WILLISAU: Willisauer Kirche verbindet alt und neu

Die Willisauer sind stolz auf ihre Kirche mit dem besterhaltenen romanischen Kirchturm im Kanton. Lange umstritten war aber der zweite, neue Turm.

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Evelyne Huber steht auf dem «Elefanten» (der dunkle Kirchturm auf dem nächsten Bild) der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Willisau. (Bild: Philipp Schmidli)

Evelyne Huber steht auf dem «Elefanten» (der dunkle Kirchturm auf dem nächsten Bild) der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Willisau. (Bild: Philipp Schmidli)

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Susanne Balli

Sie gilt in ihren Ausmassen als grösste Kirche auf der Luzerner Landschaft. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Willisau 56 Meter lang und 25,5 Meter breit – ist ein äusserst bemerkenswertes kirchliches Bauwerk. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe vor dem Schlossrain. Besonders augenfällig sind die beiden Kirchtürme, die beide ganz unterschiedliche Episoden in der Geschichte der Kirche erzählen.

Die Willisauerin Evelyne Huber kennt die Vergangenheit der Kirche genau. Die 55-Jährige ist Kirchenratspräsidentin der katholischen Kirche Willisau und bietet seit vielen Jahren Führungen durch die Kirche an. Dementsprechend gross ist auch ihr Wissen über die Kirche, die 1804 bis 1810 gebaut wurde. Einer der beiden Kirchtürme ist allerdings viel älter als das restliche Gebäude, er stammt aus dem 13. Jahrhundert. «Er ist der am besten erhaltene romanische Kirchturm des Kantons Luzern», sagt Evelyne Huber.

Tödlicher Blitzschlag

Anstelle der heutigen Pfarrkirche gab es mehrere kleinere Vorgängerkirchen. Die ältesten bei Grabungen freigelegten Fundamente gehören zu einer geräu­migen Saalkirche, die zur Zeit um die Willisauer Stadtgründung von 1302/03 gebaut wurde. Während der folgenden Jahrhunderte erlebte diese Kirche mehrere Aus- und Umbauten. Ein Drama ereignete sich 1647, als ein Blitzschlag die Frau und den Sohn des Sigristen beim Läuten der Wetterglocke erschlug. Durch den Blitzschlag brannte die obere Partie des romanischen Kirchturmes aus. Der damalige Glockenturm wurde erhöht und erhielt anstelle des bisherigen Spitzhelms eine sogenannte «Welsche Haube». Wegen dieser wurde der Turm im Volksmund lange Zeit auch Heidenturm genannt. Die pauschale Bezeichnung «Heiden» galt allen Nichtchristen, Andersfarbigen und allen Fremdartigen.

Bald schon bot die Kirche für die Willisauer nicht mehr genügend Platz. Die Kirchgenossen von Willisau beschlossen 1803, eine neue, geräumigere Kirche anstelle der alten zu bauen. Der Bau der heutigen Kirche wurde möglich durch viele Gönner und Spenden.

Pfarrer wollte neuen Turm abreissen

Von der Vorgängerkirche blieb der an der Westseite vorgelagerte romanische Kirchturm. Bis 1928 wies die Kirche zudem am östlichen Ende des Dachfirstes einen kleinen und schmalen, zweigeschossigen Dachreiter auf. «Heute steht an dessen Stelle unser Elefant, auch unsere Kupferwarze genannt», sagt Evelyne Huber. Gemeint ist der eigenwillige monumentale Glockenturm des Architekten Adolf Gaudi aus Rorschach. «Der Turm war zu Beginn für viele Willisauer ein regelrechter Schock», erzählt Evelyne Huber. «Der damalige Pfarrer Eisele war ein hefiger Gegner des neuen Turms, den er als Kupferwarze bezeichnete. Er sammelte sogar Geld, um ihn wieder abreissen zu lassen», schmunzelt Huber. Doch damit kam der Pfarrer nicht durch, denn der Kanton stellte den Glockenturm unter Heimatschutz. Aber wie kam Willisau überhaupt zu einem solchen Turm?

Architektonische Pionierleistung

Die Willisauer wollten ein stärkeres Geläut, denn der Glockenklang strahlte nur beschränkt in die Landschaft hinaus. Weil der romanische Kirchturm zu zierlich und zu schwach für ein grösseres Geläut war, musste ein neuer Turm her. Die Kirchgemeindeversammlung beschloss, die Turmfrage den Fachleuten zu überlassen. Mit dem Resultat waren dann aber zahlreiche Willisauer unglücklich. Nichtsdestotrotz: «Heute ist er ein Unikat und gilt als architekto­nische Pionierleistung im Eisenbetonbereich», sagt Evelyne Huber.

Das Geläut besteht aus sechs Glocken. Einzelne Glocken erklingen in Willisau noch traditionell zum Betläuten um 6, 12 und 19 Uhr. «Die Wetterglocke läutet, wenn es vom Napf her schwarz und gelb kommt. Die Glocke soll den Hagel zerreissen können», sagt Huber. Neben dem sechsteiligen Geläut hängt auch noch die Taufglocke im Turm. «Sie geht auf das Jahr 1400 zurück und wird noch heute regelmässig bei Taufen geläutet.»

Hinweis

Quelle: Alois Häfliger: Pfarrkirche St. Peter und Paul Willisau, Separatdruck aus «Heimatkunde des Wiggertals», 1997.

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Willisau. (Bild: Philipp Schmidli)

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Willisau. (Bild: Philipp Schmidli)