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WINIKON: Sie jagen 10 Stunden über die Töfflipiste

Töfflibuben sind hart im Nehmen. Jene, die am Rennen auf dem Erlifeld starten, leiden brutal. Das sagt selbst ein professioneller Motorradrennfahrer.
Roger Rüegger
Martin Schmidlin (links) und Ueli Schüpfer brettern mit ihrem frisierten Töffli morgen in Winikon über das Erlifeld. Sie nehmen am 10-Stunden-Mofarennen teil. (Bild Pius Amrein)

Martin Schmidlin (links) und Ueli Schüpfer brettern mit ihrem frisierten Töffli morgen in Winikon über das Erlifeld. Sie nehmen am 10-Stunden-Mofarennen teil. (Bild Pius Amrein)

Wer morgen auf einem Töffli übers Erlifeld in Winikon fährt, braucht dickes Leder am Hosenboden. Denn das Mofarennen der Moto-Riders Triengen verlangt Mensch und Maschine alles ab. So zumindest wirbt der Töffclub für das «10-Stunden-Mofarennen». Spätestens wenn die Fahrer ihre ersten Runden absolvieren, wird den Zuschauern klar, dass nur ganz hartgesottene diese Tortur freiwillig auf sich nehmen.

Auf dem Rundkurs auf einer holprigen Wiese löst sich im Verlauf des Rennens mit Garantie an jedem Töffli das eine oder andere Teil. Wenn es nur eine Schraube ist, die den Auspuff oder ein Schutzblech festhält, geht es noch. Bestimmt bleiben aber auch Antriebsketten oder zerlegte Felgen auf der Strecke liegen, was von den Rennsportfans am Streckenrand mit Applaus und vermutlich auch mit schlauen Sprüchen begleitet wird. Weil in Zweier- oder Dreierteams angetreten wird, muss jeder Fahrer mindesten drei Stunden auf dem Sattel verbringen.

Zweigangtöffli «zwäg» gemacht

Das Racing Team Gasanschlag aus Rickenbach stellt sich der Aufgabe heuer zum zweiten Mal. «Wir haben in den letzten paar Tagen jeweils abends ein Zweigangtöffli mit einem Sachs-503-Motor zwäg gemacht. Wir haben uns für ein handgeschaltetes Töffli entschieden, weil wir früher auch mit Zweigang-Sachsmotoren gefahren sind», sagt Fahrer Nummer 1 Martin Schmidlin. Zusammen mit seinen Teamkollegen Ueli Schüpfer und Mario Amrein hat der Metallbauer den Motor frisiert und den Rahmen verstärkt. «Wir wollen etwas aus der Maschine herausholen. Ziel ist, beim Rennen durchzuhalten.» Den Sieg streben sie nicht an. Man habe aber das nötige Werkzeug dabei, damit allfällige Reparaturen erledigt werden können.

Rennen um Ruhm und Ehre

Am Samstag wird in Winikon zum sechsten Mal um Ruhm und Ehre gefahren. Um 9.30 Uhr gehen in den Kategorien U 18 und Ü 18 total 33 Teams à je drei Töfflipiloten an den Start. Die einen treten an, um zu siegen, andere geniessen einfach den Moment mit Leuten, die Spass und Freude am Geruch von Benzin und Öl haben.

Doch so spassig die Veranstaltung auch ist, das Reglement muss eingehalten werden. «Die Töfflis dürfen nicht mehr als 49,9 Kubikzentimeter Hubraum haben. Es ist erlaubt, die Motoren zu frisieren, aber es ist nicht gestattet, ganze Motoren-Rennsätze zu verwenden», sagt Mitorganisator Reto Steiger. Auch auf die Umwelt wird Sorge getragen. Ölablassschrauben und Öleinfüllstutzen von Motoren und Getrieben müssen mit Draht gesichert sein, damit keine Flüssigkeit auslaufen kann. Zudem darf die Lautstärke 90 Dezibel nicht überschreiten.

Fahrer müssen nüchtern sein

Auch auf der Strecke gilt es, sich an die Regeln zu halten. Die Fahrer müssen im Besitz eines Führerausweises sein. Und vor allem: Sie müssen in nüchternem Zustand sein. Die Rennleitung behält sich vor, die Maschinen sowie die Fahrer zu überprüfen. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, wird disqualifiziert. Eben wie im echten Rennsport.

Die Moto-Riders orientieren sich bei der Durchführung ohnehin an grossen Rennsportveranstaltungen. So werden am Freitagabend die Fahrer im Festzelt einzeln vorgestellt. Der Rennstart am Samstag erfolgt dann im Le-Mans-Stil, was bedeutet, dass sich die Startfahrer auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite ihrer Maschinen aufstellen müssen und nach dem Start-Zeichen zu ihren Maschinen rennen.

Spitzen-Rennfahrer waren dabei

Beim Rennen in Winikon haben schon Leute mitgemacht, die wissen, wie sich ein richtig hartes Rennen anfühlt. Der Moto-2-Motorradrennfahrer Dominique Aegerter etwa nahm an den ersten beiden Mofarennen 2007 und 2009 teil. Er bildete damals mit dem Top-Supermoto-Fahrer Kevin Reinhard aus Triengen ein Team. «Wir sind ziemlich weit nach vorne gefahren. Ich weiss noch, dass wir uns fest vorgenommen haben, durchzukommen. Gewonnen haben wir jedoch nicht, was aber sicher nicht am fahrerischen Können gelegen hat», erinnert sich der 25-jährige Profi-Rennfahrer. Material und Fahrer hätten brutal gelitten. An ihrem Töffli sei schon früh die Antriebskette zerrissen, und auch andere Teile seien zu Bruch gegangen.

Profi verfolgt das Geschehen

Am Samstag ist der Rennfahrer ebenfalls vor Ort. Aegerter verfolgt das Rennen und auch das Töfflitreffen, das zum 3. Mal durchgeführt wird, bestimmt eine Weile und steht seinen Fans für Autogrammwünsche zur Verfügung. Selber nimmt er jedoch nicht am Rennen teil. «Nein, diesmal nicht. Ich habe sowieso kein Töffli mehr. Ich besass unter anderen ein Puch Maxi, das war noch gäbig zum Frisieren. Aber leider habe ich alles verkauft.»

Roger Rüegger

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