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Wikons Gemeinderätin Michaela Tschuor kennt sich mit Krisen aus

Vizepräsidentin Michaela Tschuor (CVP) versucht, den Gemeinderat trotz Querelen auf Kurs zu halten. Dabei hilft der 41-jährigen Juristin eine Erfahrung aus der Luftfahrt.
Ernesto Piazza
Michaela Tschuor, Gemeinderätin von Wikon. (Bild: Nadia Schärli, 21. Januar 2019)

Michaela Tschuor, Gemeinderätin von Wikon. (Bild: Nadia Schärli, 21. Januar 2019)

Es gibt bestimmt angenehmere Tage im politischen Leben der Wikoner Sozialvorsteherin Michaela Tschuor (CVP) als der letzte Freitag. Mitten in einem Mediengespräch erreicht sie ein externer Anruf mit der Info, dass der parteilose Gemeindepräsident René Wiederkehr auf den 1. Mai seine Demission eingereicht hat.

Tschuor checkt kurz ihren E-Mail-Account und stellt fest: Das Rücktrittsschreiben, das Wiederkehr unter anderem an ausgewählte Medien geschickt hat, ist ebenfalls eingegangen. Doch man sieht ihr an: Wie die Information transportiert wurde, beschäftigt sie. Die Wikoner Ratsvizepräsidentin hätte die Mitteilung gerne vorab und persönlich erhalten.

Sie hat den künftigen Mann unbewusst bei einer Projektwoche gesehen

Trotzdem sagt die 41-jährige Juristin: «Ich politisiere mit Freude und Leidenschaft.» Allerdings hat der Spass in den letzten Monaten ziemlich gelitten. Zeitweise sei ihr Pensum als Gemeinderätin bei rund 50 statt der vorgegebenen 25 Prozent gelegen. Dass Sozialvorsteherin Tschuor überhaupt den Weg in die Politik gefunden hat, «verdankt» sie ihrer Vorgängerin Marta Brülhart. «Sie hat mich diverse Male kontaktiert, bis ich letztlich einer Kandidatur zustimmte.»

Die mit dem Bündner Flurin Tschuor verheiratete, dreifache Mutter stammt ursprünglich aus dem deutschen Ruhrpott. Ihre Grosseltern väterlicherseits mit dem Geschlecht Naydowski kommen aus Schlesien. Mit 13 Jahren führte der Weg in die Schweiz, weil ihr Vater beruflich für ein Jahr in Oftringen arbeiten wollte. Doch aus diesen 12 Monaten wurde eine längere Bleibe. Tochter Michaela besuchte in Brittnau die Bezirksschule. Dabei führte sie eine Projektwoche nach Brigels – und eine Schularbeit ins Kloster Disentis. Dort begegnete sie einer Gruppe Bündner Knaben. Damals sah sie ihren künftigen Mann unbewusst zum ersten Mal. «Das sagte er mir später.» Denn die zweite, jetzt bewusste, Begegnung war in einer Tierarztpraxis in Oftringen. Weil sie als Kind nie einen Vierbeiner haben durfte, entschied sie sich im Studium, einen Blindenführerhund auszubilden.

Apropos Studium: Eigentlich hatte es ihr die Medizin angetan. «Weil mir die Buchstaben aber eher liegen als Zahlen», schwenkte Tschuor um. Und so widmete sie sich der Rechtswissenschaft – speziell dem Medizinstraf- und Gesundheitsrecht.

Als Studentin kam sie auch ans Bezirksgericht Bülach. Dort erlebte die Juristin das Swissair Grounding hautnah mit.

«Ich durfte bei der ersten Verhandlung mit Mario Corti mit protokollieren.»

Und weil Michaela Tschuor während ihres Studiums noch Geld verdienen wollte, arbeitete sie in dieser Zeit in Zürich-Kloten beim Swissair-Check-in. Da erlebte sie die Momente, als die Flieger am Boden standen, die Passagiere strandeten.

Neben der Tätigkeit als Gemeinderätin arbeitet die Juristin noch in der Tierarztklinik Bolliger Tschuor in Oftringen und bearbeitet hauptsächlich Arbeitsrechtsthemen. Die Dissertation schrieb sie aber über den Umgang mit Föten und beschäftigte sich auch mit Fragen zum Schwangerschaftsspätabbruch. Der Doktortitel war hingegen nicht ihr erstrebenswertes Ziel. «Ich brauchte nach der Geburt meiner Kinder wieder einen geistigen Input.»

«Beim Zuhören nehme ich viel mit»

Als Gemeinderätin hat sie sich – speziell in den letzten Monaten – ein dickes Fell wachsen lassen müssen. Aber sie liebt es, «Meinungsmacher bei Diskussionen abzuholen». Selber mit Argumenten zu überzeugen, aber genauso Kompromisse mitzutragen: So versteht Tschuor ihr Amt. Als Sozialvorsteherin ist sie oft mit betagten Menschen unterwegs. «Diese politisieren anders. Beim Zuhören nehme ich viel mit.»

Weiter sagt Tschuor: «Man muss mehr in die Bildung investieren, will man nicht noch mehr Sozialhilfe leisten.» Jeder habe Talente. Denen entsprechend sollten Ausbildungen benutzt werden. «Nicht jeder muss ein Akademiker sein.» Und sie moniert bei der Invalidenversicherung die «teilweise sehr langen Fristen bis zum Entscheid.» Bei den betroffenen Menschen schlage das oft auf die Psyche und führe mitunter zu finanziellen Problemen. «Zudem kann es bei uns nicht sein, dass ein Kind bei Alleinerziehenden – wenn keine Alimente bezahlt werden – ein Armutsrisiko darstellt.»

Die Aufgaben- und Finanzreform sowie die Steuerpolitik – und damit schwenkt sie auf die kantonale Politik – seien auch wichtig. «Doch beim Massnahmen treffen und Lösungen suchen müssten alle Player helfen.» Im Frühling kandidiert die CVP-Frau für den Kantonsrat. Doch Wikon braucht in den nächsten Wochen ebenfalls zwei neue Exekutivpolitiker – und einen Gemeindepräsidenten (siehe Box). Dazu erklärt sie vielsagend: «Ausser den Finanzen kann ich mir alles vorstellen.»

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