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Neue Honauer Gemeindepräsidentin: «Wir können nicht alles alleine stemmen»

Beatrice Barnikol hat am 2. Juli ihren ersten Arbeitstag als Präsidentin der kleinsten Luzerner Gemeinde. Obwohl sie erst vor kurzem in die CVP eingetreten ist, liegt ihr die Politik schon lange am Herzen. In ihrer Jugend marschierte sie auch an einer Demo mit.
Gabriela Jordan
Beatrice Barnikol ist die neue Gemeindepraesidentin von Honau. (Bild: Jakob Ineichen 26.06.2018)).

Beatrice Barnikol ist die neue Gemeindepraesidentin von Honau. (Bild: Jakob Ineichen 26.06.2018)).

Die Anspannung ist Beatrice Barnikol (41) nicht anzusehen. Während der Fotosession vor der Honauer Dorfkapelle lacht sie ungezwungen in die Kamera, macht ab und zu einen Spruch und winkt vorbeispazierenden Bekannten zu. «Innerlich bin ich aber nicht ganz entspannt, wenn ich im Mittelpunkt stehe», gesteht sie später beim Gespräch. «Das sichere Auftreten musste ich mir erst antrainieren. Durch meine Arbeit als Religionslehrerin habe ich zum Glück genug Übung.»

Dass sie nun, als Honauer Gemeindepräsidentin, öfter im Mittelpunkt stehen wird, mache ihr nichts aus. «Ich wollte unbedingt Gemeindepräsidentin werden und freue mich enorm, dass ich gewählt wurde.» Barnikol setzte sich gegen ihren Kontrahenten Martin Tiziani durch (ebenfalls CVP) und tritt in die Fussstapfen von Amadé Koller (FDP).

Ab dem 2. Juli ist die zweifache Mutter und gebürtige Krienserin offiziell im Amt. In den Gemeindethemen scheint sie aber schon jetzt mittendrin zu sein. Danach gefragt, welche Herausforderungen auf die kleinste Luzerner Gemeinde (384 Einwohner) zukommen werden, antwortet die nur 153Zentimeter grosse Frau wie aus der Pistole geschossen: Sehr wichtig sei der Aufgaben- und Finanzplan des Kantons, der sich zurzeit in der Vernehmlassung befinde. «Der Kanton wird versuchen, einiges auf die Gemeinden abzuwälzen. Für eine so kleine Gemeinde wie Honau ist es essenziell, dass der Aufwand nicht noch höher ausfällt. Zum Beispiel stehen wir vor grossen Investitionen in die Infrastruktur der Wasserversorgung.»

Bündnispartner und Hochwasserschutz

Um Honau eine Stimme gegenüber dem Kanton zu verleihen, seien Bündnispartner sehr wichtig. «Diese bestehen zum Glück bereits», sagt Barnikol und verweist auf den Verband Luzerner Gemeinden oder den regionalen Entwicklungsträger Luzern Plus. Mit diesen und anderen politischen Akteuren sei sie durch ihre Arbeit bei der Schulpflege schon heute in Kontakt. Seit letztem Herbst ist sie Präsidentin des Verbands der Schulpflegen und Bildungskommissionen Kanton Luzern. «Dadurch habe ich ein gutes Netzwerk und Erfahrung mit politischen Prozessen – bislang natürlich im Bildungsbereich.» Daneben leitet Barnikol die Schulbibliothek in Root.

Als weiteres Thema nennt Barnikol das Hochwasserschutzprojekt entlang der Reuss. Von der geplanten Flussverbreiterung wären zwei Honauer Bauernfamilien «existenziell betroffen». «Es sind unsere Einwohner und wir wollen für sie gute Konditionen aushandeln.» Noch mehr Sorgen macht der neuen Gemeindepräsidentin der Blick in die fernere Zukunft. Sehr viele Honauer würden dann ins hohe Alter kommen, was die Gesundheitskosten beträchtlich steigern dürfte.

«Man erhält den Eindruck, dass wir nur am Feuerlöschen sind.»

«Wie lösen wir diese finanziellen Probleme? Und wohin wollen wir überhaupt in Honau? Mit solchen Fragen müssen wir uns befassen.» Damit spricht Barnikol gleich selber eine mögliche Fusion an: «Es ist eine Illusion, dass wir alles alleine stemmen können. Das ist schon heute nicht der Fall. Meine Kinder gehen zum Beispiel in Gisikon zur Schule.» Die dennoch vielen Aufgaben der Gemeinde Honau werden von nur drei Gemeinderäten bewältigt, mit einem offiziellen Pensum von je 18 Prozent. «Sieht man sich die Traktandenliste an, erhält man den Eindruck, dass wir nur am Feuerlöschen sind. Das reicht auf die Dauer nicht.»

Wie sich im Gespräch zeigt, sind Barnikol politische Themen alles andere als fremd. «Für Politik habe ich mich schon in meiner Jugend interessiert. Ich diskutiere gerne und habe mal an einer Demonstration für bessere Frauenlöhne mitmarschiert», meint sie lachend. In eine Partei einzutreten, sei bis vor kurzem trotzdem nie ein Thema gewesen. «Beim Schulpflegeverband habe ich aber gemerkt, dass es für andere einfacher ist, wenn man einer Partei zugeordnet werden kann. So fiel meine Wahl auf die CVP – auch weil dort abweichende Meinungen toleriert werden und man nicht stramm auf Parteilinie stimmen muss.»

Schwanger durch ferne Länder gereist

Offen für andere Meinungen und tolerant gegenüber anderen Menschen zu sein, sei ihr im Allgemeinen sehr wichtig. Prägend sei für sie in diesem Zusammenhang die Weltreise gewesen, die sie einst mit ihrem Mann Markus unternommen hat. Fast hätten die beiden die Reise jedoch noch abgesagt – weil Beatrice Barnikol kurz davor schwanger wurde. «Wir waren dann schon etwas nervös. Vor allem, weil ich unser erstes Kind im sechsten Monat verloren habe. Zum Glück lief alles gut. Tim (10) kam in Australien auf die Welt – wo wir dann halt eine Weile geblieben sind.»

Zurück in Honau sei sie als junge Mutter zuerst etwas vereinsamt, einfach sei die Umstellung nicht gewesen. Jetzt sei sie aber eine richtige Honauerin geworden und fühle sich im Dorf sehr wohl. «Ich hoffe deshalb, dass wir als kleine Gemeinde so lange wie möglich überleben werden.»

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