WIRTSCHAFT: UBS-Kader: Luzerner Stiftungsgeld veruntreut

Zwei Angestellte der Grossbank UBS sind wegen Verdachts auf Missbrauch von Stiftungsgeldern vorübergehend in Untersuchungshaft gesessen. Es handelt sich um die Stiftung Avenira mit Sitz in der Stadt Luzern.

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Sitz der Stiftung Avenira an der Haldenstrasse in Luzern. (Bild Chris Iseli/ Neue LZ)

Sitz der Stiftung Avenira an der Haldenstrasse in Luzern. (Bild Chris Iseli/ Neue LZ)

Die beiden Männer wurden Anfang September verhaftet, wie Roland Brun, Untersuchungsrichter in der Abteilung Wirtschaftskriminalität des Kantons Luzern, am Freitag zu Vorabmeldungen der Zeitung «Sonntag» und der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens sagte. Sie werden verdächtigt, als Stiftungsräte der privaten Avenira Stiftung Gelder entgegen dem Stiftungszweck verwendet zu haben. Um wie viel Geld es sich handelt, konnte Brun nicht sagen. Er bestätigte aber, dass die beiden Männer nach einer beziehungsweise zwei Wochen wieder freigelassen wurden. Inzwischen wurden die beiden Bankangestellten entlassen.

UBS hat Anzeige erstattet
Der Fall kam ins Rollen, nachdem die UBS im Zusammenhang mit den von ihr betreuten Stiftungsgeldern Ungereimheiten festgestellt hatte. Wie UBS-Sprecherin Eveline Müller sagte, reichte die Bank bereits Ende 2007 Strafanzeige gegen Unbekannt ein. «Es wurden Transaktionen festgestellt, die nicht ohne weiteres nachvollziehbar und nicht mit dem Stiftungszweck vereinbar waren», sagte Müller. Die beiden Männer hätten die Mandate ohne Bewilligung der UBS ausgeübt. Die Angestellten, die beide am UBS-Hauptsitz tätig waren, wurden inzwischen entlassen, wie Müller bestätigte.

Recherchen von «10vor10» zeigen, dass über die Stiftung möglicherweise UBS-Kundengelder Richtung Lichtenstein verschoben wurden. Die UBS dementiert, dass Kundengelder betroffen sind.

Verhaftung am Paradeplatz
Laut Untersuchungsrichter Brun gehörte einer der Verhafteten in seiner Funktion als Direktor zum mittleren bis höheren Kader. Die Verhaftungen erfolgten in einem Fall bei der UBS am Zürcher Paradeplatz, im anderen Fall am Wohnort des Bankangestellten.

Der Stiftungsratspräsident wird derweil vermisst. Brun sagt aber gegenüber der Nachrichtensendung, es bestehe weder ein Haftbefehl noch müsste der Stiftungsratspräsident derzeit von ihnen einvernommen werden. «Ein Angehöriger hat Vermisstmeldung gestellt.»

Hans Widmer ist ausgetreten
Der Luzerner SP-Nationalrat Hans Widmer war von 2001 bis 2003 Stiftungsrat in der Avenira. Gegenüber «10vor10» sagte er: «Ich hatte ein mulmiges Gefühl und bin ausgetreten, weil mir kein Einblick in die finanziellen Transaktionen – insbesondere mit Liechtenstein – gewährt wurde.

Die Stiftung Avenira mit Sitz in der Hausermatte in der Stadt Luzern ist im sozialen Bereich im In- und Ausland tätig.

ap/scd