Wirtschaft
Luzerner Gewerbeverband warnt: Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu – erste Massnahmen jedoch erfolgreich

Vom Lehrstellenparcours bis zu digitalen Innovationen: Ein ganzes Bündel an Massnahmen gegen den Fachkräftemangel hat der KMU- und Gewerbeverband Kanton Luzern vor einem halben Jahr präsentiert. Diese werden auch nötig sein, wie der Verband betont.

Alexander von Däniken Jetzt kommentieren
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Die Berufsbildungsmesse Zebi soll nächstes Jahr nicht nur physisch im November stattfinden, sondern auch digital das ganze Jahr hindurch.

Die Berufsbildungsmesse Zebi soll nächstes Jahr nicht nur physisch im November stattfinden, sondern auch digital das ganze Jahr hindurch.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 3. Februar 2021)

Die Mangelerscheinungen der Luzerner Wirtschaft werden immer offensichtlicher: In der Gastronomie, in der Informatik und in den Gesundheitsberufen fehlen Fachkräfte. Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern (KGL), sagt auf Anfrage:

«Wir stellen fest, dass sich der Fachkräftemangel weiter zuspitzt. Es fehlen in erster Linie Fachleute mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis und ein paar Jahren Erfahrung auf dem Beruf.»
Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern (KGL)

Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern (KGL)

Bild: PD

In gewissen Bereichen sei zunehmend fraglich, wie die künftige Nachfrage bedient werden soll. Neben den bereits genannten Berufen betreffe dies auch Gipser oder Sanitäre.

Die Situation ist zwar angespannt, aber nicht vollends neu. Schon vor knapp zwei Jahren wies der KGL auf den Fachkräftemangel hin. Vor einem halben Jahr hat der Verband ein ganzes Bündel an Massnahmen präsentiert. Das Bündel umfasst vier Handlungsfelder: Qualifikation von Fachkräften, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Halten und Integrieren von Angestellten über 55 sowie Innovationen in den Betrieben. Die Massnahmen werden aufgrund einer rollenden Planung über mehrere Jahre hinweg umgesetzt. Alle sechs Monate legt der KGL Massnahmen und Fortschritte der Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der Berufs- und Branchenverbände vor. Das erste Mal war dies Ende September der Fall.

Lehrstellenbörse für ganze Zentralschweiz, Kontakt mit ICT-Campus

Aktuell fokussiert der KGL primär auf folgende Massnahmen:

  • Lehrstellenparcours: Die Pilotphase ist laut KGL-Direktor Gaudenz Zemp abgeschlossen. Diesen Herbst werden vier reguläre Parcours mit der neu entwickelten Software durchgeführt. Diese werde bei der Planung und Organisation Zeit sparen «und sie bringt eine klare Steigerung der Qualität». Der Verband sei nun mit zusätzlichen Gemeinden im Gespräch und geht davon aus, dass im Kanton Luzern im Herbst 2022 zehn Gemeinden respektive Gemeindeverbünde das Konzept umsetzen.
  • Lehrstellenbörse: Diese Massnahme ist im Frühling 2021 überraschend dazugekommen. Zemp sagt: «Wir konnten die Börse aber erfolgreich durchführen, allerdings etwas spät im Jahr, weil die Software nicht früher entwickelt werden konnte.» Auch die anderen Zentralschweizer Kantone wollen die Börse durchführen, sie haben aber nicht die kritische Grösse. Deshalb hat der KGL entschieden, die Börse zu einer Zentralschweizer Lösung weiterzuentwickeln. Derzeit sei man an der Programmierung, voraussichtlich im März/April 2022 werde die erste Zentralschweizer Lehrstellenbörse stattfinden.
  • Weiterentwicklung Zentralschweizer Bildungsmesse (Zebi): Das Hauptziel ist es, die Zebi schrittweise ins digitale Zeitalter zu führen. Wegen Corona wurde die Messe letzten Frühling bereits durch eine digitale Version kompensiert. Der Bund übernahm grossmehrheitlich die Kosten für die Programmierung einer Webplattform. Zemp: «Bei der Entwicklung konnten wir stark vom Know-how der Messe Luzern in diesem Bereich profitieren.» Parallel würden die Branchenverbände und Unternehmen stark in Videos und andere Mittel investieren, um sich und ihre Berufsfelder internetgerecht darstellen zu können. «Wir werden nun die Plattform per Januar 2022 aufschalten. Damit gibt es die Zebi sozusagen 365 Tage im Jahr.» Das sei eine sinnvolle Ergänzung zur physischen Messe im November.
  • ICT-Scouts/Campus: Der ICT-Campus fördert Kenntnisse in der Informatik und Kommunikation bei Primarschülerinnen und -schülern und wird seit diesem Jahr auch in Luzern durchgeführt. Der Start verlief gemäss den Organisatoren erfolgreich. Dazu sagt KGL-Direktor Gaudenz Zemp: «Nun schauen wir, wie sich die Branchenverbände daran beteiligen können.» Die Digitalisierung finde in allen Branchen rasant statt und es gelte, die Möglichkeiten in ihrer ganzen Breite auszuschöpfen. «Wir hatten deshalb die Organisatoren an der Konferenz zu Gast. Ich bin zuversichtlich, dass sich hier Synergien ergeben.»
  • Kinderbetreuung: Mit der Firma Small Foot gibt es laut Zemp einen der schweizweit grossen Anbieter im Kanton Luzern. Der KGL prüfe nun mit der Geschäftsleitung, welche Modelle zum Einsatz kommen könnten, um die Kita-Plätze bezahlbarer zu machen. «Im Moment ist es so, dass eine Familie bei einem durchschnittlich bezahlten 40-Prozent-Pensum bei zwei Kita-Plätzen finanziell retour macht.» Parallel dazu gelte es, auf politischer Ebene zu klären, welche Kosten durch wen zu übernehmen sind. Hier sei der Verband im Gespräch mit den Parteien.
  • Durchlässigkeit von der 9. Klasse zum Lehrbetrieb: Die BM plus, also die Möglichkeit, mit Teilen der Berufsmatura schon vor Lehrbeginn anzufangen, ist auf Initiative des KGL bereits eingeführt worden. Laut Zemp konnten bereits zwei Klassen gefüllt werden. Was die Praktika für schulisch schwache Jugendliche betrifft, liege der Ball im Moment beim Kanton.
  • Innovation und Optimierung im Betrieb: Hier ist der KGL mit der Hochschule Luzern – Wirtschaft im Kontakt. Sie hat den Auftrag, ein Bachelorarbeit-Package zu präsentieren, welches KMU buchen können. Darin sei die Unterstützung durch einen Studenten im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit enthalten. Im Fokus stehen laut Zemp die internen Prozesse und die Optimierung der Arbeitsbedingungen. «Ziel ist es letztlich, ein möglichst attraktiver Arbeitgeber zu sein, welcher Fachkräfte anziehen und langfristig halten kann.» Gerechnet wird mit der Einführung der Packages im kommenden Jahr.
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