Willisau und Gettnau schliessen sich zusammen

Die Gemeinden Willisau und Gettnau können auf den 1. Januar 2021 fusionieren. Das haben die Stimmbürger am Sonntag klar entschieden.

Fabienne Mühlemann
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Die Ortstafeln von Willisau und Gettnau.

Die Ortstafeln von Willisau und Gettnau. 

Bilder: Roger Grütter (11. Februar 2020)

«Beide gewinnen» – mit diesem Spruch hat das Pro-Komitee der Fusion in den letzten Wochen mit Plakaten für die Heirat der beiden Gemeinden geworben. Die Mehrheit der Stimmbürger sieht dies ebenfalls so, wie die Resultate der Abstimmung vom Sonntag zeigen: 81,8 Prozent der Gettnauer Bevölkerung sprachen sich für die Fusion aus. In Willisau waren es 61 Prozent. Damit ist es beschlossene Sache: Ab dem 1. Januar 2021 bilden die beiden eine Gemeinde, Gettnau wird neu ein Ortsteil von Willisau. Die Stimmbeteiligung betrug in Gettnau 66,8 Prozent, in Willisau 53,05 Prozent.

Bei Gettnaus Gemeindepräsident sorgt der Entscheid für grosse Erleichterung. «Es zeigt, dass die Bevölkerung den Weg des Gemeinderats mitgetragen hat», so Urs Vollenwyder. «Aber mit einem solch klaren Ergebnis habe ich nicht gerechnet.» Für das finanziell angeschlagene Gettnau ist die Fusion enorm wichtig, denn ein Alleingang wäre immer schwieriger geworden. Zu gross waren die immer deutlicher werdenden strukturellen Defizite. Darum hatte man bei Willisau angeklopft, da die beiden Gemeinden schon heute in verschiedenen Aufgabengebieten zusammenarbeiten. So ist die Feuerwehr bereits zusammengelegt, Gettnau ist in die Jugendarbeit Willisaus sowie ins regionale Betreibungsamt, Steueramt und Zivilstandsamt integriert. Die Gettnauer Schülerinnen und Schüler besuchen schon seit längerem die Sekundarstufe in Willisau.

Finanzen als Knackpunkt

Es waren dann auch insbesondere die Finanzen, die einige Willisauer vor der Abstimmung an der Fusion zweifeln liessen. «An der Gemeindeversammlung konnten wir die finanzielle Ausgangslage der Bevölkerung erläutern und auch die ausführliche Abstimmungsbotschaft hat zum Meinungsbildungsprozess beigetragen», sagt Erna Bieri, Stadtpräsidentin von Willisau. Gemäss Finanzplan der vereinigten Einwohnergemeinden beträgt der geplante Steuerfuss 2021 2,1 Einheiten. Mit der Vertragsunterzeichnung erhält die fusionierte Gemeinde ausserdem sieben Millionen Franken vom Kanton Luzern. Er soll die finanziellen Risiken des Zusammenschlusses absichern. «Zudem ist die Fusion auch ein Akt der Solidarität gegenüber der Nachbargemeinde, die in finanziellen Schwierigkeiten steckt und mit der bereits in vielen Bereichen bereits eine enge Zusammenarbeit besteht», sagt Bieri.

Auch sie ist glücklich über das Resultat. «Es ist für mich wirklich eine grosse Freude, dass beide Gemeinden klar Ja gesagt haben.» Fusionen hätten immer eigene Gesetze, daher sei es schwierig gewesen, das Resultat abzuschätzen. «Ich habe immer gesagt, dass ich glücklich bin, wenn 60 Prozent der Willisauer Ja sagen. Nun wurde dies gar übertroffen», sagt Bieri. Die Fusion biete auch Willisau viele Vorteile. So stärke man sich insbesondere als Regionalzentrum, denn die Gemeinde wächst nun auf rund 9000 Einwohner an. Auch verkehrstechnisch bringe der Zusammenschluss Vorteile. So werde Willisau gestärkt, indem das Gemeindegebiet in Richtung der strategisch wichtigen Verkehrsanbindung nach Norden vergrössert werde und man zum Beispiel bei Fragen der Verkehrsführung direkt mitreden könne.

Das Resultat wurde erkämpft

Einen grossen Beitrag zur gelungenen Fusion leistete auch das überparteiliche Pro-Komitee, welches in den letzten Wochen Werbung für den Zusammenschluss machte. «Uns ging es insbesondere darum, die Leute sachlich zu informieren und die langfristigen Entwicklungschancen für beide Gemeinden aufzuzeigen. Und ihnen vielleicht die Bedenken zum Thema Finanzen zu nehmen», erklärt Charles Bossert, Initiant des Komitees, welches von der CVP, FDP, Grünen und SP unterstützt wurde. Ihm sei ein grosser Stein vom Herzen gefallen und auch er sei überrascht von dem klaren Ergebnis. «Dieses Resultat haben wir uns erkämpft», sagt der Gettnauer, welcher in Willisau ein Gewerbe hat.

Eine Feier fand wegen der Corona-Notlage nicht statt. «Diese möchten wir zusammen mit der Bevölkerung aber gerne noch nachholen», sagt Bieri. Der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker, welcher an der Feier ebenfalls anwesend gewesen wäre, telefonierte mit Erna Bieri und Urs Vollenwyder und gratulierte per Videobotschaft. Er dankt der Bevölkerung «für den weitsichtigen und solidarischen Entscheid». Die Fusion sei von unten gewachsen, das sei dem Kanton wichtig.

Videobotschaft zum Abstimmungsergebnis:

Nun wird laut Bieri so schnell wie möglich der Vertrag unterzeichnet und die Umsetzung eingeleitet. Und dann geht schon bald der Wahlkampf für die Stadtratswahlen am 27. September 2020 los. In Gettnau wird ausserdem ein Ortsverein gegründet. «Dazu beschäftigen wir uns mit Detailfragen, und auch die Zusammenführung der Primarschule mit Willisau werden wir nächstens angehen», sagt Urs Vollenwyder, der nach 12 Jahren als Gemeindepräsident das Amt bis Ende Jahr noch ausführen wird, dann aber nicht mehr für ein öffentliches Amt zur Verfügung stehen werde. Heute feiern die Stadtpräsidentin und der Gemeindepräsident zuhause bei der Familie aber zuerst noch den Erfolg.

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