WILLISAU: Von ungeduldigen Spassvögeln und gelassenen Zünftlern

Mit dem Urknall pressiert es den Willisauern jeweils nicht so. Weil sie schon am Dreikönigstag auf die Pauke hauen, können sie am Schmutzigen Donnerstag ein Stündlein länger schlafen.

Roger Rüegger
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Die Wegere Güsser Willisau heizten am gestrigen Urknall am frühen Morgen im Städtli ein. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 23. Februar 2017))

Die Wegere Güsser Willisau heizten am gestrigen Urknall am frühen Morgen im Städtli ein. (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 23. Februar 2017))

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Die Willisauer Fasnächtler könnten am Schmutzigen Donnerstag fast schon ausschlafen. Tagwache ist im Städtli erst um 6 Uhr – anders als etwa in Luzern oder Sursee. Die Guuggenmusigen Gaugesumpfer aus Rohrbach und die Flueh-Fäger aus Luthern warten dennoch schon um 5.30 Uhr vor dem Stadteingang darauf, dass es losgeht.

Auch eine Handvoll Einzelmasken – darunter Superman sowie ein Pferd mit Reiter in einer Person – stehen vor dem Untertor in den Startlöchern. Und einige ungeduldige Spassvögel im Städtli lassen bereits eine Viertel­stunde vor dem offiziellen Urknall einen Böller ab.

Nicht eröffnen, was schon im Gange ist

Wobei die Fasnacht in Willisau ja längst auf Hochtouren läuft. Das Warten hat mehr symbo­lischen Charakter. Karnöffel-Zunftmeister Stefan Eigenmann, der mit Ehefrau Antonia zu den Ersten gehört, die sich im Städtli einfinden, zelebrierte den Fasnachtsauftakt bereits am Dreikönigstag.

So muss er am Schmudo gar nicht eröffnen, was schon lange im Gange ist. Deshalb hat der Zunftmeister ausreichend Zeit, jene fremden Besucher, die zum ersten Mal am Urknall in Willisau teilnehmen, über die Figuren aufzuklären, die nach und nach ins Städtli einmarschieren. «D Enzilochmanne schleipfe es Tannli noche. Denne hämmer es paar Wöschwyber und dä mit em Höllehond ade Leine esch de Wächter, wos Stadttier hüete mues», berichtet er. Das sei eine Strafe, die vom Städtlibrand im Mittelalter her rühre, schliesst er die kurze Geschichtslektion ab.

Nicht zum ersten Mal am Willisauer Urknall mit dabei sind die Gaugesumpfer aus dem Bernischen, die heuer das Sujet «Alice im Wunderland» wählten. «Unser passendes Motto dazu ist ‹Where The Fuck Is Alice?› Dies, weil wir keine Frau in unserer Gruppe haben, die Alice heisst», sagt «Super Susi», die in Wirklichkeit Stefanie heisst. Den Schmutzigen Donnerstag verbringen die Oberaargauer immer wieder in Willisau. Denn es sei hier übersichtlich und familiär, sagt die Susafon-Spielerin. «Nicht zu gross, nicht zu weit von unserem Wohnort entfernt, aber dafür lustig», fasst sie zusammen.

Das mit dem lustig ist jedoch Ansichtssache. Die vier Zauberer Sonja, Elia, Alessandro und Mattia, die mit ihren spitzen Hüten und den glänzenden Gwändli am frühen Morgen zwar eine gute Figur machen, sind von der lauten Musik aber wohl etwas überfordert. Was verständlich ist, da die drei Buben erst drei, fünf und sieben Jahre alt sind. Auf den Vorschlag, sie könnten die Guuggenmusig ja einfach wegzaubern, meint Elia lakonisch, er habe den Zauberstab leider zu Hause vergessen. «Dafür freuen wir uns umso mehr auf dem Kinderumzug mit der Maskenprämierung am Nachmittag», sagt Mami Sonja, die früher aktive Fasnächtlerin war und jetzt einen ersten Versuch mit ihrem Nachwuchs unternimmt.

Die Bar gleich selber mitgebracht

Freude kommt dafür uneingeschränkt und sehr rasch bei der Gruppe ZFX auf, die ihre Bar auf einem Wagen gleich selber mitgebracht hat – wie das in Willisau auch noch einige andere Gruppen pflegen. «Z Fasnacht Xi, bedeutet die Abkürzung», erklärt Pius, der lässig an der Bar steht und seinem Gesprächspartner sogleich, aber ohne Erfolg einen Kafi offeriert. Die 18-köpfige Truppe ZFX setzt sich aus ehemaligen Schlössliruuggern zusammen.

Inzwischen fägt und tätscht es im Willisauer Städtli ganz gewaltig. Bei den drei Brunnen schränzen die Cityschränzer Gättnau und die einheimischen Ringligüüsser sowie die Schlössliruugger, die Wöschwyber, Moorsträggele und Enzilochmanne haben sich unter die Leute gemischt. Auch das Stadttier wird vom Wächter inzwischen nicht mehr ganz so kurz an der Leine geführt. Nach halb sieben in der Früh begeben sich die meisten Fasnächtler ins Rathaus zum gemeinsamen Morgenessen oder stärken sich sonst in einem warmen Lokal. Damit soll für den Rest des Tages genug Energie da sein.