Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Wohninitiative Kriens: Private Investoren sind offen für gemeinnütziges Bauen

Die Wohninitiative der SP Kriens sieht vor, dass die Stadt privaten Investoren den Bau gemeinnütziger Wohnungen vorschreiben kann. Wie würden diese darauf reagieren? Aufschluss gibt ein Blick über die Kantonsgrenzen.
Stefan Dähler
Blick auf das Gebiet Luzern Süd, in dem viele neue Überbauungen entstehen. (Bilder: Pius Amrein, Kriens, 25. April 2019)

Blick auf das Gebiet Luzern Süd, in dem viele neue Überbauungen entstehen. (Bilder: Pius Amrein, Kriens, 25. April 2019)

Mehr bezahlbare Familienwohnungen im Gebiet Luzern Süd – dieses Ziel verfolgt die Initiative «Bezahlbarer Wohnraum», die von der SP ins Leben gerufen wurde und sonst noch von den Grünen unterstützt wird. Die bürgerlichen Parteien lehnen sie ab.

Das Begehren ist als Anregung formuliert und geht damit weniger weit als die 2012 in der Stadt Luzern angenommene Initiative «Für zahlbaren Wohnraum», die konkret forderte, dass der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen innert 25 Jahren auf 16 Prozent steigen muss. Das Krienser Begehren sieht jedoch eine Massnahme vor, die in Luzern nicht praktiziert wird: Die Stadt Kriens soll einen Mindestanteil an preisgünstigen Wohnungen auf Entwicklungsarealen und bei grösseren Ein- oder Umzonungen festlegen.

Auf welchen Grundstücken das der Fall sein soll, schreibt die Initiative nicht vor. Die Massnahme soll aber nur gezielt bei einzelnen Arealen angewendet werden. Sie hätte für die betroffenen privaten Bauherren dennoch eine grössere Einschränkung zur Folge, schliesslich bedeuten gemeinnützige Wohnungen weniger Profit, da die Vermieter damit keinen Gewinn erzielen dürfen. Wie die Festlegung des Mindestanteils genau umgesetzt würde, ist heute noch nicht klar, sagt Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) auf Anfrage:

«Bei einer Annahme der Initiative würde der Stadtrat eine Regelung erarbeiten und dem Einwohnerrat vorlegen.»

Eine Idee wäre allenfalls, den betroffenen Bauherren mit einer höheren Baudichte als Bonus entgegenzukommen. Die Gemeinde Root oder die Stadt Luzern sehen diese Möglichkeit in ihrer Bau- und Zonenordnung vor. Der Krienser Stadtrat steht dieser Massnahme jedoch kritisch gegenüber. «Dies könnte auf Kosten der Freiräume gehen und die städtebauliche Qualität der Überbauung beeinträchtigen», sagt Senn.

Ähnliche Initiative hatte in Bern Erfolg

Wie Bauherren mit einem Mindestanteil an preisgünstigen Wohnungen umgehen, zeigt ein Blick in die Stadt Bern, wo eine Initiative mit ähnlicher Stossrichtung 2014 angenommen wurde. Diese geht klar weiter als jene in Kriens und fordert flächendeckend einen Mindestanteil preisgünstiger Wohnungen von einem Drittel bei Neu- und Umzonungen.

Die Initiative ist zwar wegen einer vor Bundesgericht hängigen Beschwerde noch nicht in Kraft, dennoch wird sie von Investoren bereits umgesetzt – etwa der Personalvorsorgestiftung der Ärzte und Tierärzte, die auf dem Meinen-Areal ab 2022 eine Überbauung realisieren will. «Die Bauherrschaft hat sich auf freiwilliger Basis bereit erklärt, die Ziele der Wohnraum-Initiative einzuhalten», sagt deren Sprecher Mark Egger. Hat die Stadt Zugeständnisse gemacht? «Die Stadt ist zwar erfreut, dass die Bauherrin die Initiative umsetzen wird, aber konkrete Zugeständnisse sind daraus nicht hervorgegangen», sagt Egger. «Das nun vorliegende Projekt ist das Resultat eines langwierigen Aushandlungsprozesses, bei dem hart um einzelne Parameter gerungen worden ist, zum Beispiel um Fragen wie Parkplätze für Autos und Velos, Dichte, öffentliche Räume oder Spielflächen.»

Egger nennt einen weiteren Aspekt:

«Die Realisierung gemeinnütziger Wohnungen ist positiv für das Image der Überbauung, sie erhöht die Akzeptanz im Quartier und schafft Vertrauen.»

Finanziell sei es aber eine «Gratwanderung», die vorgegebenen Rentabilitätsziele, welche eine Pensionskasse erfüllen muss, dennoch zu erreichen, so Egger.

Erfahrungen mit Genossenschaftswohnungen hat auch die Firma Mobimo, die im Gebiet Luzern Süd in Kriens die Überbauung Mattenhof realisiert. Hier ein Bild davon:

Links die Überbauung Mattenhof von Mobimo, rechts Matteo von einer Anlagestiftung der Credit Suisse. Bild: Pius Amrein (25. April 2019).

Links die Überbauung Mattenhof von Mobimo, rechts Matteo von einer Anlagestiftung der Credit Suisse. Bild: Pius Amrein (25. April 2019).

Mobimo ist derzeit in Zürich und Köniz an Bauprojekten mit Anteilen an gemeinnützigen Wohnungen von über 40 respektive 33 Prozent beteiligt. «Diese Beispiele verdeutlichen, dass entsprechende Auflagen für uns nicht a priori ein Ausschlusskriterium sind», sagt Marion Schihin, Leiterin Unternehmenskommunikation. «Sie verdeutlichen auch, dass institutionelle Investoren ebenso preisgünstigen Wohnraum entwickeln können – nicht nur gemeinnützige Bauträger.»

Mobimo sieht auch Nachteile

Grundsätzlich sei es aus Sicht von Mobimo aber problematisch, «wenn die Aktivitäten zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus die private oder institutionelle Bautätigkeit erschweren». Dies wirke sich auf dem freien Wohnungsmarkt in Form eines knappen Angebots und Preissteigerungen aus. Begrüssen würde man dagegen die Unterstützung einzelner Personen, die auf erschwinglichen Wohnraum angewiesen sind. Ob Mobimo das Projekt Mattenhof mit derartigen Vorgaben auch realisiert hätte, könne man retrospektiv nicht beurteilen, so Schihin. «Der Entscheid für oder gegen ein mögliches Projekt hängt von sehr vielen Faktoren ab, die wir nicht generalisieren können.»

Auch die Credit Suisse – eine Anlagestiftung der Bank realisiert in Kriens das Projekt Matteo – teilt auf Anfrage mit, dass man dies im Nachhinein nicht beurteilen könne. «Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Immobilienprojekte mit einem Anteil an gemeinnützigen Wohnungen können für Investoren durchaus interessant sein», so CS-Mediensprecherin Ute Vikas.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.