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WIRTSCHAFT: Darum ziehen Firmen hierher

Was macht Luzern für Firmen attraktiv? Während Gemeinden die Steuern als massgebend einstufen, ist dieser Faktor für Unternehmen zweitrangig.
Christian Hodel
Der Kanton Luzern – hier der Blick über die Stadt Luzern in Richtung Pilatus und Umland – ist dort für Firmen attraktiv, wo er für den Verkehr gut erschlossen ist. (Bild: Keystone/Erich Müller)

Der Kanton Luzern – hier der Blick über die Stadt Luzern in Richtung Pilatus und Umland – ist dort für Firmen attraktiv, wo er für den Verkehr gut erschlossen ist. (Bild: Keystone/Erich Müller)

Christian Hodel

Immer weniger Firmen ziehen neu in die Schweiz. Auch im Kanton Luzern sind im vergangenen Jahr über die kantonale Wirtschaftsförderung mit 22 Unternehmen weniger Neuansiedlungen zu verzeichnen als etwa im Vorjahr (Ausgabe vom 2. Juni). Doch welche Standortfaktoren sind entscheidend, dass sich eine Firma in Luzern niederlässt? Diese Frage wollte die Wirtschaftsförderung Luzern beantwortet haben und liess dazu eine Studie erstellen.

Top: Gute Verkehrsanbindung

62 Prozent der Befragten geben an, dass die Verkehrsanbindung eines Standorts der entscheidendste Faktor für eine Firmenansiedlung ist – noch vor der Höhe der Steuern (51 Prozent) und vor qualifizierten Arbeitskräften (42 Prozent). Als weniger entscheidend stufen die Befragten politische Stabilität oder Kundennähe ein (siehe Tabelle).

Für die Untersuchung wurden 228 Führungskräfte bei mehrheitlich ansässigen Unternehmen, Luzerner Gemeinden, beim Kanton Luzern und bei Wirtschaftsexperten im Herbst 2014 telefonisch befragt. Dabei zeigen sich Unterschiede: Während Kantons- und Gemeindevertreter mit über 80 Prozent die Steuern als wichtigsten Faktor für einen attraktiven Standort ansehen, ist dieser für die Unternehmer zwar wichtig, aber nicht zentralster Punkt. «Die Behörden erachten tiefe Steuern als viel zentraler für die Standortwahl als die Unternehmen», so ein Fazit der Studie.

Wird Steuerstrategie überbewertet?

Wird die unternehmensfreundliche Steuerstrategie von der Politik also überbewertet? «Nein», sagt Patrik Wermelinger, zuständig für Marketing & Promotion bei der Wirtschaftsförderung Luzern. Viele der für Firmen relevanten Standortargumente seien schon vor 2012 gut gewesen, bevor Luzern die Unternehmenssteuern halbierte und seither die Steuerbelastung für Firmen in keinem anderen Kanton tiefer ist. «Doch erst mit der Reduktion des kantonalen Steuerfusses hat es der Kanton Luzern auf die begehrte ‹Shortlist› für internationale Unternehmen geschafft», sagt Wermelinger. Die internationalen Beratungsunternehmen würden Luzern heute ihren Kunden empfehlen. Dass die Unternehmer die Höhe des Steuerfusses dennoch weniger gewichten als die Gemeinden und der Kanton, ist laut Wermelinger unter anderem damit zu erklären, dass viele der befragten Unternehmen schon länger in Luzern ihren Sitz haben. Aber: «Für neue aus dem Ausland angesiedelte Firmen ist die Steuerstrategie matchentscheidend», so Wermelinger.

Für Firmen zählt Gesamtpaket

Peter Bucher, Beauftragter für Wirtschaftsfragen der Stadt Luzern, hat eine Vermutung, warum es Unterschiede gibt: «Bezüglich Steuern betrachten die Unternehmen die Gesamtsituation, die Gemeinden und der Kanton beurteilen jedoch nur ihre kommunale Steuerstrategie.» Denn: Anders als bei den juristischen Personen zahlen Unternehmen ihre Steuern zu einem Grossteil an den Bund – und nicht an die Kommune. Macht eine Firma etwa einen Nachsteuergewinn von 1 Million Franken, gehen 8,5 Prozent (85 000 Franken) an den Bund. Der Kanton, die Stadt und die Kirchen erhalten zusammen 5,55 Prozent (55 500 Franken) – 27 750 Franken für die Stadt und 24 000 Franken für den Kanton. «Aus Sicht der ausländischen Unternehmen sind also vor allem die gesamten Steuerkosten massgeblich und nicht nur jene des Kantons und der Gemeinde.» Faktoren wie die Verkehrsanbindung und genügend qualifizierte Arbeitskräfte an einem Standort rekrutieren zu können, sei für ein Gros der Unternehmen darum wohl zentraler als einzig tiefe Steuerfüsse im Kanton, so Bucher. Noch schlechter sei allerdings ein Auf und Ab der Tarife.

Grund für Umzug: Das Grundstück

«Entscheidend für unsere Standortwahl war, ein genug grosses zusammenhängendes Grundstück zu finden», sagt Martin Elbel, Leiter Corporate Communications von Medela, einem Hersteller von Stillprodukten, etwa Milchpumpen und medizinischer Vakuumtechnologie. Heute produziert Medela in Baar und Steinhausen. In einigen Jahren will man Produktion, Lager und Spedition im Elsihof in Perlen auf einem 48 000 Quadratmeter grossen Gelände unterbringen. Weltweit beschäftigt Medela rund 1500 Mitarbeiter, davon 350 in der Schweiz. «Wir sind ein stark wachsendes Unternehmen. Um effizient arbeiten zu können, brauchen wir einen zentralen Standort.» Dass der Entscheid auf den Kanton Luzern fiel, sei kein Zufall. «Wir wollen unsere langjährigen Mitarbeiter halten. Darum suchten wir in der Nähe des jetzigen Standorts ein geeignetes Grundstück.» Daneben sind laut Elbel für sein Unternehmen die Verkehrsanbindung und ein «gutes Auskommen mit den Behörden» die entscheidendsten Faktoren für die Standortwahl. Und die Steuern? «Für uns als weltweit tätiges Unternehmen war die Steuerfrage kein entscheidender Faktor.»

Sursee setzt aufs Wohnen

Dass für Firmen die Höhe der Steuern nicht der zentralste Faktor für eine Ansiedlung ist, überrascht den Surseer Stadtpräsidenten Beat Leu nicht sonderlich. «Bei uns spüren wir, dass vor allem die gute Verkehrsanbindung neue Unternehmen anlockt.» Diese Attraktivität bringt aber auch Schattenseiten mit sich, etwa in der Form von Mehrverkehr. Derzeit werbe man nicht aktiv um neue Firmen, erklärt Leu. «Vielmehr wollen wir in Sursee in kommender Zeit das Wohnen fördern.» Ziel sei es, dass die Arbeiter in Sursee auch wohnen. Sursee ist eine von wenigen Gemeinden im Kanton Luzern, deren Einwohnerzahl (rund 9500) deutlich kleiner ist als die Anzahl der angebotenen Arbeitsplätze (13 000).

Welche Erkenntnisse zieht die kantonale Wirtschaftsförderung insgesamt aus der Studie? «Die Ergebnisse bestätigen unsere Arbeit», sagt Wermelinger. «Sie zeigen, dass wir die wesentlichen Standortfaktoren auch künftig weiterpflegen müssen.» Will etwa heissen: Die Wirtschaftsförderung setze sich weiterhin dafür ein, dass Luzern verkehrstechnisch gut erschlossen sei. «Ebenso ist es wichtig, den Bildungsstandort Luzern zu fördern, damit genügend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.»

«Drei Faktoren sind entscheidend»

Eine eigene Studie zu den Top-Kriterien, warum sich Firmen neu ansiedeln, fehlt im Kanton Zug. Man stütze sich auf die jährlichen Studien von Credit Suisse und UBS zum Standortranking, sagt Beat Bachmann, Leiter Kontaktstelle Wirtschaft. «Wir hören von den Unternehmen immer wieder, dass das Zusammenspiel von drei Faktoren entscheidend sei.» Einerseits spiele die allgemeine Wirtschaftsfreundlichkeit eine zentrale Rolle. Darunter falle etwa ein unkomplizierter Umgang mit den Behörden. «Und natürlich müssen die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen.»

Ein Plus: Nähe zum Flughafen

Stehe ein Kanton längerfristig nicht auf finanziell gesunden Beinen, würden sich keine Firmen ansiedeln, so Bachmann weiter. «Als wichtiger Standortfaktor nennen uns die Unternehmer die Verfügbarkeit von Fachkräften.» In der Region Zug habe sich ein Pool von Spezialisten und Fachkräften gebildet. «Das lockt neue Firmen an.» Zudem sei die zentrale Lage des Kantons mit der Nähe zum Flughafen entscheidend.

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