Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

WILLISAU: Die Stadtmühle soll der Öffentlichkeit zugänglich bleiben

Neue Käufer – neues Konzept. Das Kultur- zentrum Stadtmühle wird 2016 ein Haus für Innovation und Kultur. Letztere steht aber nicht mehr im Fokus.
Susanne Balli
Urs Bugmann – hier vor einem Bild von Alois Lichtsteiner – ist noch bis Ende 2015 künstlerischer Leiter der Stadtmühle Willisau. (Bild Dominik Wunderli)

Urs Bugmann – hier vor einem Bild von Alois Lichtsteiner – ist noch bis Ende 2015 künstlerischer Leiter der Stadtmühle Willisau. (Bild Dominik Wunderli)

Die Willisauer André Marti (42) und Nicole Theiler (34) kaufen die Stadtmühle Willisau. Die Albert Koechlin Stiftung (AKS), Besitzerin der Liegenschaft, veräussert das Haus an der Müligass 7 per Ende 2015. Dann läuft die Leistungsvereinbarung mit der Stiftung Stadtmühle Willisau, die für die Führung des regionalen Kulturzentrums verantwortlich ist, aus. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Support für Jungunternehmer

Mit dem Verkauf geht eine Ära zu Ende. Das Eigentümerpaar setzt einen neuen Fokus. Es wird die Stadtmühle ab 2016 als Haus für Innovation und Kultur weiterführen (Ausgabe von gestern). Die beiden ortsansässigen Organisationen Cewas und Our Common Food werden in die Stadtmühle zügeln. Die Organisationen unterstützen Jungunternehmer durch Ausbildung und Beratung in den Bereichen des nachhaltigen Wasser-, Abwasser- und Ressourcenmanagements wie auch in der nachhaltigen Lebensmittelwirtschaft.

Der 42-jährige André Marti ist Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung Luzern. «Auf Mitte nächstes Jahr gebe ich diese Tätigkeit auf und mache mich selbstständig», sagt Marti, der seit 2012 Präsident der Feldmusik Willisau ist. Seine Lebenspartnerin Nicole Theiler arbeitet als Leiterin des Bereichs Cash-Service Zentralschweiz bei der Credit Suisse.

Kulturprogramm fällt weg

«Unsere Motivation ist, dass das denkmalgeschützte Gebäude weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleibt», sagt Nicole Theiler. Im «Haus für Innovation und Kultur» soll auch Platz für kulturelle Anlässe sein. Allerdings ohne aktiv gestaltetes Kulturprogramm und ohne Kurator. Das Schwergewicht wird auf der Vermietung der Räume an lokale Veranstalter und Vereine liegen, heisst es in der Mitteilung der AKS. «Wir wollen mit Kulturveranstaltern zusammenarbeiten, welche die multifunktionalen Räume mieten», sagt Marti.

Bereits im Herbst 2013 kündigte die AKS das Ende der heutigen Stadtmühle an. Dies aus finanziellen Gründen und wegen rückläufiger Besucherzahlen. Die AKS, die seit 1998 im Besitz der Stadtmühle ist, steckte jährlich 460 000 Franken in das Kulturzentrum. «Von den verfügbaren Mitteln für Kultur stellt die AKS fast einen Viertel der Stadtmühle Willisau zur Verfügung», sagt AKS-Geschäftsführerin Marianne Schnarwiler, und weiter: «Künftig werden wir wieder mehr Handlungsspielraum bei der Unterstützung von Kultur in der Innerschweiz haben.» Zwar gebe es in der Stadtmühle ab 2016 keine künstlerische Leitung mehr, dafür könne etwas Neues aus der kulturellen Basis heraus entstehen, so Schnarwiler. Freie Räume des Hauses für Innovation und Kultur können weiterhin für private Anlässe gemietet werden. Für die AKS erfüllt das Konzept der neuen Eigentümer die Auflage, dass der Nutzungszweck der Stadtmühle gemeinnützigen, öffentlichen Charakter hat.

Die drei in der Stadtmühle angestellten Personen, die sich 170 Stellenprozent teilen, werden sehr wahrscheinlich keine Weiterbeschäftigung im Haus für Innovation und Kultur finden. Der künstlerische Leiter Urs Bugmann sagt: «Wir wussten, dass die Leistungsvereinbarung 2016 zu Ende geht. Die Zukunft der Stadtmühle war bis vor kurzem noch offen.»

Stadträtin Brigitte Troxler-Unternährer, die fürs Ressort Kultur zuständig ist, sagt: «Wir schätzen die Stadtmühle mit ihrem Kulturangebot sehr, verstehen aber, dass sich die AKS zurückzieht.» Es sei gut, dass das Haus weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleibe. «Wie es kulturell mit dem Haus weitergeht, hängt von den Willisauern ab. Dass es nicht mehr kuratiert wird, ist sicher eine Herausforderung», so Troxler.

Gebäude aus dem Mittelalter

Die Stadtmühle zählt zu den ältesten Gewerbebetrieben im Ort. Sie wurde zur Zeit der Stadtgründung um 1302 errichtet. Der heutige Altbau überstand den Stadtbrand von 1704. Bis 1989 wurde in der Stadtmühle Getreide gemahlen. Nach dem Kauf durch die Albert Koechlin Stiftung wurde das Haus renoviert und mit einem Anbau versehen. Seit 2002 ist es als regionales Kulturzentrum in Betrieb. Die Stadtmühle bietet Kultur im Bereich visueller Kunst sowie literarischer und musikalischer Art (siehe Kasten).

Urs Bugmann sieht dem Ende der heutigen Stadtmühle etwas wehmütig entgegen. «Ich glaube, es wird etwas fehlen.» Fest stehe aber: «Wir ‹plampen› nicht aus, sondern geben im nächsten Jahr nochmals Vollgas.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.