtet seine Leute. Er hat den Überblick, der Betrieb läuft zu seiner Zufriedenheit. Das war auch schon anders. «Der Raum ist eng, es kommt viel aufs Mal. Die Koordination war nicht immer einfach. Aber jetzt sind wir eingespielt.» Dass zu Beginn nicht immer alles rundgelaufen sei, wiege aber nicht schwer. «Es braucht eine gewisse Zeit, damit sich die Abläufe einpendeln können.»

«Wenn uns die Kameraden brauchen, sind wir da»

Die Weiche liegt auf dem Schotter, Steiner verlässt die erste seiner Baustellen. Auf der zweiten passen seine Leute ­gerade eine Schiene an, die ausge­wechselt werden musste. Es ist ein Kampf, bis sie passt. An vorderster Front kämpft Richard Gisler. Der 39-jährige Erstfelder ist seit Donnerstagmorgen im Einsatz: «Es ist wie auf jeder anderen Baustelle, ausser dass wir mehr Stress haben. Ich habe zwar noch Energie, aber ich bin froh, wenn wir fertig sind.» Eigentlich arbeitet er nicht in Luzern, sondern im Urnerland. Dann haben die SBB um Hilfe gerufen. Die Urner sind gekommen. «Wenn uns die Kameraden brauchen, sind wir da.» Richard Gisler ist einer der 300 Mitarbeiter, die nach SBB-Angaben derzeit ­Sonderschichten schieben: da­runter Büroangestellte, Gleisarbeiter und Kundenlenker, welche die Pendler auf die richtigen Ersatzbusse verteilen.

Die Redezeit ist vorbei, jetzt zählt wieder Muskelkraft. Gisler dreht sich um, zerrt und zieht, drückt und reisst, bis die Schiene passt. Nebenan heulen Maschinen auf, ein Bagger fährt vorbei. Es riecht nach Abgas, Diesel und Stahl. Dann erklingt wieder das Horn. Die Arbeiter schauen auf, vergewissern sich, dass keine Gefahr besteht. Die Zentralbahn kommt, die anderen schuften weiter.

Roman Steiner koordiniert die Wiederinstandstellungsarbeiten vor dem Bahnhof Luzern. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017)))

Roman Steiner koordiniert die Wiederinstandstellungsarbeiten vor dem Bahnhof Luzern. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017)))

Mit Maschinen.... (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017))

Mit Maschinen.... (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017))

...und von Hand arbeiten die Gleisbauer. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017))

...und von Hand arbeiten die Gleisbauer. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 24. März 2017))

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