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WILLISAU: Präsidentin der Kesb Willisau-Wiggertal: «Wir sind diejenigen, die sich einmischen müssen»

Claudia Ziltener ist seit gut 100 Tagen Präsidentin der Kesb der Region Willisau-Wiggertal. Sie sagt, was ihre Organisation seit der Gründung 2013 besser macht und welche Eigenschaften sie von ihrem früheren Beruf als Polizistin noch heute braucht.
Niels Jost
Claudia Ziltener ist Präsidentin der Kesb Region Willisau-Wiggertal. (Bild: Dominik Wunderli (13. November 2017))

Claudia Ziltener ist Präsidentin der Kesb Region Willisau-Wiggertal. (Bild: Dominik Wunderli (13. November 2017))

Die Situation ist etwas fremd für sie. Eigentlich ist immer Claudia Ziltener diejenige, die in ihrem Büro Fragen stellen und zuhören muss. Nun aber steht sie selber im Mittelpunkt – die 46-Jährige ist seit dem 1. August Präsidentin der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region Willisau-Wiggertal. Diese Kesb umfasst 23 Gemeinden mit insgesamt 52 000 Einwohnern und ist eine von sieben Behörden im Kanton Luzern.

Angefangen bei der Kesb hat Ziltener schon vor fünf Jahren. Ausgerechnet zu jener Zeit, als die neu gegründete Fachstelle schweizweit viel Kritik erntete. «Damals stand uns hier in Willisau nicht mehr zur Verfügung als ein Computer und die Personenlisten der Klienten, die wir von den Gemeinden Anfang 2013 übernahmen», erinnert sich Claudia Ziltener.

Die Organisation musste bei null beginnen, selber schauen, wie die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben umgesetzt werden können. Das funktionierte nicht immer auf Anhieb. Prompt wurde Kritik laut, die Kesb führe zu mehr Bürokratie, die Abläufe seien zu kompliziert, Angebote zu wenig bekannt. Das habe sich mittlerweile eingependelt, sagt Claudia Ziltener. Sie legt eine Denkpause ein, bevor sie spricht. «Die Kesb funktioniert, die Grundabläufe wurden automatisiert», sagt sie schliesslich mit Überzeugung. Und unverhohlen gibt sie zu: Nach wie vor seien Fragen zu klären. So gibt es Eltern, die für ihre erwachsenen Kinder eine Beistandschaft führen und finden, dass sie der Kesb zu viele Unterlagen einreichen müssen. «Wir haben das auf ein Minimum reduziert. Das Gesetz verlangt aber nun mal von uns, dass wir beispielsweise kontrollieren, ob eine verbeiständete Person alle ihr zustehenden Leistungen aus Sozialversicherungen erhält. Eine gewisse Berichterstattung ist unabdingbar.»

Fingerspitzengefühl bei Polizei gelernt

Im Gespräch mit Claudia Ziltener wird schnell klar: Die 46-Jährige ist mit viel Enthusiasmus am Werk, ist gleichzeitig aber keineswegs «behördenblind». Sie weiss, dass die öffentliche Kritik an der Kesb zwar abgenommen hat, dass aber nach wie vor nicht alle mit der Fachstelle, die letztes Jahr über 800 Fälle geführt hat, zufrieden sind. Das habe weniger mit ihrer Arbeit zu tun, sondern damit, dass die Kesb immer in schwierigen Situationen oder Konflikten eingreifen muss, argumentiert sie. «Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass wir immer diejenigen sind, die sich einmischen müssen», bringt sie es auf den Punkt. «Dabei sind viel Fingerspitzengefühl und guter Dialog gefragt.»

Diesen Umgang mit Leuten eignete sie sich während ihrer fünf Jahre als Polizistin an. «Bei der Polizei habe ich gelernt, auch in hektischen Situationen ruhig und überlegt zu handeln», sagt Ziltener. Mit Befehlen komme man dabei nicht weit: «Auch als Polizistin kann man die Leute nicht herumbefehlen. Man muss abschätzen, wie man auf eine Person zugehen kann, und im richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte finden.» Ähnlich sei dies nun bei der Kesb.

Hinzu komme die Teamarbeit. Diese sei – heute wie damals – entscheidend. Hilfreich sei bei der Kesb hierbei, dass die meisten Mitarbeiter mehrere Abschlüsse oder verschiedenste Berufserfahrungen aufweisen. Selbst als Polizistin, studierte Juristin und Sportwissenschaftlerin mit ETH-Abschluss sei sie deshalb keine Exotin in ihrem 15-köpfigen Team, schmunzelt Ziltener. Die Fachbehörde solle eben gerade interdisziplinär zusammengesetzt sein, vom Juristen über den Psychologen bis zum Sozialpädagogen. Damit will die Kesb mit den verschiedensten Klienten auf Augenhöhe sprechen können. Ziltener: «Mein Ziel ist es, dass wir die Leute so professionell wie möglich betreuen – fachlich wie auch menschlich.» Zudem vereinfache die Interdisziplinarität auch den Austausch mit anderen Behörden.

Auf dem Velo kann sie abschalten

Interdisziplinär ist Claudia Ziltener auch in der Freizeit unterwegs. Ob mit dem Bike, dem Rennvelo, den Langlaufski oder den Wanderschuhen: «Hauptsache, draussen», findet Ziltener, die kinderlos ist und mit ihrem Mann in Kriens wohnt. Der Sport bietet ihr einen Ausgleich zu den teils erschütternden Schicksalen. Ziltener sieht aber nicht nur diese «Schwere» in ihrer Arbeit. «Es ist schön, wenn wir etwa Kinder über Jahre begleiten und schliesslich erkennen, dass sich die Situation dank unserer Intervention gebessert hat. Das ist der erfüllende Teil meiner Arbeit.»

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

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