WM-Gold: Schweizer Snowboarderin Julie Zogg ist oben angekommen

Julie Zogg sichert der Schweiz an den Freestyle-Weltmeisterschaften in Park City die zweite Goldmedaille. Auch dank speziellen Feindbildern und der Armee.

Markus Stalder (SDA), Park City
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Die Schweizer Snowboarderin Julie Zogg auf dem Weg zu WM-Gold. Bild:(EPA/George Frey (Park City, 5. Februar 2019))

Die Schweizer Snowboarderin Julie Zogg auf dem Weg zu WM-Gold. Bild:(EPA/George Frey (Park City, 5. Februar 2019))

Weltmeisterin durfte sich Julie Zogg schon früh in ihrer Karriere nennen. Vor zehn Jahren gewann sie als damals 16-jähriges Nachwuchstalent ihren ersten Titel im Parallel-Slalom bei den Juniorinnen.

In dem Jahr also, als Fränzi Mägert-Kohli Gold bei den Eliten gewann. Vier WM-Titel folgten für Zogg auf Nachwuchsstufe und damit die Bürde, als Nachfolgerin von ebendieser Mägert-Kohli gehandelt zu werden.

Exploit deutete sich lange an

In Park City nun liess sich Zogg auch auf höchster Stufe zur Weltmeisterin küren und trat tatsächlich das Erbe der Thunerin an – wenn auch etwas später, als von vielen erhofft. Denn Zogg hatte ihr Können immer wieder angedeutet, etwa in der Saison 2014/15, als sie den Gesamtweltcup der Alpin-Snowboarder für sich entscheiden konnte.

An Grossanlässen blieb sie jedoch stets unter den Erwartungen. Den wohl schlimmsten Moment ihrer WM-Vita erlebte Zogg im österreichischen Lachtal. Vierte wurde sie dort im Jahr 2015, als Verliererin des kleinen Finals. Den grössten Erfolg feiert sie nun in einer Saison, die besonders zu Beginn auch von Unschönem geprägt worden war: der Unsicherheit.

Die St. Gallerin blieb auf der Suche nach einem Kopfsponsor lange erfolglos – und damit finanziell unter Druck. Abhilfe verschaffte ihr die Armee: Zogg ist bis 2022 im Zeitmilitär angestellt. Dazu die 26-Jährige:

«Ohne diese Unterstützung wäre es für mich eine extrem harte Saison geworden. Besonders auch, da ich seit zwei Jahren alleine wohne.»

Die Möglichkeit, das Zeitmilitär zu machen, habe eine grosse Last von ihren Schultern genommen, allerdings hätte sie auch ohne diese Chance weitergemacht. «Ich habe ein bisschen etwas auf der Seite, also hätte ich ein Jahr auch so durchgebracht.»

In Park City lieferte Julie Zogg fahrerisch, besonders aber im taktischen Bereich ihre Meisterprüfung ab. Wobei sie etwas in die Trickkiste griff: «Eigentlich liegt mir das aggressive Fahren direkt aufs Tor zu», erzählt die Weltmeisterin.

Die Tore, die Feinde

Etwas, das die Kurssetzung und die Bedingungen in Park City besonders im unteren Teil der Strecke nicht zuliessen. «Also habe ich mir am Start einfach eingeredet, dass die Tore meine Feinde sind. Bis Rennmitte darf ich noch auf sie zuhalten, im unteren Teil muss ich aber einen weiten Bogen um sie machen», erklärt Zogg.

Der Plan ging auf. Zogg umkurvte die Tore schneller als ihre Konkurrentinnen. Der Lohn dafür: Sie darf sich zum insgesamt sechsten Mal Weltmeisterin nennen. Zum ersten Mal seit sieben Jahren, und nun auch auf höchster Stufe.