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WIKON: Gemeinderat lässt Deal mit reformierter Kirche platzen

Um eine Altlast zu bereinigen, stellte der Gemeinderat der reformierten Kirchgemeinde Wohnungen im Bauprojekt Spychermatte in Aussicht. Nun will die Behörde aber nichts mehr davon wissen.
Evelyne Fischer
René Wiederkehr, Gemeindepräsident von Wikon. (Bild: PD)

René Wiederkehr, Gemeindepräsident von Wikon. (Bild: PD)

Wie Pilze dürften sie aus dem Boden schiessen: die neun geplanten Blöcke auf der Spychermatte in Wikon. Auf der Wiese sollen 77 Wohnungen für gut 150 Einwohner entstehen – samt Dienstleistungen wie Dorfladen, Spitex-Ambulatorium oder Mittagstisch. Investor ist die Tellco Vorsorge AG aus Schwyz, wie 2015 bekannt wurde.

Zum Grossprojekt der 1500- Einwohner-Gemeinde hat auch die Reformierte Kirchgemeinde Reiden und Umgebung ihren Segen gegeben. So heisst es im Planungsbericht: Die «Zusammenarbeit mit der reformierten Kirchgemeinde» sei «ein grosser Zugewinn und ein wesentlicher Faktor für die Nachhaltigkeit der Sozialziele des Projekts». Dass die reformierte Kirche mit einbezogen wird, hat guten Grund: Auf diesem Weg wollte die Gemeinde eine Altlast bereinigen.

Anfang der 1980er-Jahre wurde ein Grundstück der reformierten Kirchgemeinde von der Bau- in die Landwirtschaftszone umgezont. Ein massiver Wertverlust. Dagegen erhob die Kirchgemeinde Einsprache. Beigelegt wurde diese 1983 mit einem Vertrag, welcher der Kirchgemeinde die Benützung von Räumen der Gemeinde zusichert. Davon machte sie aber keinen Gebrauch.

Tauschgeschäft soll altes Problem beseitigen

Als Abgeltung schlug der Gemeinderat 2015 folgenden Tausch vor: Die Gemeinde würde Eigentümerin der Kirchenparzelle, überliesse der Kirchgemeinde dafür zwei Wohnungen in der Überbauung als Schenkung. Mit dieser Lösung hätte sich Wikon eines weiteren Problems entledigen können: Zwei Drittel des benötigten Gemeindelandes auf der Spychermatte wurden vom früheren Besitzer mit einem Bauverbot belegt. Dieses kann laut Vertrag auf ein «wert- und ertragsmässig mindestens gleichwertiges Grundstück» übertragen werden. Eine geeignete Parzelle wäre jene der reformierten Kirchgemeinde.

Diesen Plänen droht nun das Aus, wie die reformierte Kirchgemeinde am Donnerstag publik machte. Der Gemeinderat will nichts mehr vom damaligen Deal wissen. Stattdessen hat er vorgeschlagen, die 4000 Quadratmeter grosse Parzelle nicht zum Wert von Bauland zu erwerben, sondern den Preis für Landwirtschaftsland zu zahlen. Bei Beteiligung der Kirche an der Spychermatte hätte der Gemeinderat von Wikon allerdings «eine Goodwill-Zahlung» geleistet. Keine der beiden Parteien macht Angaben zur Höhe des Angebots. Grund für den Kurswechsel ist eine rechtliche Abklärung der Gemeinde. «Laut unserem Juristen fehlt für eine Schenkung die Rechtsgrundlage», sagt Gemeindepräsident René Wiederkehr (parteilos). Den Vertrag von 1983 habe Wikon «mutmasslich» schon 1985, spätestens aber 1995 erfüllt. Wie, führt Wiederkehr nicht aus. «Grundsätzlich gilt, dass der Vertrag längst verjährt ist.»

Kirchgemeinde prüft juristische Schritte

Diese Planänderung traf den Kirchenvorstand aus heiterem Himmel. Das erhaltene Angebot war keine Option. «Wir fühlen uns vor den Kopf gestossen», sagt Jürg Wermelinger, Präsident der reformierten Kirchgemeinde. «Der Kirchenvorstand stimmte einer Investition zu, da es sich um ein Projekt mit hohem sozialem Mehrwert handelt.» So sei das Projekt auch nach aussen präsentiert worden. «Die Gemeinde ist moralisch verpflichtet, die getroffenen Vereinbarungen einzuhalten», sagt Wermelinger. «Nun wird der Kirchenvorstand prüfen, juristisch dagegen vorzugehen.» Grundsätzlich sei man aber noch immer an einer «einvernehmlichen Lösung» interessiert.

Wiederkehr sagt dazu: «Auch ohne die Unterstützung der Kirchgemeinde hat das Projekt grosse Chancen an der Urne. Die Stimmbürger können sehr gut abwägen, welchen Stellenwert dieses für Wikon hat.» Bevor diese voraussichtlich im Frühling über den 6,1-Millionen-Landverkauf befinden, muss der Gemeinderat zwei Einsprachen behandeln, die gegen die Zonenplanänderung eingegangen sind. Bald will die Behörde auch mitteilen, auf welche gemeindeeigene Parzelle er das Bauverbot verlegen will. «Auf das Land der Kirchgemeinde sind wir nicht mehr angewiesen.»

Auf die Frage, ob auf der Spychermatte weiterhin von einer «Überbauung mit Familienwohnungen und Alterswohnungen im mittleren Mietwohnungssegment» die Rede sei, antwortet Gemeindepräsident Wiederkehr: «Wie hoch die Mieten in den Wohnungen der Kirchgemeinde ausgefallen wären, ist uns nicht bekannt.» Angedacht sei, rund die Hälfte der Blöcke mit Mietwohnungen zu bestücken. «Ein Teil davon werden altersgerechte Wohnungen mit Dienstleistungen sein, das wollen wir im Kaufvertrag auch festhalten.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

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