Wo der Dreck noch richtig Spass macht

Je länger der Umzug dauerte, desto dreckiger wurden Emmens Strassen. Und dies, obwohl die Fuschtibrüedere den Güsel nach Neapel verschieben wollten.

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Von der Wagengruppe Baubuuum gab sich Ex-Bundesrat Leuenberger die Ehre.

Von der Wagengruppe Baubuuum gab sich Ex-Bundesrat Leuenberger die Ehre.

Grässliche blauäugige Hexen durchdringen das Publikum mit ihren Blicken. Bärtige Prinzessinnen tänzeln in ihren rosa Kleidchen zum Walzertakt die Gerliswilstrasse empor. In Emmen sorgten am Sonntag 33 Nummern für eine schaurig farbenfrohe Stimmung am Umzug. Bereits eine Stunde vor Beginn säumten unzählige kleine Piraten, grosse Küken und knall-pinke Fellbüschel die Gerliswilstrasse. Der Zustand der Strasse zu diesem Zeitpunkt: «noch sauber».

«Sanierung dringend nötig»

Am Umzug sorgten vor allem die Sujets mit Lokalkolorit für Gesprächsstoff unter den 20 000 Zuschauern. Der Quartierverein Erlen-Neuhof machte sich mit seinem rollenden Schulzimmer, dessen erbärmliche Fensterstoren jeden Moment auseinanderzufallen drohten, über die Abstimmung zur Sanierung der Schulanlage Gersag her. Im Publikum war sich Familie Widmer aus Emmen schnell einig: «Die echten Storen sehen wirklich so aus!», «Die Sanierung ist dringend nötig» und «Typisch: Nur die SVP war mal wieder dagegen», konnte man aus ihrer Gesprächsrunde vernehmen. Für Lacher sorgte dann aber der zweite Wagen des Quartiervereins: viel Geld und Dagobert Duck mittendrin. Angeschrieben war das Ganze mit: «Ämme heds». Immerhin kostet die Sanierung der Schulanlage rund 32 Millionen Franken. Freude kam im Publikum auch immer dann auf, wenn Bonbons, Orangen oder Bananen in die Menge geworfen wurden. Nun. Einiges davon landete auch auf dem Boden.

Gaugewäudler Ämmebrogg mit dem Motto: Einst im Gaugenwald (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
18 Bilder
Schügumugger Ämmebrogg mit dem Motto: 30 Johr Wonderland. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Chaostruppe Ämme mit dem Motto: Bärtige Prinzessinnen. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Glatzesträhler Lozärn mit dem Motto: Samurai. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Wagenbruppe Baubuuum mit dem Motto: NEAT- der längste Tunnel der Welt! (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ
CH-Gugger mit dem Motto: Geblitzt. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Guuggemusig Lozärner Häxe mit dem Motto: Formel 1 feat. Bobby Car. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ
Chappelgnome Lozärn mit dem Motto: Königreich der Gnomen. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
E Nomine mit dem Motto: Metallica. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Chnuupesaager mit dem Motto Chnuupijaner. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Bööggen Union mit dem Motto: die letzten Chrampfer. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Sonnechöbler Äbikon mit dem Motto: Burg Carnevalis Abinchova. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Schügumugger Ämmebrogg mit dem Motto: 30 Johr Wonderland. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
RüssSuuger Ämme mit dem Motto: Chili-Schote. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Guuggemusig Blattlüüs Lozärn mit dem Motto: Fasi@Summer. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)
Sonnechöbler Äbikon mit dem Motto: Burg Carnevalis Abinchova. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Gaugewäudler Ämmebrogg mit dem Motto: Einst im Gaugenwald (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Während die Sauberkeit der Gerliswilstrasse langsam Einbussen erlitt, glänzte die Dorfgemeinschaft Emmen mit ihren pirouettendrehenden grüngelben Maiskolben. Damit thematisierte sie ein Theaterspektakel der Kulturbewegung «Szene Emmen», das vergangenen Sommer mitten in einem Maisfeld in der Nähe des Flugplatzes Emmen stattgefunden hatte. Nun tanzten die Maiskolben aber auf dem künstlichen Eisfeld, das vergangenen Oktober im Emmer Rossmoos eröffnet wurde.

Emmer Abfall in Neapel

Mehrere Nummern schielten aus der Gemeinde raus nach Luzern. Dabei bekam vor allem Ursula Stämmer einen auf den Deckel. Mit hässlichen Vogelscheuchen versuchte etwa die Kult-Ur-Fasnachtsgruppe Hosianna/Obscuratio sich die Stadträtin vom Leibe zu halten. Ihr Leitspruch: «D Frau Stämmer vo Gross-Lozärn hed e rüüüdigi Idee gha: Sie wott jetzt vo de Fasnächtler e Gösu-Batze ha. Wie en gierige Vogu chreist sie öber üsne prächtige Grende; die Voguschüchene lönd sie aber secher schnell lo verschwende!» Zwischen Dreck verursachenden Fasnächtlern und sauberkeitsverliebten Stadträten versuchten die Fuschtibrüedere mit ihrer Nummer zu schlichten. Mit Schneeschnüüzi und Putzwagen wollten sie den Abfall-Stapel von Emmen nach Neapel verschieben.

Der Zustand der Strasse zum Umzugsende: «dennoch verdreckt». Wo es fasnächtlet, fallen halt auch mal Becher auf den Boden. Ob in Emmen an der Fasnacht wohl auch ein Depotsystem eingeführt wird? «Das war schon ein Thema bei uns», sagt Umzugschef Rolf Sigrist vom Emmer Fasnachtskomitee (EFK). Der Präsident des EFK, Urs Mattmann, relativiert aber zugleich: «Der Abfall hat hier nicht dasselbe Ausmass wie in Luzern. Ein Depotsystem brauchen wir wohl nicht.» Gut, denn um die tolle Stimmung an der Emmer Fasnacht wäre es wohl schade.

Aleksandra Mladenovic