WIRTSCHAFT: Schülerschwund an Mittelschule

Immer weniger Jugendliche wollen die Wirtschaftsmittelschule absolvieren – nach Willisau zieht es gerade noch zehn Schüler. Ein Entscheid des Kantonsrats, am Standort Willisau festzuhalten, wackelt schon wieder.

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Die Wirtschaftsmittelschule (WMS) in Willisau büsst an Attraktivität ein. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Wirtschaftsmittelschule (WMS) in Willisau büsst an Attraktivität ein. (Bild Corinne Glanzmann)

Evelyne Fischer

Noch nie war das Interesse an der Wirtschaftsmittelschule (WMS) so gering: 76 Schüler haben die Aufnahmehürde gemeistert und starten im Herbst mit dem Unterricht. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2012/13 zählte die WMS noch 109 Eintritte. Erklären lässt sich der Rückgang zum einen mit der Demografie: Die Schülerzahlen auf der Sekundarstufe nehmen weiter ab. Hinzu kommt die breite Palette an Lehrstellen, die die Wirtschaftsmittelschule an Attraktivität einbüssen lässt.

Brisant: Von den insgesamt 76 Schülern haben nur gerade 10 den Standort Willisau gewählt. Von den insgesamt fünf Klassenzügen muss der eine in Willisau daher in Unterbestand geführt werden seit 2012 bereits zum zweiten Mal.

300 000 Franken für zehn Schüler

Aufgrund der tiefen Schülerzahlen wollte die Regierung den Standort Willisau bereits im letzten Herbst aufgeben. Der Kantonsrat sprach sich jedoch mit 66 zu 39 Stimmen gegen diese Sparmassnahme aus. «Der Regierungsrat hat damals zu Recht auf ein Problem aufmerksam gemacht», sagt Aldo Magno, Leiter Dienststelle Gymnasialbildung. Ein Klassenzug verursache Kosten von 250 000 bis 300 000 Franken. «Sechs der zehn künftigen Schüler in Willisau hätten sich problemlos nach Luzern verschieben lassen.» Umgekehrt wäre eine Umteilung jedoch nicht zumutbar gewesen. Die Schulwege der Betroffenen hätten sich um mehr als 20 Minuten verlängert.

«Umteilungen sind denkbar»

Dass der Willisauer WMS-Klassenzug erneut in Unterbestand geführt werden muss, überrascht den Bildungs- und Kulturdirektor nicht. Der Kantonsrat habe im letzten Herbst regionalpolitische Überlegungen stärker gewichtet als die Schülerzahlen, sagt Reto Wyss. «Angesichts der Entwicklung der Schülerzahlen muss sich die Dienststelle allerdings Gedanken machen, wie sie mit dem Entscheid des Kantonsrates umgeht.» Es gelte, eine vernünftige Lösung zu suchen. «Umteilungen von Luzern nach Willisau sind denkbar, das Wohl des Schülers muss jedoch stets im Zentrum stehen», so Wyss. Einen Schüler von Rain nach Willisau zu schicken, mache schlicht keinen Sinn.

Was ist zumutbar?

Für die Beibehaltung des einen Klassenzugs in Willisau kämpfte unter anderem Kantonsrat Ludwig Peyer (CVP, Willisau), Präsident der Schulkommission der Kanti Willisau: «Für mich ist es müssig, den Standort Willisau erneut in Frage zu stellen.» Der Kantonsrat habe im Herbst klar signalisiert: Die WMS solle dezentral angeboten werden. Willisau nun als «Kostentreiber» zu verunglimpfen, sei verfehlt. «Man hätte in Willisau ohne weiteres eine grössere Klasse bilden können», sagt Peyer. Offenbar werde es aber von den Verantwortlichen als unzumutbar erachtet, wenn ein WMS-Schüler von Rothenburg den Unterricht in Willisau besuchen soll. Demgegenüber spiele es dann aber scheinbar keine Rolle, wenn ein Schüler aus Altbüron nach Luzern, statt nach Willisau pendeln muss. «Für mich ist das unverständlich und eine klare Missachtung des politischen Willens.»

Mehr Fachmittelschüler

Kaum Anlass zu Diskussionen hingegen gibt die Fachmittelschule (FMS): 95 Schüler beginnen im Herbst mit der Ausbildung. «Der junge Lehrgang ist eine Erfolgsgeschichte», sagt Aldo Magno, Leiter Dienststelle Gymnasialbildung. Für den Standort Luzern gab es sogar mehr Interessenten als Ausbildungsplätze. «Elf Schüler mit der Fachrichtung Pädagogik mussten wir auf die Standorte Sursee und Seetal verschieben», so Magno. «Aufgrund der Schulwege sind die Umteilungen zumutbar.» Eine Entschädigung dafür gibts nicht. Solche Umteilungen seien zum Glück nicht sehr häufig, die letzte liege drei Jahre zurück. «Die freie Schulwahl wird folglich nur sehr selten eingeschränkt.» Die Betroffenen seien informiert, ihre Reaktionen noch ausstehend. Magno: «Ich erwarte allerdings keine grösseren Schwierigkeiten.»