Wild West in Eichhof West? Happige Vorwürfe an Verwaltung

Die baufälligen Gebäude im Areal «Eichhof West» sind bald Geschichte. Teile der verbliebenen Mieter werfen der Verwaltung ruppiges Verhalten vor. Letzte Woche wäre fast die Stromversorgung gekappt worden.

Simon Mathis
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Im Areal Eichhof West gehe es zu und her «wie im Wilden Westen», sagt ein betroffener Mieter.

Im Areal Eichhof West gehe es zu und her «wie im Wilden Westen», sagt ein betroffener Mieter.

Philipp Schmidli
(Kriens, 26. März 2019)

Neben der Brauerei Eichhof, direkt bei der Autobahneinfahrt, stehen fünf baufällige Gebäude. Als Ensemble wirken sie fast wie ein Geisterstädtchen. Ihre Tage sind gezählt. Mitte April sollen die Abbrucharbeiten beginnen, ein Bagger ist bereits aufgefahren. Die Arbeiten legen den Grundstein für die lange umstrittene Überbauung «Eichhof West». Die Zürcher Pensionskasse BVK plant unter anderem ein 53 Meter hohes Hochhaus.

Noch sind im Areal Eichhof West vier Personen und drei kleine Unternehmen einquartiert. Ihre Mietverträge laufen am 31. März ab. Einige dieser Mieter beklagen sich nun darüber, wie dort mit ihnen umgesprungen wird. Ein Grossteil der Gebäude sei zwar verlottert, aber nicht verlassen. Die Verwaltung behandle die Gebäude trotzdem so, als wären sie bereits menschenleer. Ein Mieter, der anonym bleiben will, greift zu einem drastischen Vergleich:

«Es ist hier wie im Wilden Westen.»

Von Drohungen, eingeschlagenen Türen und Heizungen ohne Öl ist die Rede. Ein anderer Mieter sagt, die Verwaltung habe die Mieter über die baulichen Eingriffe im Dunkeln gelassen. Vor einem Lager etwa habe man eine Grube ausgehoben und die Zufahrt umzäunt. So sei das Lager nun unzugänglich, obwohl noch eine Firma eingemietet ist.

CKW hatte den Auftrag, den Strom abzustellen

Vergangene Woche wollte die Verwaltung das Areal gar vom Stromnetz nehmen, wie ein Mieter berichtet. Dies bestätigt die CKW auf Anfrage. Man habe vor Kurzem tatsächlich den Auftrag erhalten, den Strom auf der entsprechenden Liegenschaft abzustellen. Als dann klar wurde, dass sich noch Nutzer auf dem Areal befinden, habe man darauf verzichtet. Deshalb sei das Gebiet zurzeit noch ans Stromnetz angeschlossen. Ein solches Vorgehen ist keine Bagatelle, auch wenn Mietverträge bald ablaufen.

«Bei der Stromkappung handelt es sich um eine massive Vertragsverletzung»,

erläutert Cyrill Studer Korevaar, Geschäftsleiter des Mieterinnen- und Mieterverbandes Luzern, auf Anfrage.

Christian Brütsch, Kommunikationsverantwortlicher der BVK, bestreitet, dass dahinter böse Absicht steckt: «Den Strom für vermietete Flächen abzuschalten, ist nicht vorgesehen.» Im Zusammenhang mit den vorbereitenden Arbeiten sei es allerdings zu kurzzeitigen Einschränkungen der Nutzung gekommen. Brütsch schreibt:

«Vorwürfe wie Bedrohung der Mieter respektive Nutzer oder eingeschlagene Türen weisen wir entschieden zurück.»

Diesbezüglich liege der BVK auch keine Meldung seitens der Mieter oder Nutzer vor.

Verwaltung: Es gab klare Abmachungen

Nachdem den Mietern fristgerecht gekündigt worden war, habe Mitte Februar eine Begehung zusammen mit den verbleibenden Nutzern des Areals stattgefunden. Man habe sie über die anstehenden Massnahmen und Termine informiert. «Mit ihnen wurden bereits vorgängig Vereinbarungen getroffen, per wann die belegten Flächen geräumt und zurückgegeben werden müssen», so Brütsch. Diese Vereinbarungen seien rechtsgültig.

Zu den einzelnen Vorwürfen nimmt die BVK keine Stellung, da sie grundsätzlich keine Detailfragen zu Mietern oder zur Bewirtschaftung beantworte.

Hotel und Hotelfachschule geplant

In die Überbauung «Eichhof West» sollen 200 Millionen investiert werden. Geplant sind 270 Mietwohnungen, eine Hotelfachschule für 500 Studenten und ein Hotel. Das Grossprojekt hat bereits einen vierjährigen Rechtsstreit hinter sich: Anwohner haben sich gegen das Vorhaben gewehrt und zogen den Fall bis vors Bundesgericht. Im Sommer 2018 erhielt die Bauherrin BVK grünes Licht.

Laut Mitteilung der BVK sollen die Gebäude auf dem Areal bis Ende August verschwunden sein. Einzig das Haus Langsägestrasse 15 wird noch bis 2020 stehen bleiben. Die BVK befindet sich noch in der Anfangsphase der Projektierung, die Bauarbeiten beginnen frühestens 2023. Die Zürcher Pensionskasse BVK ist seit 2008 im Besitz der Liegenschaft.