WILLISAU: Städtli wird zu Little Istanbul

Ein neues Duo mischt die Kebab-Pizza-Szene auf. Gepfefferte Sprüche inklusive.

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«Cali und Vali» im Rathaus. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 27. Februar 2017))

«Cali und Vali» im Rathaus. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 27. Februar 2017))

Die acht Lokale waren seit langem ausgebucht. Kein Wunder: Der Willisauer Sprüchliabend am Güdismontag hat Tradition. Acht Schnitzelbankgruppen zogen von Beiz zu Beiz, Karnöffelzünftler bestimmen jeweils, wer wann wo seine Sprüche zum Besten gibt.

An den Tischen dürfen sich die Zuhörer einen Abend lang zurücklehnen. Die Bänkler führen eine manierliche Klinge, Mit­lachen von allfällig Betroffenen ist garantiert. Viele der ganz spitzen Pfeile zielten sowieso auf das Geschehen «ennet dem grossen Teich». Das Befremdende, Haarsträubende rund um President Donald Trump ist im Hinterland offensichtlich Tagesgespräch.

«Cali und Vali» mischen Kebab-Szene auf

Haariges aus den USA tischten etwa die «Rätschwyber» auf: «I vielne Länder get s politischi Schwärgwecht a de Macht; die einte hei keini, desi e ohuere Hoorpracht! De oflätig Tramp regiert d Staate vo Amerika; die ­Düüt­sche mönd dänk d Angela ou no länger ha! De Putin z Russland, de Erdogan i de Türkey – mer sei eso froh, dass mer d Leuthard hei!!!» In die gleiche Kerbe hieb S Willisauerrengli – aus Krankheitsgründen ihrer Partnerin war sie diese Fasnacht allein unterwegs. Sie machte sich ihren Reim auf Mani Matters Lied «Hemmige»: «Lut Mani Matter onderscheide jo d Hemmige de Mönsch vom Schimpans. – Doch bim amerikanische Wahlkampf hesch aube nöme gwösst, wär isch Mönsch ond wär Schimpans ...»

Letztes Jahr hat sich das legendäre Sprüchler-Paar «Cali und Stäffe» nach 20 Jahren verabschiedet. Nun gabs ein Wiedersehen mit Cali – alias Stefan Calivers, Chefredaktor des «Willisauer Boten». Zusammen mit Valentin Kunz bilden die beiden neu «Cali und Vali» – die Premiere verheisst einiges. Als Ötzgür habe er eine Marktlücke in Willisau entdeckt, meinte Vali. Jetzt eröffne er einen Kebab-Laden. Und wo eine Werbetour inszenieren, wenn nicht am Sprüchli­abend.

Los gehts mit dem Kreieren von Pizza und Kebab – statt mit dem «Wunschpartner Stäffe» halt mit dem «zur Not ausgegrabenen Tschingg Don Gennaro», alias Cali. Das Duo machte aus Willisau ein eigentliches «Istanbul-Napoli». Sie präsentierten sich als profunde Kenner der Polit- und Alltagsszene des Hinterlands. Und natürlich auch darüber hinaus. Zu den Locken von Doris in Bundesbern meinte Vali: «Di schöne Locke vo de Doris gfalle mer viel besser als sinerzyt de Atompilz vo de Madame Calmy Rey.»

Stäffe und sein Credo «Käppelimatt first»

Ja, und dann kam auch noch der legendäre Stäffe zum Auftritt. Samt Credo «Käppelimatt first». Und warum nicht Gilbert Gress als Staatspräsident von Frankreich? Die Frisur dazu hätte er. Der Applaus war dem Trio ­sicher – genauso wie den übrigen Gruppen: den Malterser Näbu­frässern, Dano und Maga, der Ringligüüsser Brunzmusik, den Värslibrönzlern und der schrägen Einzelnummer Flaschensepp. Bei allen gilt vorbehaltlos: Wiedersehen macht Freude.

 

Hannes Bucher

kanton@luzernerzeitung.ch

Sprüche 

Von Cali und Vali und von den Värlisbrönzlern.

Cali und Vali
 
Wir sind die Schurken von der Pnos
Und grölen voll drauf los
Die Bullen kümmern uns nicht gross
Wir täuschen sie famos
 
Unser Hirn ist klein, der Bizeps gross
Drum schlagen wir gleich los
Wir essen keine fremde Chose’
Nur Wurst mit brauner Soss’

Cali dazu, dass Stäffe amerikanischer Präsident werden möchte:
 
So wird das weder nüüd, Stäffe:
Dä gsehd jo us wie dä amerikanischi Harry Hasler,
dä Mantafahrer mit sim orangige Fuchsschwanz.

Cali zum Thema sparen:
 
Jo, jo: spare, spare, spare:
Die Süüch hett jetzt scho d’ Hinterländer Sportverein erfasst:
D’Willisauer Ringer spare bi de Medaille.

Värslibrönzler Willisau über den Bischof von Chur:

Toleranz isch för da Typ
Es Frömdwort immer gsii,
drom esch’s för üs de grossi Hit
är göig of Rom jetz glii.
 
Det schlopft är bim Papscht denn a
Är seig so ganz elei –
Mer hei en Tipp dem Gottesmaa –
Chomm bitte nie meh hei.