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Wohnen bei der ehemaligen Steinermühle in Alberswil: Dieses Haus wartet auf neue «Müller»

Die Steinermühle ist Geschichte: Das Gebäude von 1865 wurde abgerissen und neu aufgebaut – mit 17 Eigentumswohnungen und Hotel. Die Arbeiten brachten Bauherren und Handwerker an ihre Grenzen.
Roger Rüegger
Blick auf den Mühlihof, welcher der alten Steinermühle nachempfunden ist. Im Gebäude gibt es 17 Eigentumswohnungen und ein Aparthotel. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Blick auf den Mühlihof, welcher der alten Steinermühle nachempfunden ist. Im Gebäude gibt es 17 Eigentumswohnungen und ein Aparthotel. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Die Mühlestrasse ist vom Dorfkern her derzeit nicht passierbar. Ein Bagger reisst den Asphalt auf, die Zufahrt wird erneuert. Der Weg führt zum Mülihof, der ehemaligen Steinermühle. Das Haus wird in wenigen Tagen nach zweieinhalbjähriger Bauzeit bezugsbereit sein. «Die Strasse gehört zwar nicht zum Mülihof, aber wir haben die so oft benutzt und in Mitleidenschaft gezogen, dass es nur recht ist, wenn wir sie sanieren», sagt Franz Schwegler, als er den Neubau auf dem Mülihofareal präsentiert.

Er begrüsst fast jeden Handwerker, der noch auf Platz ist, mit Vornamen. Viele sind es nicht mehr; die üblichen Berufsleute eben, die als letztes die Baustelle verlassen: Landschaftsgärtner, Stromer, Maler und Schreiner. Ein Polier, der während der gesamten Bauzeit mitwirkte, informiert Schwegler, wo er das restliche Material deponiert, das vom früheren Gebäude aus dem Jahr 1865 stammt.

Franz Schwegler von der Mülihof Alberswil AG zeigt ein Einzimmer-Hotel-Apartment. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Franz Schwegler von der Mülihof Alberswil AG zeigt ein Einzimmer-Hotel-Apartment. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Drei andere Männer heben mit einem Lastenkran die alte Sackrutsche der Mühle auf einen Lieferwagen. «Das Teil wollten wir zuerst auf dem Spielplatz als Rutschbahn für die Kinder aufstellen. Das wäre eine schöne Erinnerung an die Zeit, als noch Getreide gemahlen wurde. Aber vermutlich wäre es zu gefährlich gewesen», sagt Schwegler, dem am Herzen liegt, dass möglichst viel Material der Steinermühle wieder verwendet wird. So wie die grossen Kalksteinquader, welche das Fundament der Steinermühle gebildet hatten und nun die Ufermauer zum Mülibach bilden. Der «Mülihof» wird am 20. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert. «Es ist ein spezieller Bau. Inmitten dieser Landschaft sowieso», bemerkt Schwegler.

Noch im Bau: Eine der 17 Eigentumswohnungen. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Noch im Bau: Eine der 17 Eigentumswohnungen. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Denkmalpflege wehrte sich gegen Abbruch

Speziell ist nicht nur das Gebäude, das von weit her sichtbar ist. Auch die Geschichte des Umbaus ist ungewöhnlich. «Die Steinermühle verkam allmählich zu einem Schandfleck in der Kulturlandschaft Kastelen. 2001 wurden der Abbruch und die Überbauung des Geländes verhindert, indem die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurden», erklärt Schwegler, der sich zusammen mit Kurt Marti und Alex Landolt zum Ziel setzte, die Steinermühle in der best möglichen Form zu retten. Die Stiftung Agrovison Burgrain kaufte 2008 mit Darlehen der drei Männer die Bauten für 1,15 Millionen Franken. Die Stiftung erachtete die Steinermühle als wichtigen Bestandteil der Landschaft. Aber keines der Projekte für die Sanierung, den Umbau oder die Rekonstruktion fand die Zustimmung der Denkmalpflege.

Die Agrovision gab deshalb das Vorhaben auf und übertrug die Verantwortung an die neu gegründete Mülihof Alberswil AG, die von Marti, Landolt und Schwegler gehalten wird. Sie bezahlte der Stiftung neben dem Kaufpreis auch die der Stiftung bis dahin erwachsenen Planungskosten. Es brauchte viele Anläufe, bis die Bauarbeiten 2016 in Angriff genommen werden konnten. Die Bewilligung für den Abbruch und die Erstellung eines Neubaus konnte von der Denkmalpflege erst bewilligt werden, als ihr vom Architekturbüro Bob Gysin Partner, Zürich, ein qualitätsvoller Ersatzneubau vorgelegt wurde.

Das Badezimmer einer Dachwohnung. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Das Badezimmer einer Dachwohnung. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

800 Kilogramm schwere Fensterverkleidungen

Dieses anspruchsvolle Baukonzept bescherte den Bauherren wie auch den Handwerkern viel Kopfzerbrechen. Neben dem Verzicht auf Denkmalschutzbeiträge entstanden mit den strengen Auflagen auch ein erheblicher Mehraufwand. So mussten sämtliche 140 Fenster mit einer Verkleidung aus Beton versehen werden und ein spezieller Waschputz war zu verwenden. Dies allein verursachte Mehrkosten von rund einer Million Franken. «Die Handwerker hatten zuvor noch nie einen solchen Putz aufgetragen und die Fensterverkleidung war zum Montieren eine gewaltige Herausforderung, weil jede 800 Kilogramm wog», erklärt Schwegler. Die Arbeiter seien fast verzweifelt. Umso mehr freut sich der Mann, der im letzten Jahr den Anerkennungspreis der Gemeinde Ettiswil entgegennehmen durfte, dass der Bau demnächst fertig gestellt wird. Die Schreiner tragen die letzten Türen in die Wohnungen und montieren die schweren Teile. Auch der Elektriker nimmt noch kleinere Installationen vor.

Die Umgebungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Gut zu sehen sind aber die grossen Kalksteinquader, welche das Fundament der alten Steinermühle gebildet hatten und nun die Ufermauer zum Mülibach bilden. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Die Umgebungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Gut zu sehen sind aber die grossen Kalksteinquader, welche das Fundament der alten Steinermühle gebildet hatten und nun die Ufermauer zum Mülibach bilden. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

«Chonnt guet!», ruft Franz Schwegler dem jungen Handwerker zur Begrüssung zu. «Wir haben 15 Jahre dafür gekämpft. Von den Unternehmen aus der Region haben wir gute Unterstützung erlebt. Es kommt wirklich gut.» Im Mülihof gibt es 17 Eigentumswohnungen. Die 2½-, 3½- und 4½-Zimmer-Wohnungen kosten zwischen 275000 bis 890000 Franken. Auch ein Aparthotel mit acht Kleinwohnungen ist integriert. Auf Google Maps ist es mit Aparthotel Luzern West aufgeführt. Insgesamt kostete der Bau rund 14 Millionen Franken.

In diesem Betrag ist das Wasserkraftwerk enthalten, das Strom für 25 Haushalte produzieren kann. Das Kraftwerk von 1865 ist als Museumsstück ausgestellt. «Es handelt sich meines Wissens um die älteste Francis-Turbine, die noch existiert», sagt Schwegler. Hausmeister Heinz Meyer führt die Turbine und den Rechen am Kanal vor: «Das neue Kraftwerk ist von der Funktionalität her vergleichbar mit dem alten, aber deutlich moderner und hergestellt in Deutschland.»

Die Teile der alten Wasserturbine bleiben als Andenken an die Steinermühle erhalten. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

Die Teile der alten Wasserturbine bleiben als Andenken an die Steinermühle erhalten. (Bild: Corinne Glanzmann (Alberswil, 11. Oktober 2018))

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