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WILLISAU: Die Wurst als Politindikator

Auf vieles machen sich die Willisauer Schnitzelbänkler einen Reim – auf die Nummernzettel der Post und auf das viele Schmusen. Und sie sagen auch, wie die politischen Parteien den Würsten zu Leibe rücken.
Hannes Bucher
Valentin und Damian als Ehepaar Kim in der Schlossschür Willisau. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Valentin und Damian als Ehepaar Kim in der Schlossschür Willisau. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Sie ziehen am Güdismontagabend traditionsgemäss von Beiz zu Beiz, und sie geben vor vollen Lokalen ihre Sprüche zum Besten: die Spröchligruppen respektive die Willisauer Schnitzelbänkler. Neun Gruppen sind es dieses Jahr, und in ihren knapp halbstündigen Auftritten haben sie vor fast nichts Respekt. Viel Lokales und Regionales wird nochmals aufbereitet, fasnächtlich aufgemotzt und zurechtgestutzt und – es muss so sein – schräg überzeichnet. Gereimt und ungereimt und dramaturgisch aufbereitet kommen die bekömmlichen Fasnachtshappen daher. Das Publikum geniessts, und kann mal am Tisch nicht auf die Schnelle die Brücke zum Alltag geschlagen werden: Es sind stets Insider zur Stelle, welche blitzschnell Nachhilfeunterricht erteilen. Einige Kostproben in lockerer Folge:

Kim und die Asylanten

Ehepaar Kim aus der Demokratischen Volksrepublik Korea gibt sich höchstpersönlich die Ehre (alias Valentin und Damian). In breitem Berndeutsch zeigen die Exoten, dass sie bestens über das Geschehen im Hinterland orientiert sind. So reimen sie etwa auf die Asylunterkunft im Feuerwehrlokal:

Mir danked im Stadtrot vo Härze
und fröied üs uf d Asylante.
Für d Üebige hend d Kommandante
in Zuekunft 60 Neufigurante.

Und auch der Gelbe Riese bekommt mit seinem neuen Zettelwartesystem einen Seitenhieb:

Um ehre schnelli Kundedienscht unter Bewiis z stelle,
hed d Willis­auer Poscht e Priis usgschribe.
Dä, wos hurti schaffi, e sones Poscht-Zetteli z zieh,
im Pöschtli es Poni go z poschte u denn gäng no ned ar Reihe seig,
dä chiem ome gäng e Briefmarke-Anetzer öber.

Die beiden frechen Witzbolde Cali und Stäffe gehören in Willisau seit langem zum Schnitzelbänkler-Inventar, und sie werden in den Beizen beinahe frenetisch begrüsst. Fasnachtssinnbildlich erklären sie kurz und wurstbündig die gängigen Parteien:

Die Wurst als Politpositionsindikator:
Cali: D Wurscht isch tatsächlich en verlässliche Indikator für die politischi Gsinnig.
Stäffe: Noch em Motto: «Zeig mir, wie du isst, und ich sag dir, was du bist.»
Cali:Wenn öpper d Gable z erscht as einti und denn as andere Ändi vo de Wurscht setzt, dä Vorgang meermols widerholt und die Wurscht denn schliesslich i de Mitti aaschniit, denn isch er bi de CVP.
Stäffe: Wenn sich öpper bin ere
Grillparty ziilstrebig uf die vercholete Würscht stürzt, denn isch er bi de Liberale: Qualität spilt kei Rolle – Hauptsach, schwarz.
Cali:Wenn öpper luut en Schüblig bstellt und denn ganz diskret es Filet isst, denn isch er bi de SP.
Stäffe: Wenn öpper die Wurscht vo Hand isst und bim Ässe so richtig schmatzt, sprützt und dräckelet, denn isch er bi de SVP.
Cali: Wenn öpper die Wurscht mit ere Miine vo de Verachtig a Tällerrand schiebt und sich deför mit Hingab em Sänf widmet, so isch das en Grüene – verstoot als Vegetarier nüd vom Fleisch, gitt aber trotzdem zu allem de Sänf.
Stäffe: Di Grüenliberale ässed en Art Designer-Wurscht: Sie gseet vo usse guet us, aber mer weiss eifach ned genau, was dinne isch.

Als ganz famose Schnitzelbänkler erweisen sich auch diesmal die beiden Näbufresser aus Malters.

Sie berichten etwa vom leidigen Hochdeutschsprechen im Spital. So hätten sie der Schwester geschildert ...

... zwe Stunde lang mi ganz Läbes­gschicht.
Do tuets mi onderbräche:
«Tschuldigung, ich versteh Sie nicht,
Sie müssen hochdeutsch sprechen.»

Neu auf der Fasnachtsbühne präsentieren sich s Ringli und s Läggerli, und sie stimmen unter anderem ein Loblied auf das Küssen an – das Immunsystem werde dabei in Form gebracht. So ermutigen sie:

Tuets der vom Näbezue au no gruuse,
jetzt gots schnell als intensive Schmuuse.
Gsondheit erhaute, es got ganz ring;
hesch du bim Nochber d Zunge din.

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