WOHLEN: Humorvoll tiefgründiger Blick auf das Altern

Der Verein Kultur im Sternensaal feiert sein 30-Jahr-Jubiläum mit einer Eigenproduktion. Autor Adrian Meyer thematisiert im technisch aufwendigen Freilicht-Fassadentheater «Morsch» Alter und Zerfall.

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An der Fassade des Sternensaals in Wohlen steht ein Gerüst. Arbeiter jedoch fehlen. Heute und morgen wird nicht renoviert. Aber vielleicht in der Zukunft? In dieser nämlich spielt Adrian ­Meyers Fassadentheaterstück «Morsch», das am 1. August Premiere feiert. Der Sternensaal stellt sich darin quasi selber dar, als heruntergekommener, baufälliger, verlassener Schauplatz der Zukunft, an und um dessen Fassade das Schauspiel stattfindet.

Nicht eben ermutigend, oder doch? Wer Meyers Theaterstücke kennt, weiss, es gibt kein Ende ohne Hoffnung, keine noch so ernste Handlung ohne Witz und Ironie. Mutig stellen der Autor und Regisseur sowie sein Laien-Ensemble sich dem unpopulären Thema des Alterns, mit dem sich auch der Verein auseinandersetzt. «Viele von uns sind seit 30 Jahren dabei. Wir werden alle älter», erklärt Meyer. Deshalb rückt er die Ü60er in seinem Mundartstück ins Zentrum. Es gibt jedoch auch einige junge Protagonisten. «Die Jungen bilden den Kontrapunkt. So wird eine grandiose Mischung möglich.» Zwei alternde Musiker, Urgesteine wie es sie im Sternensaal wirklich gibt, berieseln die Szenerie vom Keller aus mit ihrer manchmal stimmigen, manchmal eher störenden Musik, komponiert von Markus Kühne.

Andere Blickwinkel durch Filmeinspielungen

Pressesprecher Hans Melliger zeigt sich erfreut darüber, dass der Verein wieder über junge Mitglieder verfügt, die auf und hinter der Bühne mit anpacken. Einer davon ist der freischaffende Filmemacher Titus Bütler aus Wohlen, welcher die Handlung mit Filmbeiträgen – Aufzeichnungen und Liveeinschaltungen – bereichert. Er lenkt das Kameraauge des Lokalfernsehsenders, der im Stück eine wichtige Rolle spielt. Die Filmsequenzen wurden teils im Inneren des Sternensaals, teils an verschiedenen Schauplätzen in Wohlen gedreht. Nur so bekommen die Zuschauer, die auf einer gedeckten Tribüne der Fassade gegenübersitzen, kurze Einblicke ins Geschehen im Gebäudeinneren. «Die Tribüne mit 240 Sitzplätzen soll etwas improvisiert wirken, wie eine Baustelle mit Schutzzelt», erläutert Bühnenbildner Stefan Hegi. Ihm obliegt die anspruchsvolle Aufgabe, die Fassade des Sternensaals künstlich altern zu lassen und der gesamten Umgebung Baustellencharakter zu verleihen. Mit einem Netz, einem Gerüst und Stützpfeilern in futuristisch anmutenden Farben will er dies erreichen. Eine Schallschutzwand wird die Kulisse ergänzen und gleichzeitig den Verkehrslärm etwas fernhalten. Ziel ist es ausserdem, während der Aufführungen, die bei jeder Witterung stattfinden, die Strasse sperren zu lassen. Auch das benachbarte Restaurant Sternen wird den Betrieb während der Vorstellungen einstellen, jedoch die Gäste im Vorfeld fürstlich bewirten.

Seit Januar laufen die Proben, seit März wenn möglich draussen. «Vor allem wegen der technischen Anforderungen mit Mikrofonverstärkung und Filmeinspielungen ist dies eine sehr teure Eigenproduktion», sagt Präsidentin Eva Keller. «Sie wird rund 300 000 Franken kosten.» Trotz eigener Rücklagen, Beiträgen von Swisslos, Kanton, Gemeinde und Stiftungen muss der Verein rund die Hälfte der Kosten einspielen. Nach den sehr positiven Erfahrungen bei der letzten Eigenproduktion «Tschingge» 2007, deren Vorstellungen bereits im Vorverkauf restlos ausverkauft waren, ist das Team jedoch zuversichtlich.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch