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Wikon: Nun beginnt das grosse Aufräumen

Wie eine Analyse aufzeigt, ist die Verwaltung von Wikon stark unterdotiert – gesucht wird derzeit ein Gemeindeschreiber, ein Bauverwalter und ein Finanzexperte. Der Weg aus der Krise wird einiges kosten.
Evelyne Fischer
Früher Sozialvorsteherin, nun Gemeindepräsidentin von Wikon: Michaela Tschuor (CVP). (Bild: Nadia Schärli, Wikon, 21. Januar 2019)

Früher Sozialvorsteherin, nun Gemeindepräsidentin von Wikon: Michaela Tschuor (CVP). (Bild: Nadia Schärli, Wikon, 21. Januar 2019)

Mangelhafte Führungsverantwortung, fehlendes Know-how auf der Bauverwaltung, zwischenmenschliche Probleme: Eine Analyse des Beratungsunternehmens BDO offenbart, wie gross die Krise im Wikoner Gemeinderat und auf der Verwaltung ist (Artikel vom 15. Mai).

45 Massnahmen hat die BDO dem Gemeinderat empfohlen. Zu den drängendsten gehört die Stabilisierung der Personalsituation auf der Verwaltung: 318 Stellenprozente verteilt auf sechs Mitarbeitende (ohne Lehrtochter) sind es heute. Weit entfernt vom Soll von 385 Stellenprozenten und – laut BDO – in zu viele Kleinpensen aufgestückelt. «Um auf der Verwaltung das nötige Fachwissen zu haben, bräuchten wir mindestens 410 Stellenprozente. Gar noch mehr, sollen die Gemeinderäte künftig hauptsächlich strategisch arbeiten», sagt die seit dem 1. Mai als Gemeindepräsidentin agierende Michaela Tschuor (CVP).

Das heutige Gemeinderatsmodell sei nicht miliztauglich, es brauche eine Entflechtung des operativen und strategischen Geschäfts, ebenso eine einheitliche Personalführung. «Laut der Analyse ist das Rollenverständnis bei Kommissionen, Gemeinderäten und Verwaltung ganz unterschiedlich. Das hat mich sehr überrascht.» Nähere Angaben macht sie mit Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht.

Zusatzkredit wird benötigt

Ob Wikon dereinst zum Geschäftsführermodell wechselt und welche Kostenfolgen die Aufstockung auf der Verwaltung nach sich ziehen wird, zeige sich an der Klausur vom 26. Juni. Klar ist aber: «Wir werden einen Zusatzkredit benötigen.» Daher habe man sich entschieden, die Ergebnisse der rund 20'000 Franken kostenden Analyse zu präsentieren – im Detail werde man diese aber nicht veröffentlichen.

«Weder geht es hier um eine Chropfleerete, noch wollen wir Schuldzuweisungen machen», betonte Tschuor am Mittwoch. Die heutigen Missstände seien historisch gewachsen. Eine wichtige Rolle spiele dabei der Gemeindeschreiber. «Mit dem Abgang von Hans Arnold 2009 kam die Verwaltung in eine Negativspirale», sagt Tschuor. Arnold war 30 Jahre auf der Gemeinde tätig, im Bauwesen sattelfest. Seither wurde seine Stelle siebenmal (!) neu besetzt. Ad interim ist nun Andreas Kalt als Gemeindeschreiber tätig. Tschuor sagt:

«Mit einem kompetenten Gemeindeammann und einer Baukommission, in der Fachleute vertreten sind, konnte man früher das fehlende Know-how auf der Verwaltung lange auffangen.»

Aber mit den gestiegenen Anforderungen sei man je länger je mehr ans Limit gekommen. Wie Patrick Deicher von der BDO sagte, sei die Baukommission zurzeit «nur eingeschränkt funktionsfähig». Favorisiert werde eine Regionalisierung der Bauverwaltung, sagt Tschuor. «Es laufen Gespräche mit mehreren Gemeinden, auch über die Kantonsgrenze hinaus.»

Alt Gemeindepräsident übt Selbstkritik

Happig war am Mittwoch die Aussage der BDO, der Gemeinderat habe seine Führungsverantwortung bis Januar «mangelhaft» wahrgenommen. Eine Aussage, die der per Ende April abgetretene Gemeindepräsident René Wiederkehr, der vor Ort war, «als störend» und «grob» empfunden hat, wie er auf Anfrage sagt. Er hält fest, er fühle sich «nicht persönlich angegriffen», es gebe aber Ressortvorsteher, die ihrer Verantwortung nicht nachgekommen seien.

Wiederkehr übt auch Selbstkritik: Die «Leitplanken» der Gemeindeschreiberin habe er wohl zu offen gestaltet – zusammengebrochen sei die Verwaltung aber erst nach ihrer Freistellung. «Und dieser Entscheid fiel in jener Zeit, in der ich krankgeschrieben war.» Tschuor betonte, es gelte künftig das «Wir» zu stärken; fair, sachpolitisch und transparent zu kommunizieren. Ein Schritt, den Wiederkehr unterstützt. «So lässt sich verhindern, dass am Schluss auf die Person gezielt wird.»

Tschuor ist täglich auf der Kanzlei

Um die Verwaltung und die Behörde bis zum Start der neuen Legislatur im September 2020 auf Vordermann zu bringen, braucht es Knochenarbeit. Michaela Tschuor ist derzeit in einem 60-Prozent-Pensum tätig. «Ich will den Puls spüren, will wissen, wo es brennt. Ein Vollamt ist aber langfristig ausgeschlossen.» Seit Februar hat sie das Personalwesen unter sich, neu gibt es wöchentlich Teamsitzungen. Denn: «Personal zu führen, heisst zu einem grossen Teil auch Befindlichkeiten abholen, nicht nur Delegieren.» Ein anspruchsvoller Job. «Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich kann mich immer abgrenzen.» Am Mittwoch appellierte sie an ihre Ratskollegen, das Führungsbewusstsein stärker zu zeigen.

«Noch sind wir nicht bei 100 Prozent. Immerhin wissen wir nun, welche Richtung wir einschlagen wollen.»

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