Wirbel um China-Granit bei Allmend-Haltestelle

Wurde bei der neuen Zentralbahn Haltestelle auf der Allmend Chinesischer Granit ohne das international anerkannte Fair-Stone-Label verbaut? Eine entsprechende Untersuchung läuft.

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Am 6. Februar war die unterirdische Haltestelle der Zentralbahn bei der Allmend noch in Bau, im Dezember soll sie in Betrieb genommen werden. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Am 6. Februar war die unterirdische Haltestelle der Zentralbahn bei der Allmend noch in Bau, im Dezember soll sie in Betrieb genommen werden. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern hat eine Untersuchung eingeleitet. Dies wegen der Bauarbeiten auf der Luzerner Allmend zur Tieflegung der Zentralbahn. Konkret geht es um die aus Granit bestehenden Niedergänge zur unterirdischen Haltestelle Allmend/Messe, die am 9. Dezember in Betrieb genommen wird. «Es sind offenbar Granitplatten chinesischer Herkunft ohne Fair-Stone-Label verlegt worden», schreibt Hans Ruedi Ramseier auf Anfrage in einer Stellungnahme. Das hätten Nachforschungen ergeben, so der Projektleiter Bau bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (Vif) des Kantons Luzern. Der Kanton hat die Federführung beim Projekt inne.

«Nahe am Skandal»

Der Hintergrund: Das Fair-Stone-Zertifikat würde sicherstellen, das der importierte Granit in Abbau und Verarbeitung international anerkannten sozialen und ökologischen Standards entspricht. Christian Engeli, Mediensprecher des Hilfswerks Solidar Suisse, sagt: «Wenn man einen Stein nimmt, von dem man nicht weiss, woher er kommt und unter welchen Arbeitsbedingungen er abgebaut worden ist, ist das Risiko von Ausbeutung sehr gross.» Stossend und «nahe am Skandal» sei, dass es hier um öffentliche und mit Steuergeldern finanzierte Bauten gehe: «Das kann nicht im Sinne der Luzerner Bürger sein, die diese Treppen mit gutem Gewissen nutzen wollen.»

Ostdeutsches Unternehmen?

Wie Hans Ruedi Ramseier vom Vif weiter schreibt, hat die im bernischen Moosseedorf beheimatete Marti Technik AG die Plattenlegerarbeiten inklusive Materialbeschaffung einem Subunternehmen übertragen. Dies im Auftrag der Arge City Rail, dem Totalunternehmer Ausrüstung. Weder Ramseier noch Gesamtprojektleiter Rolf Bättig waren am Dienstag für weitere Nachfragen erreichbar. Bei der Marti Technik AG wiederum verwies man auf das Vif. Damit bleibt vorerst unklar, wer das besagte Subunternehmen ist. Unbestätigten Insider-Informationen zufolge soll es sich um eine ostdeutsche Firma handeln.

Am Dienstag konnte nicht abschliessend geklärt werden, welche gesetzlichen Bestimmungen im Kanton Luzern bezüglich ethischer Aspekte bei der Beschaffung gelten. Dazu kommt, dass es sich bei der Zentralbahn-Tieflegung um ein Gemeinschaftsprojekt handelt: Etwa die Hälfte der Kosten von total 250 Millionen Franken berappt der Bund, einen guten Viertel der Kanton Luzern, den Rest die Stadt Luzern sowie Nid- und Obwalden.

Dave Schläpfer