WILLISAU: SVP greift Stadtammann an

Marcel Merz will für die SVP in den Stadtrat. Seinen Fokus setzt er auf den Sitz des Stadtammanns. Dieser plädiert jedoch für Kontinuität. Die SP spricht von «einem offenen Rennen».

Ernesto Piazza
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Die SVP kämpft in Willisau. Luftaufnahme von Willisau am Sonntag, 3. Januar 2015. (Bild: Philipp Schmidli)

Die SVP kämpft in Willisau. Luftaufnahme von Willisau am Sonntag, 3. Januar 2015. (Bild: Philipp Schmidli)

Ernesto Piazza

Spannende Ausgangslage bei den Stadtratswahlen vom 1. Mai in Willisau: Marcel Merz (SVP) kandidiert nicht nur als einfaches Ratsmitglied, sondern auch als Stadtammann. Damit stellt die Partei erstmals den Anspruch auf einen Sitz in der Exekutive. Bei der SP hat Brigitte Troxler demissioniert. Die Linke will ihr Mandat mit Irma Schwegler verteidigen.

Zudem stehen den Bürgern mit «Komitee für einen kompetenten und dynamischen Stadtrat» und «Kontinuität und Zukunft für Willisau» zwei weitere Listen – allerdings ohne Berücksichtigung der SVP – zur Wahl.

«Steuererhöhung verhindern»

«Die Partei will nicht nur immer reklamieren», sagt Marcel Merz. Die SVP setze sich zum Ziel, mit ihrer Kandidatur in Willisau Verantwortung zu übernehmen. Dabei streicht Merz speziell das Thema Finanzen hervor. «Es ist wichtig, dass man die vom Stadtrat für 2017 angekündigte Steuererhöhung um einen Zehntel verhindern kann.» Momentan steht Willisau bei 2,30 Einheiten.

Weiter wünscht er sich eine Anpassung des Geschäftsführungsmodells. «Dem Stadtammann kommt als Geschäftsleiter und Stadtrat eine Doppelrolle zu. Das führt unweigerlich zu Zielkonflikten.» Deshalb verlangt Landwirt und Unternehmer Merz: «Das jetzige Geschäftsführungsmodell muss überarbeitet werden.» Weiter moniert er ganz generell die zu hohen Pensen des Stadtrats. Zudem fehle ihm die Fachkompetenz in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe.

Doch könnte sich Merz die benötigten Kapazitäten überhaupt freischaufeln? Wendelin Hodel übt das Amt des Stadtammanns mit einem 90-Prozent-Pensum aus. «Ich habe die Frage mit meinem Geschäftspartner geklärt. Zudem ist es auch mit den Arbeiten auf meinem Bauernhof vereinbar. Ich stehe zur Verfügung», sagt Merz. Und wie beurteilt er seine konkreten Chancen in Willisau, Stadtammann zu werden? Er beantwortet die Frage so: «Wenn ich mir keine ausrechnen würde, wäre ich gar nicht angetreten.» Der SVP angehörend, gebe es zwar Bürger, die ihn nicht wählen dürften, vermutet der Ortsparteipräsident. Er glaubt aber aufgrund seiner Finanzerfahrung an breite Unterstützung aus der Bevölkerung.

Von Angriff «etwas überrascht»

Wendelin Hodel (59) nimmt die Kandidatur der SVP «ernst», will sie aber zugleich «sportlich» angehen. Denn der jetzige Stadtammann weiss: «Es ist legitim, auf dieses Amt zu aspirieren.» Dass die drittgrösste politische Kraft in Willisau jedoch seinen Sitz angreift, kommt für ihn doch «etwas überraschend». «Konsequent» ist für Hodel hingegen, dass die SVP aufgrund ihrer Politik ein Mandat im Stadtrat anstrebt.

Der CVP-Mann bekleidet das Amt des Stadtammanns seit der Wiedervereinigung von Willisau Land und Stadt im Jahre 2006. Zuvor arbeitete er seit 1999 bereits in derselben Funktion in Willisau Land. Bisher musste er sich noch keiner Kampfwahl stellen.

Beim Führungsmodell ist Hodel auch Delegierter des Stadtrats und bildet in dieser Funktion die Schnittstelle zwischen der Exekutive und der Geschäftsleitung. Willisau hat – mit Ausnahme der Bildung – keine eigentlichen Ressorts. Ab kommendem Sommer wird aufgrund der Schaffung einer Bildungskommission – anstelle der Schulpflege – aber auch die Bildung in die Geschäftsführung integriert. Die operativen Tätigkeiten unterliegen sieben Abteilungen.

Hoffen auf wenig Veränderung

In Willisau werden nur der Stadtpräsident und der Stadtammann direkt gewählt. Hodel beurteilt seine Chancen, vier weitere Jahre in seiner Funktion im Stadtrat weiterzuarbeiten, als «intakt». Man sei ein gut funktionierendes Team, sagt er. Daher hofft er, die Geschäfte auch künftig «in einer möglichst wenig veränderten Konstellation anpacken zu können. «Wir brauchen im Stadtrat Kontinuität.» Als Vorteil für Willisau erachtet Hodel zudem, dass er mit seinem Pensum beim Regionalen Entwicklungsträger (RET) Luzern West Aufgaben inne hat. Das gebe Synergien – auch für die Stadt. Als grösste Herausforderungen für Willisau in den nächsten Jahren sieht Hodel die Schulraumplanung und – gerade unter Einbezug der Region – die weitere Zentrumsentwicklung. «Zudem stehen gesunde Finanzen stets im Fokus.»

SVP: «SP nicht rausboxen»

Mit der SVP-Kandidatur könnte in Willisau nicht bloss der SP-Sitz wackeln. Ortsparteipräsident Martin Krummenacher sagt: «Das Rennen ist offen. Es kann auch sein, dass jemand von den Bisherigen nicht wiedergewählt wird. Die bisherigen Räte und unsere Kandidatin würden aber für konstruktive Konsenslösungen garantieren.» SVP-Ortsparteipräsident Marcel Merz betont: «Es geht uns nicht darum, die SP rauszuboxen. Unsere Priorität liegt auf einem guten Stadtrat.»