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WIRTSCHAFT: «500 neue Stellen pro Jahr»

Die SBB und die Firma Mobility bauen in der Stadt Luzern 300 Stellen ab. Doch es gebe auch gute Nachrichten für den Wirtschaftsstandort Luzern, sagt Stadtpräsident Stefan Roth.
Interview Robert Knobel
Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Stadtpräsident Stefan Roth. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Stadtpräsident Stefan Roth. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Interview Robert Knobel

Die Stadt Luzern als Wirtschaftsstandort musste in jüngster Zeit gleich zwei grössere Rückschläge verkraften. Das Luzerner Carsharing-Unternehmen Mobility zieht mit seinen 130 Mitarbeitern per 2018 nach Rotkreuz. Und auch die SBB haben kürzlich angekündigt, in Luzern 170 Stellen zu streichen. Die Arbeitsplätze im Bereich SBB-Infrastruktur werden per April 2017 nach Olten verlagert. Das ist auch ein Rückschlag für die Bemühungen des obersten städtischen Wirtschaftsförderers, Stadtpräsident Stefan Roth (CVP, Bild). Dieser hatte stets betont, dass ihm die Bestandespflege ansässiger Firmen wichtiger sei als Neuansiedlungen.

Stefan Roth, waren Sie über die Abbaupläne von den SBB und Mobility vorgängig informiert, oder kam das überraschend?

Stefan Roth: Mit Mobility waren die kantonale Wirtschaftsförderung und die Stadt Luzern regelmässig in Kontakt. Wir waren über die Standortsuche informiert, offerierten eigene Areale und vermittelten Drittflächen. Unter anderem stand das Areal Industriestrasse zur Diskussion. Am Ende hat sich Mobility doch für Rotkreuz entschieden. Bei den SBB handelt es sich um eine betriebsinterne Zusammenführung bestimmter Aufgabenbereiche. Auch darüber wurde ich vorgängig persönlich informiert. Mit den Verantwortlichen der SBB-Konzernleitung trifft sich eine Delegation des Stadtrates regelmässig. Wir haben zahlreiche Themen wie Entwicklung Rösslimatte, Stadtplanung oder Durchgangsbahnhof.

Sie betonen immer, dass Ihnen die Bestandespflege der ansässigen Firmen speziell wichtig sei. Das ist in diesen Fällen nicht gelungen.

Roth: Jeder Abbau von Arbeitsplätzen ist ein Verlust für die Stadt. Deshalb ist die Bestandespflege ein zentraler Punkt in der Wirtschaftsförderung. Bestandespflege heisst ein offenes Ohr haben, Anliegen aufnehmen, Lösungen suchen. Mobility und SBB sind für uns «Schlüsselkunden». Hier sind sowohl die kantonale Wirtschaftsförderung wie auch die Stadt Luzern involviert.

Aber bei den SBB und Mobility war das wie gesagt nicht von Erfolg gekrönt. Woran ist es letztlich gescheitert, dass man diese «Schlüsselkunden» halten konnte?

Roth: Bei Mobility war der Grund unter anderem die rasche Verfügbarkeit der Immobilie. Es fehlte an Flächen in der Stadt Luzern, die umgehend für Miete und Kauf zur Verfügung stehen. Bei den SBB handelt es sich um eine betriebsinterne Zusammenführung. Im Gegenzug werden im Bahnhof Luzern dafür neue Arbeitsplätze geschaffen.

Bestandespflege hin oder her – um die beiden bedeutenden Wegzüge zu kompensieren, braucht es neu zuziehende Firmen. Tut sich da im Moment etwas?

Roth: Eine Analyse unserer Steuerverwaltung zeigte kürzlich, dass seit der Halbierung der Unternehmensgewinnsteuer im Jahr 2012 insgesamt 35 juristische Personen zugezogen sind, welche städtische Steuern im fünfstelligen Bereich entrichten. Das Steuersubstrat dieser Unternehmen beträgt zirka 1,2 Millionen Franken. Zudem hat ein Drittel der CEO ihren Wohnsitz in der Stadt Luzern. Statistisch werden in der Stadt Luzern jährlich mehr als 500 Arbeitsplätze geschaffen. Auch die ansässigen Firmen tragen wesentlich dazu bei.

Welche Lehren ziehen Sie aus diesen beiden Wegzügen?

Roth: Vor allem, dass wir trotz erfreulichen Zuzügen die Hände nicht in den Schoss legen dürfen. Dabei arbeiten wir eng mit der kantonalen Wirtschaftsförderung zusammen. Ich hätte es sehr begrüsst, wenn das städtische Parlament die finanziellen Mittel für die Stärkung der städtischen Wirtschaftsförderung gesprochen hätte.

Durch die Verlagerung bei den SBB werden grosse Büroflächen beim Bahnhof frei. Zusammen mit der benachbarten Rösslimatt ergeben sich Chancen für ein grösseres Unternehmen. Inwiefern kann die Stadt da nachhelfen?

Roth: Die Flächen liegen sehr zentral und sind optimal auch mit dem ÖV erreichbar. Wir sind in institutionalisierten Gesprächen mit den SBB. Unsere diesbezügliche Botschaft ist: «Luzern hat alles: Dienstleistungsflächen an zentraler Lage, sehr gute steuerliche Rahmenbedingungen und vor allem eine Bevölkerung, die offen ist und sie willkommen heisst.» Für mich ist wichtig, dass die Vorzüge des Standortes Luzern kommuniziert werden.

Willkommen zu sein, reicht ja allein noch nicht aus. Unternehmen brauchen vor allem Standorte, an denen sie sich niederlassen oder expandieren können. Was sagen Sie einer Firma, die mit einem solchen Anliegen an die Stadt gelangt?

Roth: Wir klären die konkreten Bedürfnisse und erarbeiten gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung eine Reihe von Vorschlägen mit stadteigenen und privaten Grundstücken.

Die Stadt besitzt viel Land im Littauerboden. Wieso geht dort die Entwicklung nicht schneller vorwärts?

Roth: Wir besitzen zwei Grundstücke, die wir vorerst für Unternehmen in der Innenstadt als Reserve halten. Unternehmen, die nicht genügend Expansionsmöglichkeiten am jetzigen Standort haben und darum für weiteres Wachstum an den Stadtrand ziehen. Es geht auch nicht darum, einfach das Grundstück zu verkaufen, sondern Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung zu schaffen oder zu erhalten. Freude habe ich aber auch an «Rückkehrern» wie etwa dem Lichtgestalter Baltensweiler mit 45 Arbeitsplätzen, der vor langer Zeit in der Stadt gestartet hat, ausserhalb der Stadtgrenzen weiter gewachsen ist und jetzt erfolgreich im Littauerboden einen neuen Hauptsitz bezogen hat.

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