WILLISAU: Ein Abschied, freche Mönche und ein platter Blatter

Mit Cali und Stäffe gehen zwei Urgesteine der Willisauer Schnitzelbänkler von der Bühne: «Gnueg Heu donde!»

Hannes Bucher
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Spruchfest: Die Näbufrässer aus Malters mit ihrer «Lesung aus dem Leben». (Bild Boris Bürgisser)

Spruchfest: Die Näbufrässer aus Malters mit ihrer «Lesung aus dem Leben». (Bild Boris Bürgisser)

De Blocher und de Bronner wend au nömme – wir send im Trend met üsem Rücktritt» und sowieso: «20 Jahre sind genug»: «Stäffe» alias Bruno Steffen ist es, der diese fasnächtliche Hiobsbotschaft gestern Abend am Willisauer Sprüchliabend den anwesenden Fans verkündet. Zusammen mit seinem Kollegen «Cali» alias Stefan Calivers gehörte das komisch-ungleiche Paar schon immer zu den Highlights der Schnitzelbänklerauftritte in den einheimischen Beizen am Güdismontagabend.

Urkomische Nabelschau

Logisch, sind Cali und Stäffe auch an ihrem Abschiedsevent in Hochform. Zuerst gilt es für die beiden einmal, ihren eigenen Abschied zu zelebrieren: Da ist «Stäffe», stolz und selbstbeherrscht am Rednerpult, der es satt hat, «noch länger de Dobu för de Cali z spiele», für diesen «zweitklassigen Schreiberling». «Ich ha gkündt – per sofort ond unwederrueflich.» In Aussicht gestellte Zunftmeisterträume hätten sich in nichts aufgelöst. Also: «Gnueg Heu donde!» Da nützt es auch nichts, wenn ein weinerlicher Cali hineinstürzt, alles dransetzt, ihn umzustimmen, und schliesslich gar droht, Stäffe «a sine länge Schälle-Under-Ohre» als neue Willisauer Städtlidekoration aufzuhängen.

Urkomische Nabelschau

Nach dieser urkomischen eigenen «Nabelschau» nehmen sich die beiden in gewohnt frech-schnörkelloser Art regional-überregionalem Geschehen und dessen Protagonisten an: Da bekommt etwa der einheimische Fotograf «Seppi» sein Fett weg, dessen Urahnen wohl schon «den Rütlischwur fotografiert haben». Und da ist auch noch ein anderer Sepp – Sepp Blatter eben. Die Abgangslitanei des Fifa-Präsidenten trägt Cali gekonnt im Walliser Dialekt vor. Zu Blatters Handlungsprinzip:

«Analysiero – optimiero – minimiero – korrigiero – rationalisiero – umstrükturiero – repräsentiero – antischambriero – intrigiero – kommandiero – dürostiero – schmiero – ... und abkassiero.»

 

In der Tat: ein platter Blatter. Ein letztes Mal verabschiedet das Publikum mit einem begeisterten «Cali-Stäffe» seine Lieblinge.

Viel Spass und gekonnt Schräges bringen auch die andern acht zirkulierten Gruppen auf die Bühne: so etwa die beiden Mönche der «Näbufrässer» aus Malters. «Lesung aus dem Leben», so ihr Motto. Den Fokus richten sie auch auf das Justizdepartement Luzern. Dort gehe gar nicht mehr viel, deshalb lackiere man sich jetzt «d Nägu gärn». Und:

«Skandal und Storys bliebe uus, seit Päuli a de Macht. Mier Näbufrässer froge üs, was dä de ganz Tag macht.»

 

Sie geben auch einen Einkaufstipp für Fussball-Nati-Fans:

«Ech bhaupte unverdrosse, bei Schwei-Albaaanien tschutte – alles Eidgenosse. Vo welcher Mannschaft söll i denn – es Mannschaftsliebli poschte?» Der Hinweis: «D Liebli vo Albanien – wörde weniger choschte.»

 

Und weil es ja auch beim FCL um Fussball geht, zum Schluss noch zu den Värsli-Brönzlern. Sie verraten flugs, wie der Flaschensepp (Sepp Stadelmann, Betreiber des Flaschenmuseums in Willisau) zu weiteren Exponaten gekommen sei, um seinen Museumsanbau zu füllen:

«Är esch bim FCL verbii, chönd ehr 2 Fläsche gäh? Ech wördi ou – wenns müessti sii, de gsamti Vorstand näh.»