WIRTSCHAFT: Minarett-Nein: Springen arabische Kunden ab?

Nach dem Urnenergebnis vom Sonntag klingen bei Firmen mit Abnehmern aus muslimischen Ländern die Alarmglocken. Probleme werden erwartet – auch im Kanton Luzern.

Drucken
Teilen
Catia Dossantos bei der Arbeit in der Hochdorf-Produktion. (Archivbild Adrian Stähli/Neue LZ)

Catia Dossantos bei der Arbeit in der Hochdorf-Produktion. (Archivbild Adrian Stähli/Neue LZ)

Die Hochdorf-Tochter Nutricare exportiert Babynahrung in die arabische Welt – und ist beunruhigt über das klare Resultat der SVP-Initiative. «Wir hoffen, dass die Reaktionen nicht zu heftig ausfallen werden», sagt Michiel de Ruiter gegenüber der «Handelszeitung». Falls es zu Sanktionen oder gar Boykotten gegenüber Nutricare-Produkte kommen würde, käme das im ungünstigsten Moment, da man sich zurzeit in einer «besonders sensiblen» Aufbauphase befinde.

Gespräch mit Kunden suchen
Auch für den Backwarenhersteller Hug AG in Malters stellt der Nahe Osten einen bedeutenden Wachstumsmarkt daher. Wie auch Nutricare wirbt Hug mit Swissness – einem Label, das Franz Schmid, Co-Geschäftsführer der Föderation Schweizer Nahrungsmittel-Industrien (fial), zufolge nun eine «neue Dynamik» erhält. Zur Schadensbegrenzung empfiehlt Schmid gemäss der «Handelszeitung» den Unternehmen, Kontakt mit ihren muslimischen Importeuren aufzunehmen und das heikle Thema klärend anzusprechen.

«Massloser Ärger» in Malters
Klar ist auf jeden Fall die Meinung zum Thema von Werner Hug, VR-Delegierter der Hug AG: «Ich habe mich masslos geärgert über das Abstimmungsresultat.» Für ihn und seinen Bruder stünden nächstens neue Verhandlungen im arabischen Raum an – er sei gespannt, «ob das Minarett-Verbot für uns geschäftliche Konsequenzen haben wird», wie die Wirtschaftszeitung weiter schreibt.

Am Mittwoch ist von verschiedener Seite die Möglichkeit eines Wirtschaftsboykotts gegen die Schweiz ins Gespräch gebracht worden. So rief etwa der türkische Europaminister Egemen Bagis reiche Muslime dazu auf, ihr Geld von den Schweizer Banken abzuziehen und auf Banken in die Türkei zu überwiesen. Eine breite Bewegung zeichnete sich der Nachrichtenagentur AP zufolge vorerst aber nicht ab.

scd/ap