Wilde Gestalten im Städtli

Im Städtli beginnt die Narrenzeit traditionell mit einer Messe. Das hindert die Fasnächtler aber nicht daran, die Kirche auf die Schippe zu nehmen.

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An der Städtlifasnacht in Willisau: die Seewog-Gosler aus Menznau. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

An der Städtlifasnacht in Willisau: die Seewog-Gosler aus Menznau. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Fasnacht hat keine Berührungsängste mit der Kirche im Hinterland - ganz im Gegenteil: Die Narrenmesse am Sonntagmorgen bildet traditionell den eigentlichen Auftakt der Städtlifasnacht Willisau. Karnöffelzunftmeister Lucas Peter sekundierte dem Willisauer Stadtpfarrherren Martin Walter und Güther Haffer am ökumenischen Gottesdienst. Dieser wird flugs vom Zunftmeister erweitert: zu einem «ökologischen» Anlass, weil es vielleicht ein bisschen ziehe und auch zu einem «ökonomischen», weil ja auch das Opfer eingezogen werde. Der Spass und auch die musikalisch schrägen Töne der Schlössliruugger taten aber den Feierlichkeiten keinen Abbruch.

«Kleider machen Leute» – so das Motto in der Kirche am Morgen – und Leute machen Fasnacht. Ein paar Tausend stimmten sich im rappelvollen Städtli auf die närrischen Tage ein.

Kardinal mit Kinderschar

Nahezu das ganze Hinterland schien da auf den Fasnachtsbeinen,- vom Narrenvirus infiziert. Die ganze Palette an bunten Kostümen wurde aufgetragen - farbig und gekonnt schräg die vielen Guugenmusiggen, Zunftdelegationen, Gruppen- und Einzelnummern flankiert. Und auch da gab es Kirchliches - wenn auch glossiert. Da war etwa der ehrwürdige Kardinal in nobler Amtstracht. Täuschend echt – wenn da nicht die Kinderschar im Schlepptau gewesen wäre, die den Würdenträger mit Papi ansprachen. Das Kardinalbier tat sein Übriges zum gelungenen Auftritt.

 Wild und geschwätzig trieben es die Willisauer Wöschwyber unter Oberwöschwyb Madeleine Cranz. Seit 30 Jahren sind sie dabei. Miriam Schärli (sie schreibt ihr Alter noch ohne 3 zu Beginn) ist seit einem Jahr dabei: Aspiriert sie in mittlerer Zukunft auf eine Wöschwiiberkarriere? «Nein, ich muss mich erst mal richtig bewähren, beim Weiss-Waschen an der Wiggere und beim Wöschwybergerede.»

Und gibt es Neues aus der Wöschwybergerüchteküche? «Nun, die Fasnacht ist erst lanciert, es gibt dann schon noch Gesprächsstoff…», lacht das Jung-Wöschwyb vielsagend.

Luzia Mattmann / Neue LZ