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Interview

«Wir Journalisten bewegen uns oft im Gegenwind»

Christian Glaus (34) ist Ausbildungsverantwortlicher und Leiter des regionalen Printdesk. Der gelernte Informatiker träumte von einer Karriere beim Radio. Nach sechs Jahren am Mikrofon wechselte er zur Zeitung. Nun setzt der Horwer zu Höhenflügen an.
Interview: Roger Rüegger
Christian Glaus arbeitet seit 2012 bei den LZ Medien. (Bild: Corinne Glanzmann, 1. Juni 2018)

Christian Glaus arbeitet seit 2012 bei den LZ Medien. (Bild: Corinne Glanzmann, 1. Juni 2018)

Christian Glaus, du schreibst öfters Geschichten über Sicherheit im Internet und Datenschutz allgemein. Interessieren dich diese Themen als gelernten Informatiker, weil du technisch den Durchblick hast?

Die illegalen Drohnenaufnahmen der Gemeinde Horw oder auch die Geschichte mit den Filtern, die Schulen installieren, um Kinder im Internet vor Pornos und Gewalt zu schützen, sind wichtige Themen. Das hat nichts mit meiner Ausbildung zu tun, sondern es geht darum, dass heute Daten überall und immer gesammelt werden.

Das ist jetzt keine neue Erkenntnis.

Nein, aber man kann nicht hinnehmen, dass es selbstverständlich ist. Die rechtliche Situation muss hinterfragt werden. So wie in Horw. Natürlich hilft mir meine Ausbildung, die technischen Hintergründe zu verstehen.

Dann bist du in den sozialen Medien vermutlich nicht sehr aktiv wie viele Informatiker?

Ich habe ein Facebook-Konto. Meine Daten habe ich jedoch gegen aussen gesperrt. Ich glaube aber, dass die grosse Mehrheit der Benutzer zu sorglos mit ihren Daten umgeht, weil sie nicht weiss, was alles gesammelt wird.

Du schneidest es an. Die Themen sind zum Teil recht komplex. Gibt es Rückmeldungen auf diese Artikel?

Ja, es gibt durchaus Leute, die nachfragen, weil sie solche Dinge beschäftigen, oder aber ich werde auf Ereignisse aufmerksam gemacht. So hat sich auch die Drohnengeschichte ergeben. Aktuell recherchiere ich in einer Sache, die mir zugetragen wurde.

So macht Journalismus Freude. Worum geht es dabei?

Zu viel verrate ich nicht, sonst sind die Behörden vorgewarnt.

Das Datenschutz-Thema interessiert dich scheinbar noch stark. Dennoch warst du kaum im IT-Bereich tätig. Weshalb der Wechsel in den Journalismus?

Primär war es für mich wichtig, eine Lehre abzuschliessen. Aber nicht irgendeine. Als Informatiker profitiere ich privat wie auch im Beruf. Und Journalist war immer ein Traumberuf. Lokführer, Radiomoderator und Pilot waren meine Favoriten.

Damit lenkst du das Gespräch auf deinen Einstieg in den Journalismus. Ein Kollege sagte kürzlich: «Christian Glaus ist ein alter Radiogeist.» Trifft’s das?

Wie gesagt träumte ich immer vom Radio. Weil es eine Lehre als Moderator nicht gibt, wurde ich Informatiker. Als ich die Lehre im Sack hatte, bewarb ich mich bei Radio Zürisee blind für ein dreimonatiges Praktikum.

Mit Erfolg nehme ich an?

Ja, ich habe mich voll ins Zeug gelegt und eine Stimmprobe mit den Signeten von Radio Zürisee in einer Aufnahme kombiniert. Das tönte ungefähr so, als sei ich ein Moderator des Senders. Dem Chefredaktor Tony Immer gefiel es. Er rief mich am nächsten Tag an und meinte, es sei «eine geile Bewerbung». Das war mein Einstieg ins Radio. Es folgten weitere Engagements bei den drei Zentralschweizer Privatradios. Bei Radio Central durfte ich mich auch als Morgenmoderator versuchen.

Und?

Meine Stimme ist zwar radiotauglich, aber nicht als Moderator. Dazu bin zu wenig Showman.

Wurdest du deshalb ein Wandervogel?

Das hat sich so ergeben. Als ich bei Radio Pilatus nur ein 80-Prozent-Pensum belegen konnte, habe ich die Freizeit so sehr genossen, dass ich in die weite Welt aufbrechen musste. Ich besuchte Australien, Neuseeland und Thailand. Auf der Reise lernte ich meine Frau kennen.

Du warst insgesamt über sechs Jahre Radiojournalist. Wie sehr unterscheidet sich der Job der Redaktoren bei Radio und Zeitung?

Der ist ähnlich. Wir Journalisten berichten ja über dieselben Ereignisse und treffen uns bei Pressekonferenzen. Beim Radio geht man bei den Geschichten weniger in die Tiefe, dafür ist man mit den News schneller bei den Hörern. Die Geschwindigkeit hat mich beim Radio fasziniert.

Mit dem neuen Webauftritt unserer Zeitung sind wir auch schnell bei den Lesern.

Sicher. Die Texte müssen aber immer noch zuerst geschrieben werden. Dafür kratzen wir nicht nur an der Oberfläche, sondern können detailliert berichten, was ein Vorteil der Zeitung ist. Wenn ich heute einen Artikel schreibe, ist es mir lieber, das Thema vertiefter anzugehen.

Mit dem Liveticker sind wir sehr schnell.

Hör mir auf mit dem Liveticker. Das hat mit Service nichts zu tun. Man muss sich durchscrollen und hat null Übersicht.

Hat sich die Sache mit dem Radio ausgeträumt?

Die Privatradios mit ihren vorgegebenen fixen Formaten reizen mich nicht mehr. Man müsste den Mut haben, auch längere Wortsendungen zu produzieren oder Hintergründe wie das «Echo der Zeit».

Hektik scheint dir fremd. Du wirkst immer gelassen und ruhig. Selbst als die redaktionellen Abläufe umgestellt wurden, wurdest du nie nervös. Nun hast du vor wenigen Tagen die Gleitschirmprüfung bestanden. Gehst du jetzt in die Luft und schreist da oben, wenn du Dampf ablassen musst?

Wenn einer im Schirm schreit, ist etwas nicht gut. Aber du hast recht: Es gibt keine bessere Art, den Kopf auszulüften, als am Gleitschirm zu hängen. Man muss dabei sehr konzentriert sein und immer wissen, woher der Wind weht.

Also wieder wie im Journalismus?

Eher nicht. Wir bewegen uns ja oft im Gegenwind.

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