WILDTIERE: Fotofallen reichen nicht mehr

Wie gefährlich ist der Luchs? Kantonsrat und Regierung wollen es trotz 31 Fotofallen genau wissen – und gehen jetzt bei Gämsen und Rehen auf Spurensuche.

Alexander von Däniken
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Ertappt: Dieser Luchs ist bereits seit 2007 im Kanton Luzern bekannt. Das Bild stammt aus dem Fotofallen-Monitoring aus dem Jahr 2013. (Bild Kanton Luzern, Abteilung Natur, Jagd und Fischerei)

Ertappt: Dieser Luchs ist bereits seit 2007 im Kanton Luzern bekannt. Das Bild stammt aus dem Fotofallen-Monitoring aus dem Jahr 2013. (Bild Kanton Luzern, Abteilung Natur, Jagd und Fischerei)

Alexander von Däniken

Wallis und Graubünden haben den Wolf als Problemtier, Luzern hat den Luchs. Diesen Eindruck hatten jedenfalls Beobachter am Montagnachmittag im Luzerner Kantonsratssaal. In einem Postulat hatte Urs Kunz (CVP, Luthern) den Regierungsrat aufgefordert, den Luchsbestand im Kanton genauer zu erheben; und zwar gemäss Vorgaben des Bundes. Die Regierung hielt in ihrer Stellungnahme zwar fest, «dass die laufenden Erhebungen beim Luchsbestand die Vorgaben des geltenden Konzepts an sich erfüllen», dass aber eine «umfassende Beurteilung der Auswirkungen des Luchses» durch systematische Zählungen von Gams- und Rehwild besser möglich sei.

Denn: Wie gefährlich der Luchs tatsächlich für die Beutetiere ist, lasse sich nur abschätzen, wenn man wisse, wo wie viele Gämsen und Rehe leben, wie viele Kitze es gibt und wie das Geschlechterverhältnis aussieht. Das Postulat sei darum als teilweise erheblich zu erklären. Diesem Antrag folgten 91 Kantonsräte, 12 lehnten ihn ab.

Halb so viele Luchse wie im Jura

Wird nur die Dichte der Wildkatzenpopulation als Massstab genommen, dürfte vom Luchs im Kanton Luzern vergleichsweise wenig Gefahr ausgehen. Dies zeigte eine Zählung des Kantons vom Winter 2012/13 im Gebiet Pilatus–Entlebuch–Brienzer Rothorn–Habkern. 1,85 selbstständige Luchse pro 100 Quadratkilometer hat die Zählung ergeben. Das sind zwar mehr als im Wallis (0,92), aber weniger als in den Nordwestalpen (2,05), in der Nordostschweiz (2,17) und vor allem im Jura (2,07 bis 3,62).

Diese Zählung wurde im vergangenen Winter während zweier Monate nochmals durchgeführt. 31 Fotofallen hat der Kanton dafür aufgestellt, wie der zuständige Regierungsrat Robert Küng (FDP) am Montag erklärte. Die neuen Zahlen dürften Mitte Jahr präsentiert werden. «Das Postulat rennt beim Kanton offene Türen ein», erklärte Küng.

«Luchse vor die Flinte»

Dem klaren Abstimmungsverhältnis ging eine lebhafte Debatte voraus. Andy Schneider (SP, Rothenburg) äusserte den Verdacht, «dass das Postulat nur zum Ziel hat, Luchse vor die Flinte zu kriegen». Andreas Hofer (Grüne, Sursee) gab zu bedenken, dass auch Luchse auf Nahrung angewiesen sind. Und Urs Brücker (GLP, Meggen) erklärte offen: «Ich und wohl auch andere im Rat haben keine Ahnung, was das alles bringt, aber es tönt sehr teuer.» Worauf Umweltdirektor Robert Küng versprach, die Kosten «im Rahmen» zu halten. Die FDP stimmte dennoch als einzige Fraktion mehrheitlich gegen das Postulat (10 gegenüber 8 Stimmen).

Wildschweine als Seuchengefahr

Tierisch war auch der anschliessende Vorstoss. Er stammte von Markus Odermatt (CVP, Ballwil) und forderte die Regierung auf, Massnahmen für die Gesundheit der Schweine zu ergreifen. Die vermutliche Gefahr soll auch hier von einem Wildtier ausgehen: dem Wildschwein. Dieses gelangt laut Odermatt immer leichter in den Kanton Luzern, weil der Bund bis 2020 über 50 Wildtierkorridore bei Autobahnen bauen will – drei davon auf dem Autobahnabschnitt Luzern–Zofingen. Die Wildschweine seien Träger von verschiedenen Krankheiten, die auf Hausschweine übertragen werden können. Damit der Kanton Luzern seuchenfrei bleibt, forderte Odermatt ein Monitoring der erlegten Wildschweine, die konsequente Bejagung und die Ermittlung des Gefahrenpotenzials. Den Ball nahm die Regierung auch wegen der Bedeutung der Hausschweine auf und empfahl, das Postulat teilweise erheblich zu erklären, «weil es uns ernst ist», begründete Robert Küng. Man denke mit und handle auch.

Das Parlament ging am Montag noch einen Schritt weiter und hat den Vorstoss mit 61 zu 46 Stimmen gleich ganz erheblich erklärt. «Wehret den Anfängen! Die Ansteckungsgefahr ist gross», sagte etwa Fredy Winiger (SVP, Kleinwangen).