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WOHNEN IM ALTER: Regierung für fehlende Strategie kritisiert

Immer häufiger suchen Senioren vergeblich nach kleinen, preisgünstigen Wohnungen. Die Luzerner Regierung sieht dennoch keinen Grund, aktiv zu werden. Nun soll sie zum Handeln verpflichtet werden.
Ismail Osman
Der Wohnungsmarkt ist nur ungenügend auf die Bedürfnisse von Senioren vorbereitet. (Symbolbild: Christof Schürpf/Keystone)

Der Wohnungsmarkt ist nur ungenügend auf die Bedürfnisse von Senioren vorbereitet. (Symbolbild: Christof Schürpf/Keystone)

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Unsere Gesellschaft wird zunehmend älter. Diese Tatsache wirkt sich auf alle Bereiche unserer Gesellschaft aus. Auch auf den Wohnungsmarkt. Dieser wird in absehbarer Zukunft stärker von Senioren geprägt sein als bisher. Zwei Studien der Hochschule Luzern (HSLU), die im Verlauf der letzten beiden Jahre erschienen sind, kamen zum Schluss, dass die Nachfrage von Senioren nach günstigem Wohnraum deutlich ansteigen wird.

Die nun in Pension tretenden Babyboomer pflegen einen individuelleren Lebensstil als ihre Vorgängergeneration. Das ist einer der Gründe, weshalb künftig mehr ältere alleinstehende Personen auf Wohnungssuche sein werden. Zudem sind Pensionierte generell preissensibler in Bezug auf die fixen Wohnkosten, da sie davon ausgehen, langfristig weniger Geld zur Verfügung zu haben. Die Studien kommen zum Schluss, dass der Wohnungsmarkt, wie er sich heute präsentiert, nur ungenügend auf diese Entwicklung vorbereitet ist (wir berichteten). Die HSLU-Studien bescheinigen aber auch der öffentlichen Hand ungenügende Noten, da sie sich zu wenig strategisch auf den demografischen Wandel einstelle.

Expertin kritisiert die Situationsanalyse

Diesen Befund nahm Kantonsrat Jörg Meyer (SP, Adligenswil) zum Anlass, einen Vorstoss in Form einer Anfrage einzureichen. Meyer wollte wissen, wie sich die Situation in Bezug auf preisgünstigen Wohnraum für ältere Alleinwohnende im Kanton Luzern präsentiert, welchen Handlungsbedarf die Regierung sieht und welche Massnahmen sie zu ergreifen gedenkt. Die Antwort zusammengefasst: Die Regierung winkt ab. Sie verweist auf Zahlen zu der aktuellen Wohnsituation nach Altersgruppen und bemerkt dabei, dass in den letzten Jahren «keine grösseren Veränderungen» stattgefunden haben.

«Die Beurteilung der Situation ist fragwürdig und bringt auch keine Erkenntnisse zur Situation der Wohnungssuchenden», kritisiert Soziologin Joëlle Zimmerli, welche für die HSLU-Studien verantwortlich war. «Die Zahlen zeigen, dass innerhalb von nur drei Jahren der Anteil älterer Alleinwohnender in günstigen Wohnungen um 6 Prozentpunkte gesunken ist. Das ist beträchtlich.» Für Kantonsrat Meyer setzt sich die Regierung hier «die rosarote Brille auf und ist nicht bereit, den Blick nach vorne zu richten». Mit Verweisen auf die Selbstverantwortung und die Aufgaben der Gemeinden in Sachen Wohnbauförderung argumentiert die Regierung zudem, dass «kein systematischer Handlungsbedarf» besteht.

Sowohl Meyer wie auch Zimmerli sehen den Ball nicht alleine bei der öffentlichen Hand liegen. So weist Zimmerli etwa darauf hin, dass auch bei Genossenschaften Handlungsbedarf besteht. «Genossenschaften erstellen traditionsgemäss preisgünstigen Wohnraum, allerdings hauptsächlich für Familien. Sie bauen heute tendenziell zu hohe Anteile an grossen Familienwohnungen und vernachlässigen die Nachfrage nach Wohnungen für Alleinstehende.» Zimmerli warnt: «Die Situation für ältere Alleinwohnende auf Wohnungssuche, deren Anteil in Zukunft zunimmt, ist prekär.»

Der fehlenden Handlungsbereitschaft der Regierung will Meyer nun direkt entgegenwirken: In Reaktion auf die Antworten auf seine Anfrage reicht er morgen ein Postulat ein. In diesem wird der Regierungsrat aufgefordert, bei der Vergabe von Wohnbauland im Entwicklungsgebiet Luzern Nord (Seetalplatz und Reussbühl) den preisgünstigen Wohnungsbau für Senioren wie auch für Familien zu fördern. Dafür sei ein noch zu bestimmender Prozentsatz des Wohnanteils vorzusehen.

SP-Kantonsrat nimmt Regierung beim Wort

Meyer stützt sich bei seiner Forderung auf das von der Regierung hervorgehobene Beispiel des Bebauungsplanes Oberfildern in Ebikon. Dort sind 50 Prozent des Grundstücks für den gemeinnützigen Wohnungsbau reserviert. Dies zeige, dass der Kanton günstigen Wohnraum durchaus zu fördern versuche. «Ich nehme die Regierung hier beim Wort: Wenn sie sich ernsthaft für preisgünstigen Wohnraum einsetzen will, sollte ein ähnliches Modell wie in Ebikon auch für das Gebiet Luzern Nord möglich sein.»

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