WINIKON: «Beim Jagen zählt der erste Schuss»

Daniela Ammeter Bucher ist der einzige «weibliche Jagdobmann» in den 123 Revieren des Kantons. Jagen ist für sie ein Privileg, weil es ihr Energie und Kraft gibt.

Roseline Troxler
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Der einzige «weibliche Jagdobmann» des Kantons Luzern: Daniela Ammeter Bucher (50) im Jagdrevier Winikon. (Bild: Boris Bürgisser)

Der einzige «weibliche Jagdobmann» des Kantons Luzern: Daniela Ammeter Bucher (50) im Jagdrevier Winikon. (Bild: Boris Bürgisser)

An einem Sommermorgen war Daniela Ammeter Bucher bereits um halb sechs Uhr auf der Jagd. Frisch aufgebaumt, beobachtete sie auf dem Hochsitz, was sich im Wald abspielte, nahm die vielfältigen Gerüche und das Vogelgezwitscher wahr, welches mit der zunehmenden Intensität der Sonne immer lauter wurde. «Es war so friedlich, dass ich sogar die Wespen nagen hörte», erzählt die Jägerin. Als sie um halb neun schliesslich «abbaumte» (für Nicht-Jäger: vom Hochsitz abstieg), tauschte sie die Jagdkleidung durch einen Anzug und fuhr zur Arbeit. «Solche Jagderlebnisse bleiben mir besonders in Erinnerung», sagt die Fünfzigjährige. In der Natur tanke sie viel Kraft. «Es ist ein Privileg, dass ich an dieser Energie anzapfen kann.» Daniela Ammeter Bucher mag sowohl die Einzeljagd, die jeweils vom Mai bis in den Spätsommer andauert, aber auch die Gesellschaftsjagd ab Oktober.

Seit jungen Jahren geht sie auf Jagd

Nun neigt sich die Jagdsaison dem Ende zu. Der Waldboden und die Strasse, welche zur Hütte der Jagdgesellschaft Winikon führt, ist schneebedeckt. In der behaglichen Hütte lodert ein Feuer. «Am Bau des Gebäudes hat mein Vater mitgeholfen», erzählt Ammeter. Er war es, der sie schon als Kind zur Jagd mitnahm – in Luthern, wo sie aufwuchs, oder aber im Surental. «Als Treiberin habe ich den Brauch kennen und lieben gelernt», sagt die heute in Hochdorf wohnhafte Jägerin.

Daniela Ammeter Bucher fühlte sich bereits als Kind wohl unter vielen männlichen Jägern. «Frauen haben seit eh und je mitgejagt, befinden sich aber noch immer in der Minderheit.» Von den 2200 Jägern des Kantons Luzern sind 45 Frauen. Ammeter Bucher ist der einzige «weibliche Jagdobmann» des Kantons. Sie möchte nicht als Jagdobfrau bezeichnet werden. «Das klingt fremd und passt nicht zum Brauchtum des Jagens», erklärt sie.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Mit 32 Jahren hat Ammeter Bucher den anspruchsvollen und intensiven Jagdlehrgang absolviert. «Schwanger im siebten Monat ging ich an die Schiessprüfung», erzählt sie. Da habe der eine oder andere Jäger den Kopf geschüttelt.

Als Jagdobmann steht Daniela Ammeter Bucher dem Revier Winikon mit fast 1000 Hektaren Fläche vor – ein Viertel davon besteht aus Wald. Die Sicherheit ist oberstes Gebot für die Jägerin. «Jeder Jäger muss seine Waffe beherrschen – es gilt die Nulltoleranz», sagt die Mutter zweier Teenager. Auch auf jagdethische Grundsätze und die Kameradschaft achtet sie. «Jagdethisch handelt, wer das Tier richtig anspricht – beim Erlegen zählt der erste Schuss.» Für das Tier müsse das Erlegen schnell und schmerzlos sein. Die Luzerner Jä­-ger bejagen vorwiegend Rehe, Füchse, Dachse, Marder oder auch Flugwild und Gämsen.

«Natur reguliert sich nicht selber»

Daniela Ammeter Bucher findet es schade, dass viele Menschen unter dem Brauchtum des Jagens lediglich das Erlegen der Tiere verstehen. Zu den Aufgaben einer Jägerin gehöre auch das Hegen und Pflegen der Flora und Fauna, das Ausrücken bei Wildunfällen auf der Strasse oder Wildschutzmassnahmen. «Wir jagen nicht planlos, sondern nehmen zu Beginn der Jagdsaison den Bestand auf. Danach erstellen wir einen Abschussplan und machen gezielte Hegearbeiten.» Das Ziel sei es, dass Ende der Jagdsaison wieder gleich viele Tiere im Revier leben. Zur Notwendigkeit der Jagd sagt sie: «Durch die intensiv genutzte Land- und Forstwirtschaft reguliert sich die Natur nur teilweise selbst – die Tiere haben nicht genügend Platz.» Durch die Jagd würden sie auf ein nachhaltiges Mass beschränkt.

Laut Ammeter Bucher muss ein Jäger naturverbunden und wetterresistent sein. Zudem dürfe er keine Berührungsängste kennen. Die Jägerin schätzt, dass sie durch das Jagen die Natur besser kennen lernt. Es brauche gute Kenntnisse der Tiere und ihres Verhaltens. «Ich musste schon schmunzeln, als Bekannte mal behauptet haben, der Rehbock sei ein weiblicher Hirsch.»

Hinweis

Am Dienstag, 5. Februar, finden in der Stadthalle Sursee der Zentralschweizer Pelzfellmarkt (Fääli- Märt) und die Generalversammlung Revierjagd Luzern statt. Türöffnung: 7.30 Uhr.