Gettnau und Willisau streben Hochzeit per 2021 an

Weil die finanziellen Aussichten von Gettnau alles andere als rosig sind, will sich die Gemeinde mit Nachbar Willisau zusammenschliessen. Dessen Ja-Wort hängt stark vom Kantonsbeitrag ab.

Evelyne Fischer
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Möchte Fusion mit Willisau: Gettnaus Gemeindepräsident Urs Vollenwyder. (Bild: Dominik Wunderli (11. Juni 2018))

Möchte Fusion mit Willisau: Gettnaus Gemeindepräsident Urs Vollenwyder. (Bild: Dominik Wunderli (11. Juni 2018))

Eine Mehrheit der Gettnauer Stimmbürger hat sich bereits Anfang Juni bei einem Workshop für diesen Schritt ausgesprochen, nun ziehen die politischen Behörden nach: Gettnau und Willisau wollen den Zusammenschluss prüfen. Gemeinde- und Stadtrat haben am Freitag beschlossen, Fusionsabklärungen zu lancieren. Dies teilten sie gestern mit.

Erstmals wird ein Zeitpunkt genannt: Die Fusion soll per 1. Januar 2021 besiegelt werden. Als Projektleiter wurde Patrick Deicher von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft BDO AG Luzern bestimmt. Deicher ist dieser Tage ein gefragter Mann: Auch bei der Fusion von Altishofen und Ebersecken sowie beim Zusammenschluss der Urner Gemeinden Bauen und Seedorf zieht er die Fäden.

Gettnau darf von tieferem Steuerfuss träumen

Mit der Heirat von Gettnau und Willisau würde die heutige Zusammenarbeit verstärkt: Gettnau ist bereits dem Steueramt Region Willisau und dem dortigen regionalen Betreibungsamt angeschlossen. Die Feuerwehren der beiden Gemeinden haben längst fusioniert, die Oberstufenschüler von Gettnau besuchen den Unterricht in Willisau. Klar ist auch: Das 7800 Einwohner grosse Willisau wird in den Fusionsgesprächen tonangebend sein. Das könnte sich im Namen der vereinigten Gemeinde niederschlagen. Profitieren hingegen würde wohl das finanziell angeschlagene Gettnau (1100 Einwohner) mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 4500 Franken von einem tieferen Steuerfuss: Dieser liegt bei 2,4 Einheiten, 2,2 Einheiten gelten in Willisau (3900 Franken).

Weder zum Steuerfuss noch zum künftigen Namen will sich Gettnaus Gemeindepräsident Urs Vollenwyder (CVP) derzeit äussern. «Am Schluss muss das Gesamtpaket stimmen.» Wie Erna Bieri, Stadtpräsidentin von Willisau (FDP), festhält, sollen solche Fragen «rasch» geklärt werden. Doch was hätte Willisau von einem Zusammenschluss? «Als Regionalzentrum haben wir seit längerem Offenheit signalisiert für die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen, etwa im Rahmen des Kooperationsprojektes mit den zehn umliegenden Gemeinden. Dies aber immer unter dem Grundsatz, dass Projekte von unten nach oben wachsen sollen», sagt Bieri. Willisau sei nicht auf eine Fusion angewiesen, könnte davon aber sehr wohl profitieren: «Dank der Zusammenarbeit auf der Oberstufe konnten wir Klassengrössen optimieren. Dieses Potenzial liesse sich künftig auch auf tieferen Stufen nutzen.» Auch würde das Gemeindegebiet grösser, was raumplanerisch von Vorteil sein könne. «Matchentscheidend werden aber die finanziellen Aspekte sein und wie stark sich der Kanton an einer allfälligen Fusion beteiligt.»

Hohes Tempo, eng getakteter Fahrplan

Mit der angepeilten Fusion per 2021 schlagen die Behörden ein hohes Tempo an: «Der Fahrplan ist eng getaktet», so Urs Vollenwyder, Gemeindepräsident von Gettnau. Doch er pflichtet der Willisauer Stadtpräsidentin bei, die sagt: «Die Abklärungsphase darf nicht zu lange dauern. Ansonsten wird es schwierig, die Bevölkerung im Prozess mitzunehmen. Das zeigten die Erfahrungen aus der Fusion von Willisau-Stadt und -Land.»

Bis Ende November soll nun ein Projektvorvertrag unterzeichnet werden. «Die Fusionsabstimmung muss früh im Jahr 2020 stattfinden», sagt Bieri. Weil im selben Jahr kommunale Gesamterneuerungswahlen anstehen, würde die Amtszeit der heutigen Räte bis Ende 2020 verlängert.

In Gettnau leben rund 1100 Personen, die Gemeinde ist sechs Quadratkilometer gross. Die Stadt Willisau hat 7800 Einwohner und eine Fläche 41 Quadratkilometern. Sie ist selbst ein Fusionsprodukt, denn sie hatte sich 2006 mit der Gemeinde Willisau Land zusammengeschlossen.

Infoveranstaltung vor Fusionsabstimmung

Am 23. September befinden die Stimmbürger von Altishofen und Ebersecken über die Fusion per 1. Januar 2020. Wird der Zusammenschluss genehmigt, trägt die vereinigte Gemeinde den Namen «Altishofen». Ebersecken bleibt als Ortsteil erhalten. Der Kanton unterstützt die Fusion mit 4,6 Millionen Franken. Morgen Mittwoch, 20 Uhr, wird in der Mehrzweckhalle Altishofen nochmals über den Fusionsvertrag orientiert. (fi)

Gettnau plant Fusion mit Willisau

Die Gemeinde Gettnau steht finanziell schlecht da. Daher soll das Dorf mit einem anderen Ort zusammengeführt werden – am liebsten mit Nachbar Willisau. Doch auch eine andere Gemeinde wäre denkbar.
Lucien Rahm