Wo bleiben die Kinder? Stadt Kriens verschätzt sich in Luzern Süd massiv

Mit dem Bauboom in Luzern Süd erwartete Kriens Hunderte von neuen Schülern. Doch jetzt zeigt sich: Die neuen Wohnsiedlungen sind bei Familien nur wenig beliebt.

Robert Knobel
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Der Schweighof: Eigentlich als Familienquartier konzipiert, leben hier bisher lediglich 17 Kinder.

Der Schweighof: Eigentlich als Familienquartier konzipiert, leben hier bisher lediglich 17 Kinder.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. April 2019)

Noch 2018 herrschte im Krienser Bildungsdepartement geradezu Alarmstimmung. Grund für die Nervosität war die Tatsache, dass in Luzern Süd demnächst Hunderte von neuen Wohnungen bezogen würden. Allein schon die als Familienquartier ausgerichtete Schweighof-Überbauung mit ihren 600 Wohnungen würde die Zahl der Kinder in die Höhe schnellen lassen. Und dies, wo doch die Krienser Schulhäuser ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze angelangt waren. Die Prognosen sahen für das Kuonimatt-Schulhaus mindestens eine Vervierfachung der Schülerzahlen in den nächsten zehn Jahren vor.  Klar, dass ein solcher Zuwachs nur mit massiven Erweiterungen oder gar einem ganz neuen Schulhaus zu bewältigen sein würde.

Nur 0,15 Kinder pro Wohnung

Heute tönt alles ganz anders: Die damaligen Befürchtungen seien massiv übertrieben gewesen, räumt der Krienser Stadtrat im aktuellen Bericht zur Schulraumplanung ein. Der Grund: Luzern Süd ist für Familien offenbar weit weniger attraktiv als gedacht. Im Mattenhof gibt es kaum Kinder, und auch im Schweighof wohnten Ende 2019 gerade mal 17 Kinder bis 12 Jahre. Das entspricht einer Quote von rund 0,15 Kindern pro belegter Wohnung. Zum Vergleich: In der etwas älteren Nachbarsiedlung Schällenmatt sind es 0,3 Kinder pro Wohnung. Der Grund für diesen Unterschied könnte in der Wohnungsstruktur im Schweighof liegen: Dort gibt es viele 3,5-Zimmer-Wohnungen. Das von der Stadt Kriens beauftragte Planungsbüro war in seinen Prognosen davon ausgegangen, dass auch in solche kleineren Wohnungen Familien einziehen würden. Doch das hat sich nun als falsch herausgestellt.

0,1 Kinder pro Wohnung ist ungefähr der neue Richtwert, mit dem die Stadt Kriens den Schulraumbedarf der nächsten Jahre in Luzern Süd plant. Für die künftige Nidfeld-Überbauung wird sogar mit einem Kinder-Anteil von nur 0,05 pro Wohnung gerechnet.

Allein der Anstieg der Geburten sorgt für 191 zusätzliche Schüler

Auch wenn die Zahl der neu zugezogenen Kinder massiv unter den Erwartungen liegt, weist der Stadtrat in seinem Bericht dennoch auf zwei wichtige Aspekte hin: Erstens könnte sich die Kinderzahl in Luzern Süd mittelfristig doch noch erhöhen, da viele junge Paare in die neuen Wohnungen gezogen sind. Zweitens wird die steigende Geburtenzahl automatisch zu einer Erhöhung der Schülerzahlen führen. So gab es Ende 2019 in Kriens insgesamt 191 mehr Vorschulkinder als Primarschulkinder. Allein für diese 191 Kinder braucht es in den nächsten Jahren zehn zusätzliche Schulklassen.

Der Stadtrat geht davon aus, dass der Schülerzuwachs vorläufig mit der bestehenden Infrastruktur aufgefangen werden kann. Eine Ausnahme ist die Schulanlage Kuonimatt: Von einer Vervierfachung der Schülerzahlen ist dort zwar keine Rede mehr, doch bis 2026 wird die Zahl immerhin von rund 130 auf über 200 steigen. Eine Erweiterung der Schulanlage ist aber nach wie vor wegen Widerstands im Quartier blockiert. Deshalb soll in den nächsten Monaten das nahe gelegene Schulhaus Roggern erweitert werden. Geplant ist, im Roggern den Kindergarten-Pavillon mit einem doppelstöckigen Schulmodul von der Krauerwiese zu erhöhen. Mittelfristig könnte zudem der Sekundar-Trakt im Roggern aufgestockt werden.

Die beiden Schulmodule auf der Krauerwiese. Eines davon soll demnächst in die Schulanlage Roggern verschoben werden.

Die beiden Schulmodule auf der Krauerwiese. Eines davon soll demnächst in die Schulanlage Roggern verschoben werden.

Boris Bürgisser / Neue Luzerner Zeitung

Die neuen Schüler-Prognosen für Luzern Süd haben auch Folgen für die geplante Pilatus-Arena im Mattenhof. Der Krienser Einwohnerrat hatte noch 2018 gefordert, dass die neue Sporthalle auch für den Schulsport nutzbar sein soll. Doch das ist nun nicht mehr nötig, wie der Stadtrat schreibt. Die bestehenden Turnhallen würden auch künftig genügend Kapazitäten bieten.

Haben die Quartierschulhäuser noch Zukunft?

Kurzfristig drängen sich also keine grösseren Korrekturen bei der Krienser Schulpolitik auf. Für eine längerfristige Betrachtung will der Stadtrat aber eine Quartieranalyse starten. Diese soll die Entwicklung und künftige Funktion der Quartiere unter die Lupe nehmen. Dabei werden auch brisante Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel, ob das heutige dezentrale System mit den vielen kleinen Quartierschulhäusern auch künftig noch sinnvoll ist. Geklärt werden soll insbesondere auch die langfristige Rolle der Schulhäuser Roggern und Kuonimatt – dies auch vor dem Hintergrund eines möglichen dritten Schulstandorts in Luzern Süd.