WILLISAU: Der Geldhahn der Stadtmühle wird zugedreht

Die Stadtmühle steht nach zwölf Jahren vor dem Aus. Die Albert-Koechlin- Stiftung wird das Kulturzentrum nicht mehr unterstützen.

Roseline Troxler
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Die Zukunft der Stadtmühle, des Kulturzentrums mitten im Städtli Willisau, ist inzwischen gesichert. (Bild: PD)

Die Zukunft der Stadtmühle, des Kulturzentrums mitten im Städtli Willisau, ist inzwischen gesichert. (Bild: PD)

Die Stadtmühle steht vor einer ungewissen Zukunft: Die Albert-Koechlin- Stiftung wird das Kulturzentrum Stadtmühle künftig nicht mehr finanziell unterstützen. Die Leistungsvereinbarung der Stiftung, die seit 1998 im Besitz der Stadtmühle ist, läuft Ende 2015 aus. Jährlich unterstützt sie das Kulturzentrum mit 460 000 Franken. Seit 2006 ist die Stiftung Stadtmühle Willisau für den Betrieb zuständig. Franz Peter, Stiftungsratspräsident der Stadtmühle, sagt: «Wir bedauern den Entscheid der Albert-Koechlin-Stiftung sehr, können diesen aber verstehen.»

Einbruch bei Besucherzahlen

Der Besucherrückgang ist laut Peter Kasper, Stiftungsratspräsident der Albert-Koechlin-Stiftung, ein Grund für das Ende des Engagements: «Die Besucherzahlen haben sich seit 2010 von jährlich 3000 auf rund 1900 Besucher reduziert.» Daher habe die Stiftung ihr Engagement in der Region Willisau überdenken müssen. «Die Stiftung Stadtmühle Willisau hat ihre Arbeit sehr gut gemacht. Aber die Stadtmühle ist in Willisau zu wenig gut verankert», so Kasper. Das kulturelle Angebot sei stark gewachsen. «Es gibt ein unwahrscheinlich breites Angebot und viele Vereine.» Zudem sei es schwierig, für ein Projekt der Albert-Koechlin- Stiftung Beiträge von Dritten zu erhalten. «Dieses Problem haben wir zunächst unterschätzt.» Gleichzeitig habe sich der Finanzbedarf erhöht: «Es wurde viel investiert, um mehr Besucher anzuziehen.»

Die Betriebsbeiträge für die Stadtmühle Willisau machen laut Kasper jährlich rund einen Viertel des Budgets der Stiftung im Bereich Kultur aus. Dadurch würden andere Regionen benachteiligt. «Die Albert-Koechlin-Stiftung möchte, dass künftig ein breiteres Publikum aus der ganzen Innerschweiz profitieren kann», so der Stiftungsratspräsident.

Stadt Willisau ist überrascht

Der Entscheid der Albert-Koechlin- Stiftung kommt für die Stadt Willisau überraschend. Stadtpräsidentin Erna Bieri-Hunkeler sagt: «Die Stadtmühle Willisau ist eine Kulturplattform mit regionaler Ausstrahlung, welche die Stadt schätzt.» Sie würde es sehr bedauern, wenn die Stadtmühle ihre Türen schliessen würde, so Erna Bieri-Hunkeler. «Wir werden uns gerne mit der Stiftung an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen.» Die Stadtpräsidentin sieht mit der aktuellen finanziellen Lage jedoch keine Möglichkeiten, dass sich die Stadt finanziell für die Stadtmühle engagieren könnte. Die Albert-Koechlin- Stiftung will Möglichkeiten wie einen Verkauf, eine Vermietung, einen Mieterlass, eine Schenkung, eine gemeinnützige oder kommerzielle Nutzung der Räume prüfen. «Mit dem Stadtrat wollen wir die Bedürfnisse der Bevölkerung analysieren», so Kasper.

Urs Bugmann wird die künstlerische Leitung der Stadtmühle in den zwei verbleibenden Betriebsjahren übernehmen. Es sei laut Kasper wichtig, 2015 einen sauberen Schnitt zu machen.

Die Stiftung Stadtmühle will die nächsten zwei Jahre trotzdem noch voll ausfüllen: «Wir möchten ein attraktives Programm bieten», sagt Franz Peter. Die Stadtmühle hat in den vergangenen Jahren diverse Kunstausstellungen und Lesungen veranstaltet, sowohl mit Innerschweizer Künstlern wie auch Künstlern und Autoren aus weiterer Entfernung.