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WILLISAU: Ein Organist setzt der Blasmusik ein Denkmal

Luzern gilt als Hochburg der Blasmusik. Trotzdem ist deren Geschichte wenig erforscht, sagt Adrian Steger, Leiter der Musikinstrumentensammlung. Seine Ausstellung soll nun eine Lücke schliessen.
Christian Hodel
Adrian Steger (49) zeigt eines seiner Ausstellungsstücke: Trommeln und Pfeifen haben die Entwicklung der Blasmusik massgeblich beeinflusst. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 19. September 2017))

Adrian Steger (49) zeigt eines seiner Ausstellungsstücke: Trommeln und Pfeifen haben die Entwicklung der Blasmusik massgeblich beeinflusst. (Bild: Philipp Schmidli (Willisau, 19. September 2017))

Die vergangenen anderthalb Jahre hat er auf diesen Sonntag hingearbeitet: Ruhig auf seinem Bürostuhl sitzt Adrian Steger (49) seit Tagen nicht mehr. «Die vergangenen Wochen waren anstrengend», sagt der Leiter der Musikinstrumentensammlung Willisau. Alte Instrumente, Bild- und Tondokumente hat er beschafft, sich in die Literatur eingelesen, Plakate entworfen. Nun ist alles bereit: Heute öffnet am Viehmarkt in Willisau die Sonderausstellung «Von Tuten und Blasen». Alles rund um die Blasmusik gibt es zu sehen.

Musikformationen spielen vor Ort, Besucher können Instrumente ausprobieren und die Geschichte auf Tablets lesen, hören und anschauen. «All das Material zusammenzutragen, war ein schwieriges Unterfangen», sagt Steger, der selbst kein Blasinstrument spielt, sondern Orgel. Trotz der weiten Verbreitung der Blasmusik – im Kanton Luzern gibt es mit 117 Verbandssektionen deutlich mehr Musikvereine als Gemeinden – sei das Blasmusikwesen wenig erforscht. Seine Ausstellung versucht nun etwas Licht ins Dunkel zu bringen, etwa anhand von alten Instrumenten von lokalen Musikvereinen und Tondokumenten der Militärmusik.

«Über die Jahrhunderte zu einem Kulturgut geworden»

Kernstück der Ausstellung sind aber weder Instrumente noch die aufgearbeitete Geschichte der Blasmusik, die eng mit dem Militär verwoben ist, sondern Fotografien und neun filmische Porträts von Mitgliedern der Musikgesellschaft Schwarzenberg. Sie sollen stellvertretend für die über 4500 aktiven Musikanten im Kanton Luzern stehen.

Ein Jahr lang hat der Fotograf und Filmer Hans U. Alder (72) die Brass Band Musikgesellschaft Schwarzenberg begleitet. «Als ich pensioniert wurde, bin ich nach Schwarzenberg gezogen. Das musikalische Niveau und das breite Spektrum der Musik haben mich fasziniert.» Als Zürcher habe er das bis anhin so nicht gekannt. «Anders als für viele Einheimische war es für mich keine Selbstverständlichkeit, dass ein Musikverein derart zum dörflichen Leben beiträgt», so Alder.

Seine Filme und Fotografien, die 2016 anlässlich der Neuuniformierung der MG Schwarzenberg erstmals gezeigt wurden, hat Steger in die Ausstellung integriert. «Bis anhin hatte ich wenig mit Blasmusik zu tun. Aber ihr kommt eine wichtige Funktion in der Öffentlichkeit zu», sagt er. Ob an Feiern oder Beerdigungen: In den Gemeinden seien fast ausschliesslich Blasmusikvereine für die Musik besorgt – nicht klassische Streichquartette oder Orchester. «Das hat damit zu tun, dass Blasmusik wegen ihrer Lautstärke und der Bauart der Instrumente draussen gespielt werden kann. Die Blasmusik ist so über die Jahrhunderte zu einem wichtigen Träger eines Teils unserer Kultur geworden.»

Steger ist überzeugt, dass dieses Kulturgut auch künftig – trotz des oft beklagten Vereinssterbens – weitergetragen wird. «Einen Wandel im Blasmusikwesen hat es schon immer gegeben», sagt er und nennt ein Beispiel: «1842 hat sich die damalige Feldmusik Willisau beinahe aufgelöst. 30 Jahre später musizierte der Verein wieder – bis heute.» Aber natürlich, fügt Steger an, sei es schwieriger geworden, Nachwuchs zu generieren. Innovative Ideen seien gefragt – und Personen, die mit vollem Elan für die Sache einstehen.

«Das Problem ist: Wie kriegt man die Leute hierher?»

Leidenschaft für seine Arbeit bringt auch er selbst mit. Seit 16 Jahren gibt es die Musikinstrumentensammlung, die von der Albert Koechlin Stiftung finanziert wird. «Ohne Herzblut geht gar nichts», sagt Steger. Bei über 1100 Museen in der Schweiz sei es schwierig, genügend Besucher zu haben. «Das Problem ist: Wie kriegt man die Leute hierher? Wenn die Gäste erst mal da sind, ist die positive Resonanz sehr gross», so Steger. Dennoch ist er überzeugt: «Ein Objekt, das man vor Ort betrachten und gar ausprobieren kann, fasziniert die Menschen noch immer – trotz und vielleicht gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung.»

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Die Sonderausstellung «Von ­Tuten und Blasen» findet vom 24. September bis zum 26. November 2017 in der Musikinstrumentensammlung am Viehmarkt 1 in Willisau statt. Mehr Infos: www.musikinstrumentensammlung.ch

www.

Ein Video und weitere Bilder unter: luzernerzeitung.ch/bonus

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