Wohlhabendes Horw rechnet mit massiv weniger Steuereinnahmen

Nach mehreren fetten Jahren sprudeln die Steuereinnahmen in Horw bald nicht mehr so reichlich. Die Gemeinde hat daher die Finanzstrategie 2026 erarbeitet – im besten Fall können die Steuern trotzdem gesenkt werden.

Drucken
Teilen
Das Gemeindehaus Horw.

Das Gemeindehaus Horw.

Bild: PD

(hor) Ein Gewinn von 20,45 Millionen Franken im 2019, ein Plus von fast 19 Millionen Franken im 2018: Die Gemeinde Horw hat dank Sondereffekten bei den Steuereinnahmen in den vergangenen Jahren gute Rechnungsabschlüsse präsentieren können. Das damit bald Schluss ist, hat Finanzvorsteher Hans-Ruedi Jung (CVP) bereits angekündigt. Er rechnet in Zukunft mit massiv weniger Steuereinnahmen. Noch schlimmer: Gerade wegen der ausserordentlichen Steuereinnahmen muss die Gemeinde künftig mehr Geld in den kantonalen Finanzausgleich einzahlen. Zudem trifft die kantonale Aufgaben- und Finanzreform (AFR18) Horw hart. Und jetzt kommt noch die Coronakrise dazu.

Um die Situation zu entschärfen, hat der Gemeinderat die Finanzstrategie 2021 bis 2026 entwickelt, in Zusammenarbeit mit dem Finanz- und Unternehmensberater Christoph Lengwiler. Diese wird er dem Einwohnerrat an der Sitzung vom 25. Juni zur Kenntnisnahme vorlegen, wie der Gemeinderat am Donnerstag mitteilte. Man habe dabei eine umfassende Analyse der finanziellen Ausgangslage vorgenommen und sich auf den aktuellen Wissensstand zur künftigen Entwicklung gestützt.

Als Stärken und Chancen zählt die Finanzstrategie unter anderem folgende Punkte auf:

  • Horw weist aktuell ein Nettovermögen pro Einwohner aus und hat noch Potenzial für die Aufnahme von Fremdkapital.
  • Horw hat einen tiefen Steuerfuss von 1.45 Einheiten und kann diesen vorläufig auch beibehalten, wenn die prognostizierte Lücke bei den Einnahmen eintrifft.
  • Die gute finanzielle Lage und der tiefe Steuerfuss, aber auch die guten Infrastrukturen und öffentlichen Leistungen machen Horw auch in Zukunft als Wohnort und als Standort für Firmen attraktiv.

Als Schwächen und Risiken sind unter anderem aufgeführt:

  • Die aktuell sehr gute Finanzsituation der Gemeinde Horw ist primär ausserordentlichen Steuererträgen in den Jahren 2018 und 2019 zu verdanken.
  • Die Steuereinnahmen sind zu einem gewichtigen Teil vom Steueraufkommen einer begrenzten Zahl von sehr guten Steuerzahlenden abhängig. Prognosen sind deshalb immer mit Unsicherheiten behaftet (Zuzüge, Wegzüge, Erbschaften, Wirtschaftslage, politische Prozesse, usw).

Und das sind die vier Szenarien:

  • Im Basisszenario kann der bisherige Steuerfuss trotz der Einnahmenausfälle auf dem heutigen Niveau von 1.45 Steuereinheiten beibehalten werden.
  • Im Szenario «Optimo» kann im Idealfall der Steuerfuss gegen Ende der Planungsperiode eventuell sogar gesenkt werden.
  • Im Szenario «Challenge» wird im Jahre 2024 eine Erhöhung des Steuerfusses auf 1.55 Steuereinheiten geprüft werden müssen.
  • Im Szenario «Stress» muss bereits auf das Budget 2022 hin gehandelt und der Steuerfuss auf 1.60 Einheiten angehoben werden, damit der Finanzhaushalt nicht aus dem Ruder läuft. Tatsächlich ist aufgrund der einleitend erwähnten Faktoren die Wahrscheinlichkeit gross, dass das Szenario «Stress» eintritt.
Mehr zum Thema