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«Wir joggen jeden Morgen am See»

Zum 80. Geburtstag von Federica de Cesco
Arno Renggli
Federica de Cesco gestern Nachmittag am Luzerner Quai, fotografiert von Ehemann Kazuyuki Kitamura.

Federica de Cesco gestern Nachmittag am Luzerner Quai, fotografiert von Ehemann Kazuyuki Kitamura.

80-jährig? Klar, rechnerisch kann man sich das schon vorstellen. Schliesslich ist Federica de Cesco auch für die Älteren zeitlebens schon ein Begriff. Bereits 1953 wurde sie mit dem Roman «Der rote Seidenschal» berühmt; damals war sie 15. Seither hat sie rund 50 Jugendbücher und zuletzt auch vermehrt Romane für Erwachsene geschrieben.

80-jährig? Wenn man sie erlebt, ist es schwer zu glauben. Diese Vitalität, Eloquenz, das polyglotte Interesse – entstanden wohl in ihrer Kindheit, die sie in Italien, Äthiopien, Frankreich, Deutschland und Belgien verbrachte: Das alles ist immer noch da. Und immer noch wirkt sie ein bisschen wie jener selbstbewusste Teenager, der damals die Welt eroberte.

Gerade wegen ihrer Internationalität, die auch ihre Bücher prägt, ist es umso bemerkenswerter, dass Federica de Cesco schon vor langer Zeit die Schweiz zum Lebensmittelpunkt erkoren hat. Seit vielen Jahren wohnt sie mit ihrem Mann, dem japanischen Fotografen Kazuyuki Kitamura, in Luzern. «Hier bleiben wir auch», verrät sie uns. Und gerät ins Schwärmen ob der Stadt und der Menschen. «Mein Mann und ich gehen jeden Morgen am See joggen. Mittlerweile kennen wir fast alle Hundehalterinnen und Hundehalter, die jeweils unterwegs sind. Mitsamt der Namen ihrer Hunde.»

Da gebe es etwa einen Continental Bulldog. «Sobald der uns erblickt, wird er von der Halterin von der Leine gelassen und rennt mit Volltempo auf meinen Mann zu. Worauf sich die beiden eng umschlungen auf dem Boden wälzen.» Sie lobt auch den Zusammenhalt, gerade unter älteren Menschen. «Wenn zum Beispiel jemand nicht auf seinem gewohnten Spaziergang auftaucht, erkundigt man sich danach telefonisch, ob alles in Ordnung ist.»
Als Buchautorin verfolgt sie gesellschaftlich relevante Themen weiterhin mit ­grossem Interesse. Sie erinnert sich an die 68er-Bewegung, die nun – 50 Jahre danach – im öffentlichen ­Bewusstsein wieder stärker präsent ist. «Es war eine Zeit voller Poesie, Kreativität, Ideale und auch Illusionen. Das Konzept ‹Make love, not war› hat auch mich begeistert. Ich habe mit viel Fröhlichkeit mitgemacht, dies allerdings auch mit einer gewissen Bodenständigkeit. Mit Kiffen oder Trinken hatte ich sowieso nichts am Hut.»

Auch zur «MeToo»-Debatte hat sie eine klare Meinung: «Es ist schlimm, dass diese Form von Gewalt so lange unter dem Deckel geblieben ist.» Sie selber habe auf körperliche Belästigung immer umgehend reagiert: «Mit Ohrfeigen oder Tritten ans Schienbein, da kenne ich kein Pardon», sagt sie. Man glaubt es ihr sofort. Zuletzt sei ihr das passiert, als sie bereits 70-jährig war.

Um ihren heutigen Geburtstag will sie selber kein grosses Aufheben machen. Da ist ihr eigentlich nur eines wichtig: «Mein Mann und ich haben vor vielen Jahren entschieden, dass wir an jedem Geburtstag von einem von uns zusammen essen gehen. Und miteinander reden. Über Vergangenes und Zukünftiges.» Das tun sie auch heute. Und das ist vielleicht einer der vielen Gründe, warum die beiden seit 45 Jahren glücklich verheiratet sind.

Zur Zukunft gehört auch Federica de Cescos neuer Roman, «Der englische Liebhaber». Er handelt von einer jungen Deutschen, die in der Nachkriegszeit als Dolmetscherin für die britischen Besatzer arbeitet und sich in einen Offizier verliebt. «Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, zu denen ich viele Dokumente habe», verrät Federica de Cesco. Das Buch soll im Juli erscheinen. Für drei weitere Romane hat sie bereits Verträge unterschrieben und auch schon klare inhaltliche Vorstellungen. Wir dürfen also damit rechnen, sie und ihren Mann noch lange joggend am See anzutreffen.

Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

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