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Willisau: Fussball ist «Bärti» Dossenbachs ständiger Begleiter

Seit 46 Jahren arbeitet Albert «Bärti» Dossenbach ehrenamtlich für den FC Willisau. Dort erlebt er bereits seinen fünften Präsidenten. Der Fussball hat ihn als Mensch schon früh geprägt.
Ernesto Piazza
Albert «Bärti» Dossenbach ist stolz auf seine Auszeichnungen. (Bild: Pius Amrein, Willisau, 20. April 2019)

Albert «Bärti» Dossenbach ist stolz auf seine Auszeichnungen. (Bild: Pius Amrein, Willisau, 20. April 2019)

Bei «Bärti» Dossenbach (81) dreht sich seit 46 Jahren (fast) alles um seinen Fussballclub Willisau. Auf dem Schlossfeld-Areal kennt er praktisch jede Ecke. Auch an diesem Vorabend steht er dort, wo er oft anzutreffen ist: Auf dem Gelände, vor der Treppe, die zum Kabinengang runterführt. «Tschau Bärti», grüssen ihn die Spieler, die langsam auf dem Areal eintreffen. Dossenbach erwidert den Gruss, um sogleich anzumerken: «Kabine drei». Dieses Ritual wiederholt sich in der Folge diverse Male – auch beim Gegner.

Der 81-Jährige lebt – und das ist unschwer festzustellen – ganz für «seinen» FC Willisau. Linienrichter, Platzwart von vier Feldern beim Schlossfeld, von zwei zusätzlichen Spielwiesen bei der einige hundert Meter entfernten BBZ-Anlage sowie 46 Jahre Speaker an insgesamt 19 Hallenturniertagen pro Saison. «Bärti» Dossenbach ist immer da, wenn man ihn braucht. Mehr noch: Oft trifft man ihn an, obwohl er kein «Aufgebot» hat. Für seine immense Arbeit wurde die Willisauer-Fussball-Legende vor rund einem Jahr bei der kantonalen Sportpreisverleihung – auch im Beisein von Regierungsrat Guido Graf – «als Ehrenamtlicher des Jahres» ausgezeichnet. Ihm hätte er am Anlass versprochen, sagt Albert Dossenbach, die Hallenturniere noch bis zu seinem 85. Altersjahr zu speakern.

FC Baar-Spieler nahmen ihn mit auf den Zug

Der Fussball hat in seinem Leben bisher einen grossen Stellenwert genossen – obwohl er selber nicht wirklich aktiv spielte. Schon in frühen Jahren war Dossenbach bei den Begegnungen auf dem Fussballplatz anzutreffen. Er erzählt:

«Mein Vater musste mich immer auf dem Fussballplatz suchen.»

Zu Hause in Baar wuchs er zusammen mit sieben Geschwistern auf. Auf dem elterlichen Bauernhof wartete viel Arbeit. Auch in einer Zeit, als der 2. Weltkrieg tobte, sein Vater einrücken und seine Mutter beispielsweise das Melken der Kühe übernehmen musste. Sie starb übrigens, als «Bärti» 17 Jahre alt war. Diese Situationen prägten ihn. «Es war nicht einfach», sagt Dossenbach rückblickend.

Doch der Fussball faszinierte ihn stets. Als die Schweiz an der Weltmeisterschaft 1954 in Bern gegen Österreich spielte – und schnell 3:0 führte, hörte «Bärti» am Radio mit. Bis ihn sein Vater fand, und zum Tageswerk zurückholte. Am Sonntagmorgen war er des Öfteren am Bahnhof anzutreffen. Die FC Baar-Spieler nahmen den jungen Dossenbach jeweils mit auf den Zug, zu den Auswärtspartien nach Schattdorf oder Goldau.

Ab halb Sechs morgens auf den Beinen

Dass Dossenbach überhaupt ins Hinterland kam, «verdankt» er – wie könnte es anders sein – auch dem Fussball. Anlässlich eines Grümpelturniers in Wolhusen sei er vom damaligen Masseur des FC Willisau gefragt worden, ob er dort nicht eine Funktion übernehmen möchte. Im Juni 1973 zügelte er. «Im August desselben Jahres erlebte ich sogleich den Aufstieg des Fanionteams in die 2. Liga.» Beruflich arbeitete er unter anderem über 12 Jahre bei der örtlichen Diwisa Distillerie.

Dossenbach ist ein Frühaufsteher. Ab halb sechs morgens ist er jeweils auf den Beinen. Dann geht es zum Morgenessen ins Städtli. Später führt ihn der Weg jeweils aufs Schlossfeld. Tag für Tag, bei jedem Wetter. «Ich kontrolliere, ob alles in Ordnung ist.»

Markenzeichen sind das Töffli und die Haarzöpfe

Unterwegs ist er immer mit seinem Zweigangtöffli. Dieses ist genauso sein Markenzeichen, wie die dabei flatternden Haarzöpfe. Bei den Heimspielen ist er immer vor Ort. Und stehen Cup-Partien auf dem Programm, sponsert er für den Gegner jeweils einen Sack Willisauer Ringli sowie einen Wimpel. «Ich habe ein warmes Herz.» Und während er den Satz ausspricht, übermannen ihn die Emotionen. Dossenbach lebt den Fussball. Und dazu gehört auch, dass er bei einem in seinen Augen falschen Pfiff des Schiedsrichters schon mal seinen Unmut kund tut, enerviert reagieren kann. Und obwohl ihn nicht immer alle verstehen (wollen): Er ist die gute Seele des Vereins, investiert viel Herzblut und Leidenschaft in seine ehrenamtliche Tätigkeit. Der 81-Jährige ist ein feinfühliger Mensch. Und einer auch, auf den man sich verlassen kann. «Ich kann schlecht ‹nein› sagen.»

«Abwaschcup» ist für ihn ein Höhepunkt

Zu seinen Eigenheiten gehört ebenfalls, dass er als Speaker bei den FCW-Hallenturnieren jeweils schaut, ob einer der Spieler an diesem Tag Geburtstag feiert – und diesen dann namentlich erwähnt. Zudem beschenkt er ihn dann mit «einem Fünflieber aus meinem eigenen Sack». Weiter besucht er – wenn es für ihn passt – jeweils das Willisauer Juniorenlager. Ein ganz besonderer Höhepunkt in diesem Rahmen ist für ihn der «Abwaschcup». Dann coacht Dossenbach im Spiel gegen die Leitertruppe immer die Junioren. 2016 und 2018 hätten sie diese Begegnung gewonnen, sagt er - und die Erwachsenen so zum anschliessenden Abwaschen gezwungen. Apropos Höhepunkte: 1988 erlebte Dossenbach die Olympiade in Seoul live mit. 1992 war er beim Cupsieg des FC Luzern gegen Lugano (3:1) dabei. 1994 besuchte er die Fussball-WM in den USA, um anschliessend zwei Monate nach Australien zu reisen.

Beim FC Willisau erlebt der 81-Jährige mit Bruno Peter seinen fünften Präsidenten. Dort ist er Ehren- und Freimitglied. Nur vom Innerschweizer Fussballverband habe er noch nichts gehört, sagt Dossenbach und schmunzelt. Ihn interessieren auch andere Sportarten wie Schwingen, Ringen und Handball. Selber spielt er Minigolf.

Wenn der alleinstehende Dossenbach – seine Familie ist der FC Willisau – auf dem Schlossfeld die Spiele anschaut, dürfen Salat ohne Sauce und eine weisse Bratwurst vom Grill nie fehlen. Willisau hat ihm auch eine Platzwart-Jacke geschenkt und schon eine Matchkarte für eine Begegnung des FCL. «Bärti» Dossenbach ist ein bescheidener und zufriedener Mensch. Dazu passt auch, wenn er sagt: «Ich habe keine Wünsche offen.»

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