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Wikon präsentiert seinen Weg aus der Krise

An der Wikoner Gemeindeversammlung präsentierte die Exekutive die beschlossenen Massnahmen, um die Baustellen aus dem Weg zu räumen. Und die Auslegeordnung zeigt: Der Zeitplan ist äusserst sportlich.
Ernesto Piazza
An der Gemeindeversammlung in Wikon vom Dienstag haben sich die anwesenden Gemeinderäte für das schlechte Krisenmanagement und das falsch gewählte Verfahren bei Gemeinderat Wolfgang Kunzelmann (SVP) und den Bürgern entschuldigt. (Bild: Dominik Wunderli (Wikon, 15. November 2018))

An der Gemeindeversammlung in Wikon vom Dienstag haben sich die anwesenden Gemeinderäte für das schlechte Krisenmanagement und das falsch gewählte Verfahren bei Gemeinderat Wolfgang Kunzelmann (SVP) und den Bürgern entschuldigt. (Bild: Dominik Wunderli (Wikon, 15. November 2018))

Richtig ans Eingemachte ging es an der Gemeindeversammlung in Wikon erst zum Schluss. Dafür mussten die 152 Stimmberechtigten (15,5 Prozent) zwei Stunden ausharren. Allerdings hatte es das Traktandum ‹Verschiedenes› in sich. Sozialvorsteherin Michaela Tschuor (CVP) zeigte in einem Paket, vollgestopft mit Massnahmen auf, wie der Gemeinderat seinen Weg aus der Krise finden will. Doch dazu später mehr.

Weil Gemeindepräsident René Wiederkehr noch bis Ende November krank geschrieben ist, musste Tschuor als seine Stellvertreterin die Versammlung leiten. Und sie erfüllte diese Aufgabe souverän und äusserst bürgernah. Denn wer Wikon ein wenig kennt, war auf vieles gefasst: In den vergangenen Jahren kam es an den Gemeindeversammlungen regelmässig zu emotionalen Voten, welche oft die Gürtellinie ritzten. Doch Tschuor gelang es möglicherweise brodelndem Frust bei den Anwesenden den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Viel Vertrauens- und Goodwillverlust

«Die Ereignisse der letzten Monate haben bittere Nachwehen hinterlassen», sagte sie gleich zu Beginn. «Die Resultate sind für Wikon nicht positiv.» Damit sprach sie unverblümt die aktuellen Probleme der Gemeinde an. Ratsintern poppten immer wieder Probleme auf. So hatten die Mitglieder ihrem Kollegen Wolfgang Kunzelmann (SVP) die Ressortverantwortung zu Unrecht entzogen, wie die Verwaltungsbeschwerde zeigte. Der Bildungsverantwortliche Markus Dietrich demissioniert auf Ende März 2019, bei Wiederkehr haben die Ereignisse gesundheitliche Spuren hinterlassen und Gemeindeschreiberin Janine Bron hat per Ende Februar ihre Kündigung eingereicht. Dazu kommt, dass die Verwaltung «auf dem letzten Zacken läuft», wie Tschuor erklärte und «die Führung fehlte».

Das alles habe zu viel Vertrauens- und Goodwillverlust geführt, betonte die Gemeindepräsidentin ad interim. «Das Krisenmanagement war schlecht. Wir haben Lehrgeld bezahlt.» Wer ein öffentliches Amt bekleide mache öffentlich Fehler. «Deshalb entschuldigen wir uns – wie wir hier sind – auch öffentlich», betonte die CVP-Gemeinderätin «bei Wolfgang Kunzelmann, für das schlechte Krisenmanagement und das falsch gewählte Verfahren. Und wir entschuldigen uns auch bei den Stimmbürgern». Das Protokoll der Versammlung erstellte übrigens ad interim Edith Meier, Gemeindeschreiberin in Triengen. Sie hatte Tschuor im Vorfeld des Anlassen noch einen Crashkurs vermittelt.

«Es ist Zeit neue Wege zu beschreiten»

«Ich will nichts beschönigen. Das Ganze hat Spuren hinterlassen», sagte die Sozialvorsteherin als es schliesslich um die Zukunft von Wikon ging. «Es ist Zeit neue Wege zu beschreiten.» Sie hätten die Abläufe und die Führungsstruktur hinterfragt und enormen Handlungsbedarf festgestellt. «Das Ziel ist, den Gemeinderat, die Kommissionen, aber auch die Verwaltung mit einer dort das Rückgrat bildenden Person ‹Gemeindeschreiber› auf ein Niveau zu bringen, welches ein zeitgemässes Verwaltungsmanagement beinhaltet, das der Grösse von Wikon entspricht.»

Bereits nächste Woche startet die Gemeinde mit der BDO Visura als externem Partner eine Organisationsanalyse. Im April sollen die Resultate mit einem Massnahmenkatalog bekannt sein. Dann geht es für Wikon an deren Umsetzung. Weiter herrscht viel Unzufriedenheit mit der Bauverwaltung. «Dort drückt der Schuh gewaltig», so Tschuor. Ebenfalls nächste Woche startet dort ad interim eine neue Person. Die mit einem befristeten Vertrag ausgelagerten Steuerveranlagungen nach Sursee gehen in eine unbefristete Zusammenarbeit über. Damit soll der Rückstau nicht nur aufgeholt, sondern wieder auf ein für Wikon übliches Mass von 70 bis 80 Prozent angehoben werden. Die befristeten Tätigkeiten auf der Verwaltung werden verlängert. «Für das Personal ist die nächste Zeit eine grosse Herausforderung», erklärte Tschuor. Die Öffnungszeiten werden angepasst. Das heisst. Die Verwaltung ist künftig reduziert erreichbar.

«Neue Person kommt nicht in eine Komfortzone»

Gemeindeschreiberin Janine Bron hat noch bis am Dienstag in Wikon einige Pendenzen aufgearbeitet. Die Übergabe ist erfolgt. Der sofortigen Freistellung aufgrund der Kündigung vom 14. November wurde also nicht stattgegeben. Man hätte die entsprechenden rechtlichen Abklärungen getroffen, so Tschuor. Ende November ist sie nun weg – die Lohnzahlung läuft noch bis zum ordentlichen Kündigungsdatum von Ende Februar 2019. Die Nachfolge wird ad interim geregelt. «Wir sind uns bewusst, dass eine neue Person nicht in eine Komfortzone hineinkommt», sagte Tschuor. Wikon schreibt die Stelle neu aus. Das Anforderungsprofil wird klar definiert. «Wir müssen uns verlassen können und dem Bürger Professionalität bieten.» Wie es mit den Strafverfahren im Gemeinderat weitergeht, ist ungewiss. Sie sind noch pendent. «Hier befinden wir uns ebenfalls in einem Dilemma», sagte Tschuor.

Gegen 22.15 Uhr schloss sie die Versammlung, bei der das Budget 2019 aufgrund anderer Interessen fast zu einer Randbemerkung degradiert wurde. Dieses weist einen Verlust von rund 450 000 Franken. Die Nettoinvestitionen betragen 1,26 Millionen Franken. Der Steuerfuss bleibt bei 2,5 Einheiten. Hinterher war der Gemeindepräsidentin ad interim die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. «Ich habe im Vorfeld der Versammlung viele Gespräche geführt.» Darunter waren auch solche mit Parteien und Kommissionen – und sie hofft, «dass hiermit ein erster Schritt zur Rückgewinnung des Vertrauens gemacht ist».

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