WOCHENMARKT: Stadt will Regionale bevorzugen

Die Ausschreibung der Marktstände steht kurz bevor. Klar ist bereits: Bauern aus der Region und langjährige Händler sollen weiterhin einen Bonus haben.

Robert Knobel und Guy Studer
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Der Wochenmarkt ist ein Publikumsmagnet - Samstag für Samstag und Denstag für Dienstag. (Bild: Manuela Jans  (Neue LZ))

Der Wochenmarkt ist ein Publikumsmagnet - Samstag für Samstag und Denstag für Dienstag. (Bild: Manuela Jans (Neue LZ))

Robert Knobel und Guy Studer

Ende April wird der Stadtrat entscheiden, nach welchem Verfahren die Stände des Luzerner Wochenmarkts künftig ausgeschrieben werden. Im Mai/Juni soll die Ausschreibung im Kantonsblatt erfolgen. Die Stadt musste ihre Vergabepraxis für die Marktstände grundlegend überarbeiten. Dies aufgrund eines Bundesgerichtsurteils von 2011. Die Lausanner Richter verpflichten die Stadt gemäss Urteil zu einem «fairen Verfahren», zu dem insbesondere eine regelmässige Ausschreibung der Stände gehört.

Das Urteil sorgte bei den eingesessenen Marktfahrern für grosse Verunsicherung. Das Gespenst einer Verlosung der Standplätze ging um, verbunden mit der Angst, einen langjährigen Platz plötzlich verlieren zu können – und damit schlimmstenfalls die Existenz.

Urteil lässt viel Spielraum

Allerdings lässt das Bundesgerichtsurteil ziemlich grossen Interpretationsspielraum bei der Umsetzung der Forderungen. Explizit erwähnt wird die Möglichkeit, dass die Stadt bei der Vergabe der Plätze «kulturelle Anliegen» berücksichtigen darf. Auch das «mutmassliche Publikumsinteresse in Bezug auf Qualität und Vielfalt des Angebots» kann ein Vergabekriterium sein. Diesen Ball hat die Stadt aufgenommen, wie Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, sagt. «Mit Bezug auf den regionalen Charakter des Wochenmarkts werden sich zum Beispiel regionale Aspekte oder eine langjährige Präsenz positiv auswirken.» Mit anderen Worten: Bauern und Händler aus der Region sollen weiterhin bevorzugt werden – genau wie solche, die schon sehr lange am Wochenmarkt präsent sind. Gemäss dem Bundesgerichtsurteil ist es lediglich unzulässig, «systematisch» dieselben Bewerber zu berücksichtigen und anderen keine Chance zu lassen.

Die Markthändler brauchten zwar schon bisher eine Bewilligung der Stadt. Allerdings fehlten klare Kriterien für die Vergabe der Plätze. Wer bereits einen Standplatz hatte, konnte diesen auch behalten. Das war für die Händler extrem wertvoll, da sie so teils über Jahrzehnte eine Stammkundschaft aufbauen konnten. Eine neue Händlerin, die vergebens einen Standplatz beantragte, ging deshalb vor Gericht und erhielt Recht.

Erleichterung bei Händlerin

Eine regionale Marktfahrerin, die am Wochenmarkt bereits seit über 20 Jahren mit einem Stand präsent ist, ist Ursula Bucher aus Ebikon. Sie ist über die Aussagen von Mario Lütolf erfreut. Für Bucher, die auf ihrem Hof Vogelsang in Ebikon Obst und Beeren anbaut, ist der Wochenmarkt unersetzbar: «Der Markt ist meine Existenz. Ich wüsste nicht, wie ich meine Produkte sonst an den Mann bringen würde. Neue Absatzkanäle findet man nicht von heute auf morgen.» Der Hofladen in Ebikon spiele im Vergleich dazu eine Nebenrolle. Das Entgegenkommen der Stadt bei den Vergabekriterien ist für sie deshalb existenziell. «Das gibt uns Planungssicherheit für die Zukunft», so Bucher. «Damit bin ich guter Dinge, dass ich auch weiterhin am Markt mein Obst und meine Beeren anbieten kann.»

Mehrjährige Bewilligungen geplant

Gemäss Mario Lütolf soll das neue Vergabesystem per 1. Januar 2017 in Kraft treten. Doch was passiert, wenn zu viele Bewerber die Kriterien erfüllen und nicht alle berücksichtigt werden können? Kommt dann wie von den Marktfahrern befürchtet das Losverfahren zum Zug? Auszuschliessen sei dies nicht restlos, sagt Lütolf – es sei aber höchst unwahrscheinlich. «Losentscheide kämen nur im unwahrscheinlichen Fall zum Tragen, wenn mehrere Bewerber die Vorgaben genau gleich gut erfüllen.» Doch die Perspektive, im Extremfall einen langjährigen Standplatz räumen zu müssen, macht vielen Händlern trotzdem Bauchweh. Immerhin: Das Bundesgericht sagt nicht, in welchem Rhythmus die Ausschreibungen der Standplätze erfolgen müssen. Für Mario Lütolf ist deshalb klar, dass es einen «mehrjährigen Bewilligungsrhythmus» geben soll. Damit soll die Existenz der einzelnen Händler zumindest jeweils für ein paar Jahre gesichert sein.

Mehr Stände auf Bahnhofstrasse?

Ohnehin hätte die Stadt noch ein Ass im Ärmel, bevor sie zur Lotterie greifen müsste: Sie könnte den Markt vergrössern und mehr Stände zulassen. Das hat sie bereits einmal getan: Um nach dem Bundesgerichtsentscheid etwas Zeit zu gewinnen, wurde kurzerhand die Marktfläche Richtung Theater/Bahnhofstrasse erweitert. So gab es genügend Standplätze für alle Bewerber. Zurzeit sind es 88 Plätze, doch je nach Saison gibt es bis zu 30 weitere Interessenten. Wenn die Bahnhofstrasse autofrei wird, ergeben sich weitere Möglichkeiten für eine Erweiterung des Marktes. Mario Lütolf bestätigt, dass es dort «allenfalls Entwicklungsmöglichkeiten» gäbe.