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Luzerner Theologie-Dekan zu Vorwürfen: «Wir haben transparente Systeme an Universität und Fakultät»

Ein Theologieprofessor und eine Islamwissenschaftlerin kritisieren die Theologische Fakultät in Luzern mit scharfen Worten. Nun nimmt der Dekan Robert Vorholt Stellung zu den Vorwürfen.
Simon Mathis
Dekan Robert Vonholt kann keine Missstände innerhalb seiner Fakultät feststellen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 21. August 2018))

Dekan Robert Vonholt kann keine Missstände innerhalb seiner Fakultät feststellen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 21. August 2018))

Die Entlassung des Theologieprofessors Martin Mark durch den Luzerner Universitätsrat wirft hohe Wellen. Als Mark noch Dekan der Theologische Fakultät war, hat er offenbar finanzielle Intransparenz angeprangert. Scharfe Kritik kommt auch von der Islamwissenschaftlerin Rana Alsoufi, die per Ende Juli ihre Stelle als Assistenzprofessorin bei der Fakultät aufgab. (Wir berichteten) An der Uni Luzern haben wir Robert Vorholt getroffen, Dekan der Theologischen Fakultät und als solcher Nachfolger von Martin Mark.

Robert Vorholt, die ehemalige Mitarbeiterin Rana Alsoufi spart nicht mit Kritik an der Theologischen Fakultät in Luzern. Die Fakultät müsse «stark an sich arbeiten, um ihre tollen Studenten zu erhalten». Was sagen Sie dazu?

Robert Vorholt: Unsere Fakultät ist gut aufgestellt. Sie funktioniert und ist stark. Anders als die meisten anderen theologischen Fakultäten verzeichnen wir wachsende Studierendenzahlen. Und die fallen nicht einfach vom Himmel. Sie sind das Ergebnis einer engagierten Zusammenarbeit unserer Kollegen. Die Theologische Fakultät kann stolz darauf sein, was sie erreicht hat. Aber dieser Blick auf das Gute entlässt uns natürlich nicht aus der Selbstkritik und der Selbstkontrolle. Die Äusserungen von Rana Alsoufi nehmen wir zum Anlass, noch einmal zu fragen, wie wir besser werden können, wo sich die Dinge verändern können.

Frau Alsoufi glaubt zu wissen, was besser werden soll: Nämlich die Kommunikation und die Kritikfähigkeit in der Fakultät.

Ich kann natürlich nicht bewerten, wie Rana Alsoufi zu diesen Einschätzungen gelangt ist. Es entspricht jedenfalls nicht meiner Erfahrung. Ich erlebe hier an der Fakultät sehr gute Konfliktmechanismen. Gestritten wird häufig und leidenschaftlich. Aber wir trennen immer die Person von der Sache. Der Streit, das Ringen um Argumente, ist bei uns lebensnotwendig. Andernfalls wären wir keine wissenschaftliche Institution.

Frau Alsoufi moniert, Sie hätte zu wenig Unterstützung beim Aufbau des Zentrums für Komparative Theologie erhalten. Das sei der Grund, weshalb sie gekündigt hat.

Rana Alsoufi konnte in der Fakultät leider nicht Fuss fassen. Das hat damit zu tun, dass das Zentrum von mehreren Personen betreut wird. Zum Einen ist das Professor Wolfgang Müller, Leiter des Ökumenischen Instituts. Zum Anderen ist das Professorin Verena Lenzen, die das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung unter sich hat. Sie beide sind renommierte Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten im Feld des interreligiösen Dialoges tätig sind. Beide haben sich ein hohes Ansehen erworben - in der Schweiz und weit über die Landesgrenzen hinaus. Mit diesen Leader-Gestalten hat Rana Alsoufi also zusammen gearbeitet. Das hat nicht so funktioniert, wie ich es mir gewünscht hätte.

Laut Frau Alsoufi hat es nicht funktioniert, weil die beiden Leader-Gestalten nicht miteinander reden. Rektor Bruno Staffelbach musste sie angeblich zu Sitzungen «zwingen».

Herr Müller und Frau Lenzen reden sehr wohl miteinander. Ich habe die beiden in der Berufungskommission, wo es um die Nachfolge von Frau Alsoufi geht. Ich kann auch nicht bestätigen, dass man mit den beiden nicht reden kann.

Und Rektor Bruno Staffelbach?

Die Rolle, die Herr Staffelbach gespielt hat, war eine andere. Mit viel Engagement hat er den Aufbau des Zentrums unterstützt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Mit ihm zusammen ist es uns gelungen, einen Think-Tank zu installieren, bei dem sich Mitglieder aller Fakultäten einbringen können. Gemeinsam entwickeln sie Strategien im Hinblick auf den Ausbau des Zentrum. Da sind etwa auch Juristen und Religionswissenschaftler dabei. Das geht ganz wesentlich auf die Initiative Bruno Staffelbachs zurück.

Was ist eigentlich das Ziel dieses Zentrums für Komparative Theologie?

In einer Welt, in der manches aus den Fugen zu geraten scheint, wollen wir als Theologische Fakultät zum Frieden beitragen. Und das tun wir, indem wir das Gespräch und den Austausch der Weltreligionen fördern. Das Zentrum für Komparative Theologie will genau das: einen Beitrag leisten zur politischen Debatte der Gegenwart. Um es theologisch zu formulieren: Es geht um einen «Dienst der Versöhnung». Das ist eine Pionierarbeit. Wir können nicht auf Erfahrungen zurückgreifen und müssen Schritt für Schritt unseren Weg finden.

Hat das Zentrum nach dem Eklat mit Frau Alsoufi überhaupt eine Zukunft?

Natürlich. Ich habe alle Gründe, zuversichtlich zu sein. Aus dem Zentrum ist in den letzten Monaten eine Vielzahl von Initiativen hervorgegangen. Im Herbst nächsten Jahres wird es eine Ringvorlesung geben, um der Luzerner Öffentlichkeit unsere Arbeit zu zeigen. Wir entwickeln ausserdem ein Fortbildungsprojekt und viele weitere Ideen. Das ist insbesondere die Leistung des Think-Tanks. Darüber hinaus befinden wir uns in einer Kooperation mit Hansjörg Schmid in Fribourg, der das grosse Institut für die Verständigung für Christentum und Islam leitet. Vor Kurzem habe ich ihn besucht. Wir hatten ein gutes und langes Gespräch. Er hat seine Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert. Er wird auch in der Berufungskommission mitarbeiten. Mit einem so grossen Partner an der Seite kann ich nur zuversichtlich sein.

Frau Alsoufi hat sich öffentlich für ihren ehemaligen Kollegen Martin Mark eingesetzt. Obwohl sie es bestreitet: Hat ihre Kündigung mit der Entlassung Martin Marks zu tun?

Die Kündigung von Rana Alsoufi erfolgte im März. Die Auseinandersetzung mit Martin Mark wurde erst später virulent. Insofern muss man die beiden Angelegenheiten klar trennen. Andererseits: Rana Alsoufi kam hier an, als Martin Mark noch Dekan war. Herr Mark hat sie unterstützt, die beiden hielten eine gemeinsame Lehrveranstaltung. Es ist keine Frage, dass hier eine Sympathie und Verbundenheit besteht.

Hat die Absetzung Martin Marks etwas mit dem Forschungszentrum und Frau Alsoufi zu tun?

Das ist nett kombiniert, aber falsch. Ausserdem muss ich betonen: Martin Mark wurde nicht als Dekan «abgesetzt», wie er behauptet. Dass ich ihn als Dekan ersetzte, war schon länger geplant. Der frühere Wechsel erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen zwischen ihm, Rektor Bruno Staffelbach und mir.

Ihre Studenten wünschen sich eine Erklärung, weshalb Martin Mark entlassen wurde. Weshalb können Sie diesem Wunsch nicht entsprechen?

Es geht hier um eine hochsensible Personalangelegenheit. Für den Augenblick können wir keine Auskunft geben. Was ich aber sagen kann: Ich blicke mit Sympathie auf unsere Studierenden. Ich wünsche mir ja Studierende, die ein Gerechtigkeitsempfinden haben - und das entsprechende Format, für dieses einzutreten. Die Reaktion und das Urteil unserer Studierenden überrascht mich nicht, da sie nicht über alle Fakten verfügen, verfügen können. Wir erleben zurzeit engagierte Studierende. Da kann ich nicht dagegen sein.

Martin Mark kritisiert, es gebe in der Theologischen Fakultät finanziell intransparente Vorgänge. Was ist davon zu halten?

In den vergangenen Tagen habe ich mir die Abläufe innerhalb der Fakultät detailliert angeschaut. Mit Fug und Recht kann ich sagen, dass diese gut funktionieren. Was den Vorwurf der finanziellen Intransparenz betrifft, da kann ich mich nur Regierungsrat Reto Wyss anschliessen: Wir haben transparente Systeme an Universität und Fakultät. Ich selbst habe mich über die Kontrollwege und -instanzen informieren lassen. Intransparenzen oder andere Missstände kann ich nicht erkennen.

Wie fühlen Sie sich nach der Kündigung Alsoufis und der Entlassung Marks?

Ich freue mich natürlich nicht darüber, was sich zugetragen hat. Wenn's knallt, sind wir auch in der Theologischen Fakultät noch nicht im Himmel angekommen. Allerdings: Jedes reinigende Gewitter hat seine positiven Seiten. Wir erleben einen grossen Zusammenhalt im Professorium und in der Fakultät. Wir sind auch bereit, uns offen und ehrlich der Kritik zu stellen. Ich freue mich darauf, unsere Studenten nach der Sommerpause wieder zu sehen. Wie üblich werden wir dann mit Schwung und Elan ins nächste Semester starten.

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