Wirtschaftlich vorne, ökologisch hinten – das sagen die neuesten Daten über den Kanton Luzern

Der Bund analysiert seit einigen Jahren die nachhaltige Entwicklung in Kantonen und Städten. Dabei präsentiert Luzern Nachholbedarf bei Umweltthemen.

Sasa Rasic
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Eine weidende Kuh in der Lammschlucht zwischen Schüpfheim und Flühli im Entlebuch im Kanton Luzern.

Eine weidende Kuh in der Lammschlucht zwischen Schüpfheim und Flühli im Entlebuch im Kanton Luzern.

(Bild: PD/Schweiz Tourismus/Renato Bagattini)

Diesen Sommer hat die Luzerner Regierung bekanntgegeben, dass sie zusätzliche 1,2 Millionen Franken in Massnahmen für die Biodiversität investieren will. Dies zusätzlich zu den 4,3 Millionen Franken, welche der Kanton jährlich bereits dafür aufwendet. «Trotz gesetzlichen Schutzes und zahlreicher Förderprogramme und -projekte nimmt die Biodiversität weiter ab», konstatierte der Regierungsrat damals. Nun bestärken neue Statistikdaten die Stossrichtung der Luzerner Regierung in dieser Sache. Anfang November hat das Bundesamt für Statistik (BFS) die aktuellen Ergebnisse des Indi­katorensystems «Cercle Indi­cateurs» veröffentlicht.

Es umfasst rund 30 Indikatoren aus den Dimensionen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Und vergibt dabei sogenannte Nutzwerte (Punkte) von 1 bis 10 (Bestbewertung), mit welchen die einzelnen Regionen ihren Fortschritt vergleichen können – je höher, desto besser steht der betroffene Kanton bei diesem Thema da. 19 Kantone machen bei der Auswertung mit. Während sich die wirtschaftlichen Kennzahlen erfreulich präsentieren, hinkt Luzern bei Umweltthemen hinter dem Durchschnitt hinterher.

Luzern ist Schlusslicht bei der Pflanzenvielfalt

So zeigt sich für den Kanton Luzern beim Bereich Biodiversität ein Nutzwert von 2, während der nationale Durchschnitt bei 5 liegt. Als Massstab wird die Pflanzenartenvielfalt verwendet. Mit 216 Gefässpflanzenarten (wie etwa Farne) pro Quadratkilometer ist Luzern unter den Schlusslichtern aller mitmachenden Kantone. Seit der erstmaligen Erhebung 2007 steht der Wert konstant zwischen 1 und 2, während der Schnitt von 4 auf 5 gestiegen ist. Vom Durchschnitt abweichend ist auch der Zielbereich Natur und Landschaft. Der Luzerner Nutzwert liegt bei 2, der nationale Schnitt bei 4. Als Grundlage für den Nutzwert gilt hier die Fläche wertvoller Naturräume, welche durch die Summe geschützter Flächen in Prozent der Kantonsfläche errechnet wird. Mit 5 Prozent ist Luzern hier im unteren Drittel der Tabelle zu finden.

Dafür steht es bei wirtschaftlichen Aspekten deutlich besser um den Kanton Luzern. Beim Öffentlichen Haushalt weist er einen Nutzwert von 9 aus, Durchschnitt ist 7. Luzern hat hier eine erfolgreiche Aufholjagd hinter sich: Im Erhebungsjahr 2007 lag der Nutzwert noch bei 4. Gemessen wird der Zielbereich anhand der Nettoverschuldung der Kantone. Luzern müsste 23 Prozent der jährlichen Fiskalerträge aufwenden, um die Nettoschulden abzutragen, und steht damit verhältnismässig gut da. Zum Vergleich: Beim Schlusslicht Genf liegt die Zahl bei 194 Prozent. Ebenfalls vorne dabei ist der Kanton Luzern bezüglich der geringen Steuern. Dort weist er einen Nutzwert von 7,8 auf, Durchschnitt ist 5,9. Bei der Erhebung 2009 lag der Nutzwert für Luzern noch bei 4,6. Der Nutzwert wird anhand der Steuerausschöpfung gemessen, die zeigt, wie stark Steuerpflichtige durch Steuerabgaben belastet werden. Mit einem Indexwert von 79,9 wird Luzern hier nur von Schwyz, Zug und Uri unterboten.

In Zug wiegen nur die Mietpreise negativ

Zug präsentiert sich bei fünf von neun wirtschaftlichen Indikatoren an der Spitze (Nutzwert 10): Dazu gehören Einkommen, Wirtschaftsstruktur, Know How, Öffentlicher Haushalt und wie bereits erwähnt die Steuerbelastung.

Unterdurchschnittlich werden im Bereich Wirtschaft vor allem die Lebenskosten bewertet, welche am Mietpreisniveau gemessen werden. Zug weist einen Nutzwert von 4 auf (Durchschnitt 6). Mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 23 Franken pro Quadratmeter Nettowohnfläche pro Monat wird Zug nur von Genf überschattet (28 Franken pro Quadratmeter). Zug zeigt sich auch bei Natur und Landschaft überdurchschnittlich – Nutzwert 7 bei einem Durchschnitt von 4.

Berg- und Talfahrt in Uri

Bei Uri zeigt sich ein durchzogenes Bild. Bei Umweltthemen holt sich Uri im sparsamen Rohstoffverbrauch den Bestwert 10 (Durchschnitt 5,4). Mit einer Separatsammelquote 60,3 Prozent von wiederverwertbaren Abfällen wie Altpapier steht Uri einsam an der Spitze (der zweithöchste Wert stammt von Waadt: 43,3 Prozent). Gleichzeitig ist die Menge der Siedlungsabfälle überdurchschnittlich hoch: Hier weist Uri einen Nutzwert von 5 auf (Durchschnitt 8). Mit 423 Kilogramm pro Einwohner produziert Uri die zweithöchsten Abfallmengen (Platz 1 geht ans Wallis mit 452 Kilogramm pro Einwohner.) Wie Luzern fällt auch Uri bei Natur und Landschaft ab: Nutzwert 1, Schnitt ist 4. Bei Wirtschaftsthemen erreicht Uri bezüglich geringer Arbeitslosigkeit den Bestwert 10 (Durchschnitt 7,8). Mit einem Jahresdurchschnitt von 1 Prozent steht Uri im Kantonsvergleich weit oben. Wie die anderen Zentralschweizer Kantone liefert Uri bei Steuern (8,5) und Öffentlichem Haushalt (9) überdurchschnittliche Zahlen.

Die Kantone Nidwalden und Obwalden nehmen nicht am «Cercle Indicateurs» teil.