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WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG: «Firmen bevorzugen bekannte Orte»

Immer mehr Firmen ziehen aus Kriens weg. Um solche Abgänge zu verhindern, muss die Gemeinde attraktive Gewerbefläche anbieten, sagt ein Experte.
Interview Beatrice Vogel
«Gemeinden verlieren mit solchen Firmen gute Steuerzahler.» Rouven Willimann, Wirtschaftsförderung Luzern. (Bild: pd)

«Gemeinden verlieren mit solchen Firmen gute Steuerzahler.» Rouven Willimann, Wirtschaftsförderung Luzern. (Bild: pd)

Die Firma Opacc will per 2017 von Kriens nach Rothenburg ziehen (Ausgabe vom 5. Dezember). Der Softwareentwickler ist eines von mehreren Unternehmen, die Kriens aus Expansionsgründen verlassen (siehe Kasten). Rouven Willimann, bei der Wirtschaftsförderung Luzern zuständig für Unternehmensansiedlung, erklärt, was ­Gemeinden für ihre Attraktivität tun können und wie das Ansiedlungs­geschäft in Luzern läuft.

Rouven Willimann, was ist die Aufgabe der Wirtschaftsförderung?

Rouven Willimann: Wir machen den Kanton Luzern in internationalen Märkten bekannt, versuchen Firmen hier anzusiedeln, betreiben Bestandespflege, Unternehmensentwicklung und Neuunternehmerförderung. Ausserdem vermitteln wir zwischen Kanton, Gemeinden, Unternehmen und Organisationen. Die Wirtschaftsförderung Luzern existiert seit 2006 und ist als «Public Private Partnership Modell» organisiert, welches exklusiv für den Kanton Luzern und dessen Gemeinden und Netzwerkpartner tätig ist.

Was kann die Wirtschaftsförderung bewirken?

Willimann: Das Ziel ist, den Kanton Luzern als Wirtschaftsstandort zu vermarkten. Die Ansiedlung neuer Firmen und die Betreuung der ansässigen Unterne men ist unser Kerngeschäft. Die wichtigsten Firmen werden das ganze Jahr proaktiv betreut. Wir holen deren Anliegen ein und versuchen, Wegzüge zu vermeiden. Seit es die Wirtschaftsförderung Luzern gibt, kam es nicht mehr zu Abwanderungen grösserer Firmen in andere Kantone. Dies hat bestimmt auch mit den verbesserten Rahmenbedingungen im Kanton Luzern zu tun.

Wie steht es mit der Abwanderung von einer Luzerner Gemeinde in eine andere?

Willimann: Oberstes Ziel ist es, die Unternehmen im Kanton zu halten. Ob diese nun in Kriens oder in Rothenburg ansässig sind, ist von zweitrangiger Bedeutung. Unternehmen denken über Gemeindegrenzen hinweg. Wenn eine Firma expandieren will und am aktuellen Standort dafür keine Möglichkeiten sieht, sucht sie einen neuen Standort. Wenn wir erfahren, dass eine Firma vergrössern möchte, nehmen wir Rücksprache mit den Gemeinden und vermitteln bei der Suche. Es gibt aber auch Unternehmen, die ohne unser Zutun umziehen, da sie gut vernetzt sind und unsere Unterstützung nicht in Anspruch nehmen.

Vor kurzem wurde bekannt, dass Opacc von Kriens nach Rothenburg umziehen will. Was bedeutet so ein Wegzug für eine Gemeinde?

Willimann: Der Wegzug eines erfolgreichen Unternehmens kann grossen Einfluss auf die Finanzen einer Gemeinde haben. Sie verliert mit so einer Firma einen potenziell guten Steuerzahler. Umgekehrt gewinnt eine andere Gemeinde, weil sie die Bedingungen des Unternehmens erfüllen kann.

Was kann denn eine Gemeinde wie Kriens tun, um für Unternehmen attraktiver zu werden?

Willimann: Das Wichtigste bei der Unternehmensansiedlung, einer Umsiedlung oder Expansion ist ein attraktives Angebot an Land und modernen Gewerbe- und Büroflächen. Dazu kommt der Wunsch nach Planungssicherheit. In Kriens gibt es aktuell mehrere Projekte im Zentrum oder im Mattenhof, Sternmatt und Gebiet Schweighof. Die Gemeinde muss solche Projekte zusammen mit dem Investor möglichst unbürokratisch vorantreiben. Natürlich hat auch die Bevölkerung ein Wort mitzureden. Einsprachen wie beispielsweise beim Projekt «Eichhof West» erschweren die Ansiedlung neuer Unternehmen.

Wie sieht es generell mit der Attraktivität der Region Luzern aus?

Willimann: Grosse internationale Firmen bevorzugen einen Ort, welcher international bekannt und beliebt ist. Das heisst im Fall von Luzern, dass die meisten Firmen aus dem Ausland sich bevorzugt auf Stadtgebiet mit Adresse Luzern niederlassen wollen. Vorortsgemeinden, welche ausserhalb der Region wenig bekannt sind, verfügen über weniger Attraktivität als die Stadt Luzern. Die Herausforderung ist jedoch, dass die Stadt Luzern über sehr wenig moderne Büro- oder Arbeitsflächen verfügt. Dies ist vor allem im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz ein Nachteil, bringt aber oft Agglomerationsgemeinden ins Spiel.

Wie liesse sich das Problem beheben?

Willimann: Eine Fusion der Stadt Luzern mit den Agglomerationsgemeinden wäre aus unserer Sicht begrüssenswert. Einerseits wären dann interne Diskussionen bezüglich Umsiedlungen innerhalb dieser Gemeinden hinfällig. Andererseits würden die Agglomerationsgemeinden von der internationalen Marke Luzern profitieren und damit attraktiver für internationale Firmen werden. Und zu guter Letzt würde die Stadt Luzern über ein viel grösseres Entwicklungsgebiet verfügen. Leider scheint die Bevölkerung der Agglomerationsgemeinden noch nicht zu diesem Schritt bereit zu sein.

Die Gemeinde Littau hat diesen Schritt gewagt.

Willimann: Dort kann man schon die ersten positiven Auswirkungen der Fusion erkennen. Zwar muss im Stadtteil Littau noch viel an Infrastrukturarbeit getan werden. Aber es konnten bereits einige nationale und internationale Firmen gewonnen werden. Dies nicht zuletzt auch dank der Nutzung der Marke Luzern. Was eine Fusion langfristig bedeuten kann, zeigt natürlich auch das Beispiel Zürich: Eingemeindete Ortschaften wie Oerlikon boomen als Wirtschaftsstandorte.

Beatrice Vogel

Kriens kämpft mit Abwanderung

Gewerbe bev. Seit Jahren ziehen immer mehr Unternehmen aus Kriens weg: So siedelte 2010 die Duss Küchen AG nach Emmenbrücke um, und am 1. Januar 2015 eröffnet die Glas Reinhard AG ihr neues Firmengebäude in Rothenburg. Die Softwarefirma Opacc will 2017 nach Rothenburg ziehen. Die Gründe dafür sind vielfältig: So sind in Kriens die Bodenpreise in der Gewerbezone sehr hoch, die Verkehrssituation ist unattraktiv, und die Bearbeitung der Baugesuche durch die Behörden ist träge (Ausgabe vom 14. November).

Gemeinde hält sich zurück
Im Krienser Einwohnerrat wurden dieses Jahr zwei Interpellationen eingereicht, die sich mit der Wirtschaftsförderung beschäftigen. Der Gemeinderat antwortete darauf, er bemühe sich um die «Bestandespflege» und «Verlässlichkeit der Politik». Jedoch wurde mit der Schaffung der Wirtschaftsförderung Luzern und des Gebietsmanagements Luzern Süd das gemeindeinterne Pensum für Wirtschaftsförderung stark reduziert. Deshalb unternehme die Gemeinde «keine eigenen externen Aktivitäten für die Ansiedlung», schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort. «Die Eigenregie der Gemeinde beginnt dann, wenn ein Kontakt zu einer am Standort interessierten Firma vorhanden ist.»

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