Wieviel darf Sport und Kultur kosten? Die CVP Horw stösst Debatte um Vereinsfinanzierung an

Die Gemeinde Horw soll ihre Beiträge an Vereine verdoppeln. Das fordert eine Initiative. Ein Blick über die Gemeindegrenzen zeigt: Die Unterstützung von Sport und Kultur variiert sehr stark.

Raissa Bulinsky
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Mit der Gemeindeinitiative «Vereine stärken – sie sind der Kitt der Gesellschaft» fordert die CVP Horw den Gemeinderat dazu auf, Vereine stärker zu fördern. Konkret verlangt die Initiative eine Verdoppelung der heutigen Vereinsunterstützung von 100'000 Franken auf 200'000 Franken, was neu 0,3 Prozent des Gemeindebudgets ausmachen würde.

Hauptprobe des Stücks «Komödie im Dunkeln» der Theatergesellschaft Horw.

Hauptprobe des Stücks «Komödie im Dunkeln» der Theatergesellschaft Horw.

Bild: Philipp Schmidli (Horw, 8. November 2019)

Die CVP Horw begründet ihre Initiative damit, dass Vereine viel zum Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft beisteuern. Dazu zähle die soziale Vernetzung, wirkungsvolle Integration, Steigerung sozialer Kompetenzen sowie des Verantwortungsbewusstseins und vor allem die Jugendförderung.

Vor allem Jugendliche sollen profitieren

CVP-Präsident Ivan Studer bestätigt, dass besonders die Jugendförderung von hoher Relevanz sei. «Alle Vereine haben Anrecht auf Unterstützung, sofern diese für die Jugendförderung eingesetzt wird», findet Studer. Die Höhe des finanziellen Beitrages soll an der Anzahl jugendlicher Vereinsmitglieder festgelegt werden. Zwar sei die Jugendförderung bereits jetzt ein Kriterium bei der Verteilung von Fördergeldern, es existiere bisher jedoch kein klares Reglement darüber, wer eine Unterstützung bekommt und wer nicht, so Studer.
Die CVP Horw möchte den Fokus verstärkt auf junge Leute legen, da Vereine ihnen sinnvolle Freizeitbeschäftigungen, Trainings oder Anlaufstellen bieten. Würden die Vereine – sprich die vielen Freiwilligen – diese Aufgaben nicht mehr übernehmen, «müsste die öffentliche Hand einspringen», so Studer. Dies würde zu hohen Kosten führen. Durch finanzielle Vereinsunterstützung könne man dem entgegenwirken.

Doch wie steht die Horwer Vereinsförderung im Vergleich mit den Nachbargemeinden da?

  • Kriens: Die Stadt Kriens zahlt jährlich rund 70'000 Franken an Kulturvereine und 78'000 Franken an Sportvereine. Beim Sport hängt die Unterstützung teilweise direkt von der Anzahl Junioren ab – genauso wie von der CVP Horw gewünscht. Hinzu kommen etwa 28'000 Franken für Einzelprojekte sowie 16'000 Franken für Krienser Bands, die im Sedel Proberäume belegen.
  • Emmen: Die Gemeinde Emmen bezahlt rund 150'000 Franken pro Jahr an Sportvereine. Wie in Kriens sind die einzelnen Beiträge abhängig von den jugendlichen Mitgliedern. Kulturelle Vereine werden mit rund 20'000 Franken unterstützt. Über ein Drittel davon entfällt auf die Musikgesellschaft Emmen, die im Gegenzug Leistungen für die Gemeinde erbringen muss (z.B. Bundesfeier und Jubilarenständli).
  • Luzern:  2018 zahlte die Stadt Luzern rund 900'000 Franken an klassische Mitglieder-Vereine wie Turnvereine oder Musikgesellschaften. 
  • Ebikon: In Ebikon existieren keine fixen Jahresbeiträge. Trotzdem wurden 2018 an kulturelle Vereine 16'400 Franken ausbezahlt und an Sportvereine 4100 Franken.  Die Verteilung der Beiträge wird per 2021 neu geregelt. So werden Vereine Unterstützungsbeiträge erhalten, wenn sie sich in einem Jubiläumsjahr (10, 20, 30... Jahre) befinden. Die Höhe der Beiträge hängt dann von der Anzahl Vereinsmitglieder ab. 

Neben den direkten finanziellen Vereinsunterstützungen, machen aber indirekte Leistungen wie die kostenlose Benützung von Infrastruktur einen weitaus grösseren Beitrag aus. Die Stadt Kriens beziffert diese beispielsweise auf fast eine halbe Million Franken, die Gemeinde Ebikon investiere insgesamt rund eine Million Franken in das Ebikoner Vereinsleben.

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