WILIHOF: Bauernfamilie setzt auf Nische

120 Hirsche weiden bei Markus und Christine Gafner. Ein Tier behalten sie besonders gut im Auge.

Manuela Liem
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Auf dem Hof der Familie Gafner in Wilihof bei Triengen leben 120 Damhirsche. Seit 13 Jahren setzt die Familie auf die Hirschzucht. (Bild Corinne Glanzmann)

Auf dem Hof der Familie Gafner in Wilihof bei Triengen leben 120 Damhirsche. Seit 13 Jahren setzt die Familie auf die Hirschzucht. (Bild Corinne Glanzmann)

Manuela Liem

Auf den ersten Blick wirkt der Betrieb der Familie Gafner wie ein herkömmlicher Bauernhof. Bei der Ankunft wird man von einem Jagdhund begrüsst, geht man weiter, sieht man einen Hasenstall, und eine Katze läuft einem entgegen. Doch der Schein trügt. Auf den fünf Hektaren Weideland grasen nicht etwa Kühe, sondern rund 120 Damhirsche. Nervös wegen des fremden Besuchs rennt die Herde hin und her.

Nur eine Fütterung pro Tag

Vor 13 Jahren verkauften Christine (53) und Markus (56) Gafner ihre Milchkühe und setzten auf die Hirschzucht. Gründe waren der sinkende Milchpreis und dass der Platz es nicht zuliess, die Viehhaltung noch weiter auszubauen. Ausserdem hatten die beiden schon davor mit Holzofenbrot und Gästebewirtung in den Partyräumen auf dem eigenen Hof angefangen. Deshalb waren Tiere, die einen starken Geruch verbreiten, ungeeignet.

Verglichen mit der Milchviehhaltung ist der Zeitaufwand für Hirsche geringer. Nur einmal am Tag müssen die Tiere gefüttert werden. Der Zeitpunkt spielt keine Rolle. Das kann Markus Gafner gut mit seinem 80-Prozent-Pensum als Lastwagenchauffeur kombinieren. Die Hirsche bekommen mit Mineralien angereichertes Kurzfutter, und es liegen immer Äste auf der Weide, welche ebenfalls viele Mineralien enthalten.

Auf ihren fünf Hektaren Ackerfläche bauen Gafners nicht nur Mais, Gerste und Weizen an, sondern auch Gras als Futter für den Winter.

Ausbildung nötig

Hirsche haben noch einen weiteren Vorteil: Es gibt sie noch nicht im Überfluss wie Kühe oder Schweine. Gafners gehören zu den 220 Züchtern der Schweizerischen Vereinigung der Hirschhalter. Sie schätzen, dass es in der Schweiz zirka 700 gibt. «Hier können wir aus Platzgründen aber nicht mit einem Importland wie Polen konkurrenzieren», sagt Christine Gafner.

Während des Gesprächs wandern die Blicke des Paares immer wieder zur Herde. «Wir haben einen Bezug zu den Tieren», sagt Christine Gafner. Zum Hirschzüchter wird man nicht über Nacht. Erst musste sie eine Aus- und eine Weiterbildung machen. «Der Bau des Zaunes ist ein grosser Kostenpunkt», ergänzt ihr Mann. Was ihm bei der Arbeit mit den Hirschen hilft: seine Erfahrung als Jäger. Nachdem die Tiere einer Lebendtierschau durch den Tierarzt unterzogen wurden, schiesst Gafner sie. «Ich kenne die Tiere und kann am besten entscheiden, welche ich raushole.» Jährlich schiesst er zwischen 30 und 35 Hirsche. Von einem 60 Kilogramm schweren Tier kann rund ein Drittel verwertet werden. Nach der Zerlegung im Schlachthaus wird das Fleisch auf dem Hof verkauft. Geschnetzeltes gibt es für beispielsweise 38, ein Filet für 65 Franken pro Kilogramm. «Dadurch wissen wir, wo das Fleisch hinkommt, und geben dem Tier einen gewissen ethischen Wert.»

Zukunft noch nicht gesichert

Alle zwei bis drei Jahre kaufen Gafners einen neuen Stier, um «das Blut aufzufrischen». Dann überlassen sie die Hirsche sich selbst. Die Muttertiere bleiben in der Herde, so lange sie Junge bekommen. Nicht verschwinden darf das Leittier. «Es ist noch wichtiger als der Stier», sagt Christine Gafner. Wenn das Leittier älter wird, wählt es selber eine Nachfolgerin aus. «Das müssen wir merken. Das Beobachten der Herde ist deswegen sehr wichtig bei der Hirschzucht», sagt Christine Gafner, eine «Bäuerin mit Herzblut». Ob der Hof dereinst mit ebenso viel Herzblut weitergeführt wird, ist noch nicht klar. Bisher habe noch keines ihrer vier Kinder im Alter zwischen 20 und 30 Jahren Interesse geäussert. Trotzdem glauben Gafners an den Betriebszweig und wollen die Herde noch vergrössern.

Hinweis

Weitere Informationen unter www.hirsche.ch und www.holzofehuesli.ch