Wo die Bevölkerung in Luzern am stärksten wächst – und wo sie überaltert

Die Gemeinde Oberkirch wächst am stärksten – und in Adligenswil steigt der Anteil der Senioren so massiv wie sonst nirgends. Das zeigen neue Zahlen von Lustat Statistik Luzern.

Lukas Nussbaumer
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Zwischen Oberkirch bei Sursee und der Napfgemeinde Luthern liegt lediglich etwas mehr als eine halbe Autostunde – oder 20 Kilometer Luftlinie. Und doch liegen zwischen diesen Gemeinden Welten. In Oberkirch hat sich die Bevölkerungszahl seit 1991 mehr als verdoppelt, in Luthern ist sie um 17 Prozent gesunken (siehe Grafik). Das zeigen Zahlen aus dem neuen Jahrbuch von Lustat Statistik Luzern.

Gründe für die konträre Entwicklung der beiden Dörfer gibt es viele, wie die Gemeindepräsidenten sagen. So ist Oberkirch per Auto und mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erschlossen, bietet mit der Nähe zu Sursee ein grosses Angebot an Arbeitsplätzen und glänzt mit seiner Wohnlage. Probleme hat das Wachstum der Gemeinde laut Gemeindepräsident Ernst Roth «nicht wirklich» bereitet. Die mit der Bevölkerungszunahme verbundenen Aufgaben – mehr Schulraum, eine neue Sporthalle sowie Aussenanlagen für Sport und Freizeit – habe man gelöst, so der CVP-Politiker. Im gleichen Stil weiter entwickeln will sich Oberkirch jedoch nicht, sagt Roth:

«Wir setzen auf eine Konsolidierung. Das jährliche Wachstum soll bei 0,5 bis 0,75 Prozent liegen.»

Grosse Sprünge liegen auch deshalb nicht mehr drin, weil Oberkirch fast keine Baulandreserven mehr hat.

Luthern: Besserer ÖV und Glasfasernetz für alle

Aufgaben lösen muss auch der Luthertaler Gemeindepräsident Alois Huber, soll das Dorf nicht weiter Einwohner verlieren – so, wie das in den letzten Jahren vorab durch die Strukturbereinigung in der Landwirtschaft geschehen ist. Und Huber ist guter Dinge, eine Stabilisierung oder sogar ein leichtes Wachstum zu erreichen. «Auf den Fahrplanwechsel 2021 hin sollten wir am Morgen und am Abend sowie am Wochenende zusätzliche Postautoverbindungen erhalten», sagt das CVP-Mitglied. Damit reagiere man auf die schlechten ÖV-Verbindungen, die in der im vergangenen Jahr durchgeführten Bevölkerungsumfrage oft bemängelt worden seien.

Luthern setze sich zudem zum Ziel, bis im Sommer 2022 sämtliche Gebäude an ein Glasfasernetz angeschlossen zu haben. «Das wird die Attraktivität des Luthertals steigern», glaubt Huber. Wer ins nördlich des Napfs gelegene Tal ziehen will, finde auch genug Bauland – und zwar sowohl für Wohnungen als auch für Gewerbebetriebe.

In Greppen soll weiter gebaut werden

Ähnlich grosse Gegensätze gibt es zwischen Greppen und Romoos, die seit 1991 am zweitstärksten gewachsen beziehungsweise geschrumpft sind. Greppen ist mit seiner Lage am Fusse der Rigi ein begehrter Wohnort, auch für Familien, welche die Nähe zur Sekundarschule in Weggis, der Kanti in Luzern oder dem Gymi in Immensee schätzen. Ausserdem ist der Flughafen mit dem Auto in 50 Minuten erreichbar. Probleme, das Wachstum zu bewältigen, habe es «keine» gegeben, sagt Gemeindepräsidentin Claudia Bernasconi. Und Greppen werde sich weiter entwickeln, so die CVP-Politikerin. Derzeit werden zwei Gestaltungspläne für das Sagiareal und die Wendelmatte erarbeitet – mit einem Potenzial von knapp 100 neuen Wohnungen. Weitere 50 Wohnungen sollen sich durch die bereits bewilligten Pläne Ziegelhus und Steinmatt ergeben.

Von solchen Zahlen kann der Romooser Gemeindepräsident Willi Pfulg (CVP) nur träumen. Die Baulandreserven sind klein, und parallel zum Bevölkerungsrückgang aufgrund dem Strukturwandel in der Landwirtschaft und kleiner gewordener Familien hat auch die Schülerzahl abgenommen. Der Fortbestand der Dorfschule sei aber nicht gefährdet, betont Pfulg: «Wir möchten in die Schulinfrastruktur und in die Dorfgestaltung investieren.» Dadurch soll sich die Bevölkerungszahl auf dem aktuellen Niveau einpendeln.

Wende in Adligenswil, Erfolg in Grossdietwil

Gleiche Investitionen plant Adligenswil. Grund ist aber nicht der Bevölkerungsschwund – die Agglogemeinde ist seit 1991 um 24 Prozent gewachsen –, sondern der Bevölkerungsmix: In keiner anderen Gemeinde ist der Anteil der über 65-Jährigen stärker gestiegen. Gemeindepräsidentin Ursi Burkart-Merz (CVP) ortet jedoch eine Trendwende:

«Langsam findet ein Generationenwechsel statt.»

Ältere Personen würden ihr Haus verkaufen oder an die Nachkommen abtreten und in eine Alterswohnung ziehen. Dazu würden in Adligenswil Wohnungen gebaut, was sich im Bevölkerungsmix niederschlagen werde. Bereits jetzt sei ein Anstieg der Schülerzahl zu verzeichnen, denn Adligenswil sei mit der Einführung von Betreuungsgutscheinen und schulergänzender Tagesstrukturen attraktiver geworden für Familien.

An seiner Attraktivität arbeitet auch Grossdietwil, wo der Anteil der unter 20-Jährigen am stärksten gesunken ist. Dies habe allerdings mit einem statistischen Ausreisser zu tun, sagt Gemeindepräsident Reto Frank. Anfang der 1990er Jahre habe man in Grossdietwil extrem viele Geburten verzeichnet. «Ohne diese drei Jahre lägen wir bei der Entwicklung des Anteils der Jungen im kantonalen Durchschnitt.» Dennoch muss Grossdietwil um seine Jungen kämpfen – und hat dies im letzten Jahr getan: Mit einem Zustupf von 1500 Franken für Jungbürger, die im Dorf bleiben. Neun Gesuche seien bewilligt werden, sagt der parteilose Frank. Ziel sei denn auch ein moderates Wachstum. «Wir wollen die weichen Faktoren verbessern, nämlich gute Schulen haben, den ÖV ausbauen und unser funktionierendes Vereinsleben pflegen.»

Ausländeranteil in Luzerner Gemeinden

Gemeinde Zunahme seit 1991 (in %) Anteil aktuell (in %)
Vitznau 16,3 26,1
Emmen 15,3 34,9
Flühli 14,9 18,6
Gettnau 13,8 22,6
Kanton 5,8 18,5

Viele Ausländer in Vitznau - wegen Tourismus und neuer Klinik

Vergleich

In Vitznau ist der Ausländeranteil seit 1991 mit einem Plus von 16,3 Prozent am stärksten gestiegen (siehe Tabelle). Gemeindepräsident Herbert Imbach (parteilos) führt dies vorab auf die Arbeitsplätze in der Hotellerie, bei den Rigibahnen und in der 2013 im Park Hotel eröffneten Klinik Cereneo zurück. Früher seien das Park Hotel, der Vitznauerhof oder das Flora Alpina Saisonhotels gewesen, die nur während sieben oder acht Monaten offen waren. Heute seien es mehrheitlich Ganzjahresbetriebe. Die grösste Ausländergruppe stammt aus Deutschland (aktuell 140 Personen), gefolgt von Portugal (86) sowie Österreich und Italien mit je 14.

Stark gewachsen ist Vitznau erst nach 2000, während die weiteren Seegemeinden Weggis, Greppen und Küssnacht bis zu diesem Zeitpunkt stark zulegten. Die dann einsetzende Bevölkerungszunahme entspricht laut Imbach einem Nachholprozess gegenüber den umliegenden Gemeinden, in denen das Bauland knapper und damit auch teurer geworden sei. (nus)

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