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WILLISAU: So Gott will, schnürt er noch oft die Schuhe

Franz Häfliger hat den Napf schon über tausend Mal bestiegen. Trotz seiner 79 Jahre ist sein Bewegungsdrang nicht gestillt.
Franz Häfliger (79) zieht es täglich hinaus in die Natur – unser Bild zeigt ihn in seinem Garten in Willisau. (Bild Corinne Glanzmann)

Franz Häfliger (79) zieht es täglich hinaus in die Natur – unser Bild zeigt ihn in seinem Garten in Willisau. (Bild Corinne Glanzmann)

Ernesto Piazza

Bewegung bedeutet für Franz Häfliger viel. Sehr viel sogar. Wenn immer sich dem 79-jährigen Willisauer die Möglichkeit bietet, nimmt er die Gelegenheit dazu wahr. Bereits über tausend Mal hat er den 1408 Meter hohen Napf bestiegen. Beim Wandern die Schönheiten der Natur geniessen, sei für ihn ein tägliches Bedürfnis. Mehr noch: ein Lebenselixier. Nach seinen Steckenpferden gefragt, sagt er denn auch sofort: «Vor allem Skiklub, Alpenklub und Männerriege – und ab und zu einen Jass klopfen.»

Bei Häfliger gibt es keine Langeweile. Still sitzen und «nur» zuhören ist nicht sein Ding. Bei ihm muss immer «etwas laufen». Während des Gesprächs wühlt er in einem Ordner, gräbt alte Erinnerungen aus, sucht auf der Pocketkamera das Bild vom Napfgeist. Er lässt nicht locker, selbst als die digitale Version zuerst unauffindbar bleibt. Wenig später wird er fündig. Beim genauen Hinsehen zeigt das Bild einen Felsteil im Gebiet der Änzi­fluh – ähnlich dem Gesicht eines Zwergs.

Befreiendes Gefühl

Seit Kindsbeinen gehört das Wandern zu den grossen Hobbys von Franz Häfliger. Zudem stellt er sich seit einem Dutzend Jahren in den Dienst des regionalen Verkehrsbüros Willisau. So begleitet er während der Sommerferien Wanderungswillige auf gemütlichen Touren von jeweils zirka vier Stunden auf den Napf. Sich in der Natur zu bewegen, vermittle ihm immer wieder ein befreiendes Gefühl, sagt der ehemalige Briefträger. «Es gibt Personen, die sich jedes Jahr erneut anmelden», so Häfliger. Vorbereitungszeit braucht er für die Wanderungen nicht. Eine Rekognoszierung im Frühling reiche jeweils, weiss er.

Ob Sommer oder Winter: Seinen Bewegungsdrang lebt der 79-Jährige praktisch bei jedem Wetter aus. «Wenn es einmal doch nicht möglich ist, auf den Napf zu gehen, schicke ich ihn in den nahe gelegenen Wald», sagt seine Frau Josy mit einem Lächeln. Sie weiss nach 53 Jahren Ehe nur zu gut: «Man kann ihm die Bewegung kaum nehmen.» Während seine Frau ihn früher öfters auf seinen Touren begleitete, muss sie heute ihre Knie schützen und kürzertreten.

Steinböcke bei der Morgentoilette

Bei seinen vor allem privaten Wanderungen auf den Willisauer Hausberg gehören selbstverständlich auch Rehe und Gämsen zu Häfligers Begleitern. In aller Herrgottsfrühe unterwegs sei es ebenfalls möglich, Steinböcke beim Äsen und der Morgentoilette zu beobachten, betont er. Ob über Eggstall, Hochänzialp, Änzisattel zum Napf marschierend. Oder über den «alten Weg» die Direttissima benützend: Franz Häfliger kann es oft nicht schnell genug gehen. Beim Abstieg kehrt er allerdings schon mal in der Chrotthütte ein. Oder er gönnt sich auf der Stächelegg ein «Ghürotets» – ein Getränk aus Süss- und Gärmost.

Begegnung mit Nacktwanderern

Franz Häfliger kramt erneut in seinem Ordner und zieht eine Weihnachtskarte hervor. Geschrieben ist sie in Kinderschrift, verbunden mit der Hoffnung, im nächsten Jahr wieder auf ihn als Wanderleiter zählen zu dürfen. Die Karte der damals achtjährigen Ronja erinnert ihn an das Jahr 2009. Häfliger begleitete sie – zusammen mit ihrer Grossmutter Lisbeth Pfenninger (85) – auf den Napf. «Wir hatten viel Spass», erinnert er sich. Das sei nicht verwunderlich, entgegnet seine Frau Josy. «Franz könnte drei Stunden lang Witze erzählen.» Nackte Realität war kürzlich eine andere Begebenheit bei seinen Napf-Touren. Der 20-köpfigen Wandergruppe begegneten bei einer Brätelstelle im Gebiet Goldbach plötzlich zwei unbekleidete Männer. «Wir haben noch lange über diesen Vorfall gelacht. Die Frauen in der Gruppe witzelten sogar, ich hätte diese Männer für sie bestellt», sagt Häfliger und lacht herzhaft.

Dufourspitze bestiegen

Allein hastet der zweifache Familienvater noch heute – je nach Ausgangspunkt – in einer halben bis einer dreiviertel Stunde den Napf hoch. Früher stellte er sich noch weit grösseren Herausforderungen. Mit der Dufourspitze (4634 Meter über Meer) bestieg er den höchsten ganz in der Schweiz liegenden Berg. Eine weitere Leidenschaft von Franz Häfliger sind Skitouren. «Mit den Fellen einige Stunden hochmarschieren und dann eine wunderschöne Abfahrt geniessen: Das ist einfach ein grossartiges Gefühl.» Klettertouren in den Dolomiten gehörten ebenfalls zu seinem intensiven Bewegungsprogramm.

Weder Strasse noch Bahn interessieren das 69 Kilogramm leichte Energiebündel im Zusammenhang mit Bergen. «Ich marschiere die Strecken: hoch wie runter», sagt er. Mit seinem niedrigen Blutdruck «fühle ich mich sowieso je höher, desto wohler». Deshalb ist nicht verwunderlich, wenn Häfliger sagt: Er habe für die nächsten 10 Jahre noch einige Wanderziele. «Immer unter der Voraussetzung, dass auch Gott so will.»

Hinweis

Die nächsten Napf-Wanderungen finden am 29. Juli, 5. und 12. August statt. Weitere Infos finden Sie unter www.willisau-tourismus.ch.

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