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WILDTIERE: Zahl der Hirsche steigt stark – jetzt werden sie früher gejagt

Vor 20 Jahren noch waren die ­grossen Waldbewohner im Kanton Luzern quasi ausgestorben. Nun sind sie zurück – auch weil sie sich vor Menschen nicht mehr so fürchten.
Guy Studer
Rothirsche sind äusserst sensibel und scheu – und sie werden in diesem Jahr früher gejagt. (Bild: Getty)

Rothirsche sind äusserst sensibel und scheu – und sie werden in diesem Jahr früher gejagt. (Bild: Getty)

Der Rothirsch erobert sich seinen früheren Lebensraum kontinuierlich zurück. Viele Jahrzehnte waren die grössten aller heimischen Waldbewohner im Kanton Luzern praktisch inexistent. Im Jahr 1995 noch wurde kein einziges Tier gezählt. Seither steigt der Bestand kontinuierlich an. So wurden im Jahr 2000 bereits 32 Hirsche gezählt, 2015 ist der Rotwildbestand bereits bei 270 Tieren angelangt, wie aktuelle Zahlen des Kantons zeigen (siehe Grafik).

Zählung zeigt: Zahl steigt weiter

Rothirsche kommen im Kanton Luzern entlang der südlichen und westlichen Kantonsteile sowie auch im Rigigebiet vor. Besonders entlang der Kantonsgrenzen zu Bern und Obwalden gibts eine hohe Dichte – im Pilatusmassiv von Kriens, Littau und Schwarzenberg über das westliche Entlebuch bis nach Marbach sowie in der Region Sörenberg. Weiteres Verbreitungsgebiet ist die Napfgegend. Und der Hirsch scheint sich hier wohl zu fühlen, wie Peter Küenzi, Präsident der Revierjagd Luzern, auf Anfrage sagt: «Derzeit läuft die Zählung für 2016, und ich kann mit Sicherheit sagen, es sind wieder eindeutig mehr Tiere.»

Die Rothirsche wandern von den Kantonen Bern und Obwalden ein. Dabei überwinden sie grosse Distanzen, bis zu 100 Kilometer in einem Tag. Die rasante Verbreitung des scheuen Waldtieres ist auch in Luzern schlicht auf die Suche nach neuen Lebensräumen zurückzuführen. In der ganzen Schweiz nehmen die Bestände wieder zu, nachdem der Hirsch im 19. Jahrhundert fast von der Bildfläche verschwunden war. Gemäss eidgenössischer Jagdstatistik wurden 1970 schweizweit wieder knapp 12 000 Tiere gezählt. 2014 waren es bereits 33 000.

Wildübergänge helfen mit

Nun ist der Hirsch daran, sich auch wieder die Wälder im Mittelland zurückzuerobern. Begünstigt wird diese Entwicklung auch durch Wildübergänge bei Autobahnen. Dabei scheinen die Hirsche ihre Scheu vor dem Menschen zunehmend abzubauen. «Wenn man beispielsweise in die Region Genf-Léman-Waadt schaut, stellt man fest, dass die Hirsche über Erwarten tolerant sind gegenüber Landschaften, die vom Menschen stark genutzt werden», teilt auf Anfrage Peter Ulmann, kantonaler Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei, mit.

Derzeit sind die Gämsen auf der Wanderung von ihren Winter- zurück in den Sommerquartieren. Für Autofahrer ist in dieser Zeit gerade nachts und während der Dämmerung besondere Vorsicht geboten. Auch allgemein müssen sich Autofahrer wieder besser achten. «Grundsätzlich sind mit den wachsenden Beständen immer mehr Hirsche unterwegs, sie müssen sich neue Futterquellen und Lebensräume suchen, was zu vermehrten Wanderungen führt», sagt Philipp Amrein, Fachleiter Jagd und Fischerei bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Was das Rotwild betrifft, sei gemäss Peter Küenzi speziell die Schnellstrasse von Malters in Richtung Entlebuch gefährdet. Doch auch im Gebiet Renggloch in Littau über Blatten bis Malters sei besondere Vorsicht geboten. «Allgemein sind auch auf Strassen in Waldnähe Wildwechsel jederzeit möglich.»

Pilatus bietet Winterquartiere

Im Winter ziehen sich die Rothirsche in sogenannte Wintereinstände zurück – in Wälder, die möglichst ruhig, abgelegen und geschützt sind und ein gutes Nahrungsangebot haben. «Dabei gehen sie mit der Körpertemperatur runter und bleiben beieinander», erklärt Küenzi. Zum Winterquartier wandert ein Teil der Tiere über die Kantonsgrenzen nach Obwalden und Bern zurück. Doch auch hier beo­bachtet Küenzi Veränderungen: «Auch bei uns ist das Rotwild in den letzten 10 Jahren zu Standwild geworden.» Heisst: In Luzern werden immer mehr Hirsche beobachtet, die überwintern. Küenzi beispielsweise lebt in Kriens, am Fuss des Pilatus. «Ich habe von meinem Haus aus diesen Winter mehrmals Rotwild beobachtet, das, wenn es sehr kalt war, aus dem Wintereinstand am Pilatus heruntergekommen ist auf der Suche nach Nahrung.» Dabei hätten sich die Tiere bis auf wenige hundert Meter an Siedlungsgebiet herangewagt. Auch das Pilatusmassiv biete etliche Waldteile, die schwer begehbar und den meisten Leuten deshalb unbekannt seien. Dort finden die äusserst sensiblen und scheuen Tiere ihre Ruhe.

Fast 100 Tiere geschossen

Für die Jäger führt der wachsende Hirschbestand zu Mehrarbeit: Letztes Jahr wurden 96 Tiere geschossen. Zum Vergleich: 2010 waren es noch deren 36.

Das Wachstum der Hirsche soll im Zaum gehalten werden. «Durch eine Überpopulation verbreiten sich eher auch Krankheiten, und die Fauna und die Bäume leiden unter dem Verbiss», sagt Peter Küenzi. Dazu müsse das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Tieren sowie dem Nachwuchs stimmen. Auch Jungtiere werden geschossen. «Es muss auch in die Jugendklasse eingegriffen werden, denn diese kann sich relativ schnell vermehren», begründet Küenzi. Nur so könne der Bestand wirksam reguliert werden.

Er betont, dass die Jagdplanung im Kanton Luzern am runden Tisch, zusammen mit dem Kanton und den Forstverantwortlichen, festgelegt werde. «In dieser Hinsicht ist der Kanton Luzern sehr vorbildlich.» Angesichts der rasch wachsenden Bestände, auch in den Nachbarkantonen – in Obwalden wurden bereits 700 Hirsche gezählt –, habe man auch beschlossen, die Jagd auf Rotwild vorzuverlegen. Sie beginnt bereits am 2. August statt am 1. September. «So kommen wir effizienter auf die benötigten Zahlen und müssen nicht eine allfällig aufwendige Nachjagd durchführen.» Dies sei in Obwalden und Graubünden in den letzten Jahren oft vorgekommen.

Guy Studer

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